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Riesenjubel bei Felix Schütz (2. v. l.) und seinen Teamkollegen.

Felix Schütz und das Eishockeywunder

Erdings erste Olympiamedaille ist perfekt

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    Wolfgang Krzizok
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Das Eishockey-Wunder ist perfekt. Die deutsche Nationalmannschaft steht im Finale des olympischen Turniers. Und mit dabei: der Erdinger Felix Schütz, dem Silber sicher ist – mindestens.

Pyeongchang– Felix Schütz hat es wohl schon geahnt. Am Abend vor dem Spiel gegen Kanada sagte er zu seinem Bruder Axel: „Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl, aber ein komisches gutes Gefühl. Ich glaube, wir kommen ins Finale.“ Das erzählte der um fünf Jahre ältere Bruder. „Wir haben beide gelacht, denn das hat er auch schon vor dem Spiel gegen Schweden gesagt“. Und wieder hat er Recht behalten. Felix Schütz steht mit der deutschen Eishockeynationalmannschaft im Finale. Er wird der erste Erdinger sein, der eine Olympiamedaille gewonnen hat.

Unbeschreibliche Szenen spielten sich am Freitag im Gangneung Hockey Centre in Pyeongchang ab, als die Schlusssirene beim Halbfinale zwischen Deutschland und Kanada ertönte. Das DEB-Team hatte den haushohen Favoriten und Rekord-Olympiasieger mit einem 4:3 (1:0, 3:1, 0:2) aus dem Rennen geworfen und spielt jetzt um die Goldmedaille.

Von Bundestrainer Marco Sturm erneut perfekt eingestellt, lieferten seine Schützlinge das Spiel ihres Lebens ab. 3:0 führten sie nach Toren von Brooks Macek (15.), Matthias Plachta (24.) und Frank Mauer (27.). Das 1:3 durch Gilbert Brule (29.) beantwortete Deutschland mit dem 4:1 durch Patrick Hager (33.). Dann wurde es aber noch einmal eng. Kanada verkürzte durch zwei Überzahltore von Mat Robinson (43.) und Derek Roy (50.) auf 3:4, war nahe am Ausgleich, aber mit unglaublichem Kampfgeist retteten die Sturm-Schützlinge das 4:3 über die Zeit.

Danach ging es rund. Der Bundestrainer hatte gleich nach dem Ende versprochen: „Ich werde heute ein Bier ausgeben.“ In der Kabine erwartete ihn zunächst eine Energy-Drink-Dusche, seine überglücklichen Spieler sangen und hüpften wild herum. Im Finale am Sonntag wartet jetzt die Mannschaft der Olympischen Athleten Russland (OAR), die ihr Halbfinale 3:0 gegen Tschechien gewonnen hat. Spielbeginn ist um 5.10 Uhr MEZ.

Felix Schütz sprach auch noch Stunden nach der Partie davon, dass „alles so unrealistisch ist. Wir können es noch gar nicht glauben.“ Ob das Team Angst gehabt hätte, als Kanada von 1:4 auf 3:4 herankam? „Natürlich war es dann eng, aber Panik haben wir nicht geschoben“, erzählt der 30-Jährige. „Wir haben einfach das nötige Selbstbewusstsein, um auch solche Phasen zu überstehen.“

Einige Bier, vom Trainer spendiert, habe sich die Mannschaft gegönnt, „aber wir haben nicht exzessiv gefeiert, denn wir müssen morgen ja schon wieder ran“, sagt der Stürmer. Am Samstag sei vor allem schlafen und regenerieren angesagt, sowie ein leichtes Training. „Denn wir haben noch Einiges vor“, ergänzt er selbstbewusst. „Wir wollen jetzt Gold holen, und gegen Russland ist alles drin.“

Viel Lob vom einstigen Trainer

Besonders stolz war Franz Steer. Die Erdinger Eishockey-Legende war in den Schüler- und Jugendmannschaften des TSV Erding Trainer von Felix Schütz. „Das Eishockey spielen habe ich ihm nicht mehr beibringen müssen. Da war Felix in der Jugend schon besser als ich“, sagte der 59-Jährige. „Er hat nur eine Führung gebraucht, und deshalb habe ich ihn mal in Landshut auf der Bank sitzen lassen – als besten Spieler“, erinnert sich Steer. Geschadet hat’s nicht, im Gegenteil. „Ich hatte nie Probleme mit ihm. Ich habe mit kaum einem Spieler noch so viel Kontakt wie mit ihm. Wir schreiben uns regelmäßig.“ Als sich Schütz einmal in Schweden einen Nasenbeinbruch zuzog, „hat er mir ein Foto geschickt und dazu geschrieben: ,Jetzt schaue ich aus wie du‘“, erzählt Steer lachend.

Gegen Kanada hat Steer aber nicht nur wegen Schütz mitgefiebert. Sein Stiefsohn Gerrit Fauser war schließlich auch mit von der Partie. „Der hat nach dem Spiel ausgeschaut wie ein Streuselkuchen“, erzählt Steer von der Härte der Kanadier. Das Finale werde schon sehr schwer, „denn die Russen sind saustark, aber auch sie sind nicht unschlagbar. Wir haben heute gesehen, wie weit du mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung kommen kannst, wenn du so einen Lauf hast“.

Jubel auch im Bus der Gladiators

Oberbürgermeister Max Gotz wird auch am Sonntagmorgen vor dem Fernseher sitzen. „Diese Sternstunde des Sports lasse ich mir nicht entgehen“, sagt er. Dass die Stadt sich nun über ihren ersten Medaillengewinner in der Olympiageschichte freuen darf, sei für Erding eine Riesensache. Natürlich werde Schütz entsprechend geehrt. „Da lassen wir uns etwas einfallen“, kündigte Gotz an. „Wir werden das aber mit einem zeitlichen Abstand machen. Die Rückkehr wird sowieso fulminant werden“, sprach der OB den erwarteten Medienrummel an. „Wir werden Felix Schütz ein wenig durchschnaufen lassen.“

Janine Krzizok, Sportreferentin der Stadt, gibt zu, dass sie beim Stand von 4:1 alle Arbeiten abgebrochen habe. „Ich musste unbedingt das Spiel sehen. Ich kenne den Felix seit mindestens 25 Jahren. Ich gönne ihm den Erfolg von Herzen. Er hat so lange dafür gearbeitet.“ Das Spiel gegen die OAR werde sie sich keinesfalls entgehen lassen. „Ich bin am Samstag auf einer Hochzeit. Vielleicht machen wir gleich durch.“

Ihr Bruder Daniel, Torjäger der Erding Gladiators, verfolgte die letzten Minuten des Halbfinales auf dem Handydisplay, denn sein Team war schon auf dem Weg zum Playoff-Spiel nach Höchstadt (Bericht siehe Seite 9). „Diese Spannung am Schluss war schon brutal“, sagte er. Da Schütz nur ein halbes Jahr älter ist als Krzizok, haben die beiden jedes zweite Jahr im Nachwuchs im gleichen Team gespielt. Mit Timo Borrmann und Sebastian Schwarz saßen übrigens noch zwei weitere Weggefährten von Schütz im Bus. Gejubelt haben natürlich alle.

Felix’ Bruder Axel hatte übrigens vor den Spielen überlegt, nach Südkorea zu fliegen. Letztlich sei das aber doch etwas kompliziert gewesen. „Und jetzt nachfliegen, das wäre auch verrückt“, meint er. Jetzt laufe eben der Familienchat heiß. Vielleicht schreibt der kleine Bruder ja nochmal was von einem „komischen guten Gefühl“.

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