Anton Bönig prägte eine goldene Ära und schoss mal 30 Tore in der 4. Liga. Nun gehört der Vorstopper des FC Langengeisling zu den 100 besten Sportlern des Landkreises.
+
Die Goldene Moosinninger Zeit: Anton Bönig (stehend) führte den FCM als Spielertrainer in die Landesliga. Auf dem Bild sind noch andere Fußball-Größen zu erkennen (hinten, v. l.) Georg Mayer, Sigi Mayer, Georg Orthuber, Jürgen Auerweck, Peter Huber,Karl Huber, Manfred Auerweck, Herrmann Kollmannsberger, (vorne, v. l.) Günther Thumbs, Richard Schätzl, Georg Püttner, Manfred Scherzl sowie Martin Ismair.

Erdings Top 100

Anton Bönig: Der Knipser von Moosinning

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
    schließen

Anton Bönig prägte eine goldene Ära und schoss mal 30 Tore in der 4. Liga. Nun gehört der Vorstopper des FC L zu den 100 besten Sportlern des Landkreises.

Erding – Eigentlich hat der Vorstopper des FC Langengeisling damals – es war das Jahr 1987 – wenig falsch gemacht. 90  Minuten hatte er Moosinnings Spielertrainer beschattet, abgegrätscht, Zweikämpfe gewonnen. Trotzdem hat Anton Bönig zwei Tore erzielt: eins davon bei einem indirekten Freistößen, als sein Gegenspieler in der Mauer stand. Anton Bönig war das, was man heute einen Knipser nennt. Und natürlich setzte er sich gegen noch weit bessere Abwehrleute durch. Den TSV Eching zum Beispiel schoss er mit 30 Toren zum Landesliga-Meister in die Bayernliga – und das war damals die dritthöchste Klasse nach 1. und 2. Bundesliga.

Anton Bönig hatte das Zeug zum Profi. Diese Laufbahn sollten dann aber erst viele Jahre später zwei seiner drei Söhne beschreiten. Wir sprachen mit dem 66-Jährigen, der beim FC Moosinning eine erfolgreiche Ära mitgeprägt hat – als Spieler und Trainer.

Herr Bönig, wo liegen Ihre fußballerischen Wurzeln?

Meine ersten Schritte im Fußball machte ich unter dem „harten Hund“ Toni Knöferl im Schüler- und Jugendbereich beim FC Eintracht Freising. Ich „durfte“ als Jüngster mit wesentlich älteren Spielern um Punkte kicken. Training und Spiele fanden auf dem buckligen Platz neben dem Freisinger Freibad statt. Nach einigen Spielen in der Oberbayern- und Bayernauswahl wurde der FC Bayern auf mich aufmerksam. Ich wechselte in die B-Jugend des FC Bayern und wurde Stammspieler bei den Amateuren. Mit dem damaligen Manager Robert Schwan gab es hinsichtlich eines Profivertrags Unstimmigkeiten. Deshalb wechselte ich wieder zurück zur Eintracht in die 1. Mannschaft. Der wichtigste Trainer war in dieser Zeit der „Henner Bursch“, der leider schon verstorben ist. Da ich auch immer schon gerne Kritik an Trainern geübt habe, wollte ich es mit 28 Jahren selber als Spielertrainer versuchen. Das hat ganz gut geklappt und machte auch sehr viel Spaß.

Dann kam der Wechsel nach Eching.

Ein super Jahr. Mit etwa 30 Jahren kickte ich unter Trainer Anton Plattner für den TSV Eching in der Landesliga. Mit 30 Toren von mir und 28 Toren von Wolfgang Leitl sind wir in die Bayernliga aufgestiegen. Das war sportlich eine sehr erfolgreiche Zeit. Danach leitete ich aufgrund einer mündlichen Zusage ein Jahr lang das Training beim FC Eintracht Freising.

Und dann stand der FC Moosinning vor der Tür.

Ich bin zwar gebürtiger Freisinger, wohne aber bereits seit 1979 in Erding. Zuvor habe ich auch einige Jahre in Dorfen gelebt. Da ich mit der Eintracht als junger Spielertrainer schon einige Erfolge verzeichnen konnte, ist der FCM an mich herangetreten. Besonders hartnäckig war Richard Kroh. Die neue Aufgabe hat mich gereizt, zumal ich in die großen Fußstapfen von Kulttrainer Otto Humplmair treten und eine tolle Truppe übernehmen durfte, mit Horst Kroh und vielen mehr. Gleich im ersten Jahr ist uns der direkte Aufstieg in die neu eingeführte Bezirksoberliga und dann in die Landesliga gelungen. Wir hatten eine schöne und erfolgreiche Zeit von 1987 bis 1990. 

Er hatte einfach den Wumms: der Moosinninger Torjäger (r.) in Aktion.

Das vergisst man nicht, oder?

Dem FC Moosinning bin ich bis heute sportlich und persönlich noch sehr verbunden. Ich habe bis etwa 50 Jahren noch in der AH gekickt. 

Danach folgte ein Intermezzo bei der BSG Himolla Taufkirchen.

Die Saison 1994/95 lief mit dem Abstieg aus der Landesliga Süd leider nicht sehr erfolgreich. Es war aber trotzdem ein interessantes und lehrreiches Jahr.

Gehen wir zurück zu Ihren Anfängen. Hatten Sie als Jugendlicher den Traum, als Profi die ganz große Karriere zu machen?

Mein Ziel war es, Profi zu werden, aber nicht um jeden Preis. Es gab auch damals schon tolle Spieler und Talente, die es nicht geschafft haben, da einfach viel mehr dazu gehört – auch Glück –, diesen Weg gehen zu können. Ich bin deshalb keineswegs enttäuscht gewesen.

Wie haben Sie Fußball und Ihr berufliches Leben unter einen Hut gebracht?

Berufliches Leben und Fußball bringt man nur dann zusammen, wenn die Familie und im speziellen natürlich die Ehefrau diesen „Wahnsinn“ mitmachen. Und da hatte ich richtig viel Glück.

Was hat sich nach der Fußballzeit in Ihrem Leben alles verändert?

Was ich besonders positiv für mich empfinde, ist die Tatsache, dass ich noch zu vielen Weggefährten, Spielern, Trainern und sogar Vorständen Kontakt habe. Wir sehen uns, und es sind viele Freundschaften entstanden, die es im Profibereich so nicht geben kann.

Ihre Söhne Philipp, Sebastian und Vincent sind in der Fußballszene auch keine Unbekannten.

Philipp war etwa zehn Jahre Bundesligaprofi beim MSV Duisburg und VfL Bochum und die letzten zwei Jahre bei Ferencvaros Budapest. Da wurde er ungarischer Pokalsieger. Nunmehr ist er im Trainergeschäft. Zuerst in Wolfratshausen und in dieser Saison beim Regionalligisten VfR Garching, den er nach der Vorrunde verlassen hat. Fußball macht er allerdings jetzt als Hobby. Er ist in einem Vollzeitjob tätig. Sebastian war ebenfalls lange Zeit Profi in der 2. Bundesliga, zuerst bei LR Ahlen und später bei Union Berlin. Mit den Berlinern ist er als langjähriger Co-Trainer in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Derzeit steht er vor der Prüfung zum Fußballlehrer und könnte dann einen Cheftrainerposten anvisieren. Mal abwarten. Vincent, unser Jüngster, war mit der Jugend des FC Bayern Deutscher Meister und spielte anschließend noch für Ingolstadt und Viktoria Wien unter Trainer Toni Polster. Seit einigen Jahren ist er aus zeitlichen und beruflichen Gründen nicht mehr aktiv, was schade ist. Er wohnt wie Sebastian in Berlin. 

Jubel nach dem Triumph: Anton, Vincent, Sebastian und Philipp Bönig (v. l.) feiern den Bundesliga-Aufstieg von Union Berlin.

Das sind tolle Fußballer geworden. Aber Ihr Knipser-Gen hat keiner, oder?

Philipp war in der Schülermannschaft des FC Eintracht Freising, die ich trainiert habe, ein absoluter Torjäger. Er wurde erst bei den Bayern zum Linksverteidiger.

Wie ist Ihr Leben?

Bis vor zwei Jahren war ich in der Leitung des Jugendamtes Dachau tätig und mache jetzt noch für ein paar Stunden in der Woche das Fachcontrolling. Zudem studiere ich im Rahmen eines Seniorstudiums an der LMU München Soziologie und Psychologie. Bis vor kurzem war ich noch Schöffe beziehungsweise Laienrichter am LG Landshut. Diese Tätigkeit habe ich aus Altersgründen nun abgelegt. Natürlich sehe ich nach wie vor gerne Fußballspiele, am liebsten die von Union Berlin oder den Mannschaften meiner Söhne, an. Ich sehe auch gerne die Aktivitäten meiner beiden Enkeltöchter Emily und Laura in der Leichtathletik und beim Turnen.

Wie halten Sie sich fit?

Seit 30 Jahren gibt es beim FC Moosinning eine Freizeitmannschaft, die „Champions“, die sich jeden Sonntag trifft und bis heute meine müden Knochen einigermaßen fit hält, aber vor allem sehr viel Freude bereitet.

Die Stadt Erding ist seit Jahrzehnten nur Fußball-Diaspora. Wieso ist das so, und wie könnte man das aus Ihrer Sicht ändern?

Über die Erfolge oder Misserfolge der Erdinger Vereine maße ich mir kein Urteil an, da ich zu den Gegebenheiten keinen Einblick habe. Es ist aber erstaunlich, dass in einer sportbegeisterten Stadt wie Erding in einem positiven wirtschaftlichen Umfeld keine Mannschaft zumindest in der Landesliga angesiedelt ist. Vereine, Vertreter der Stadt und potenzielle Sponsoren könnten sich an einen Tisch setzen und ein gemeinsames Konzept besprechen und erarbeiten: Themen wie Stadion, Jugendarbeit oder Fusionen gabe es genügend.

Peter Spanrad und Dieter Priglmeir

Weitere Porträts aus unserer Serie Erdings Top 100 finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare