Die Fluglehrer Christoph Lansky und Oliver Lärz sowie ihre Schüler Ursula Ingerl, Jörg Seidel und Elias Draxinger stehen vor dem Schulungsdoppelsitzer ASK21 am Segelflug-Gelände Gammelsdorf.
+
Gleich geht’s hoch: Fluglehrer Christoph Lansky, Ursula Ingerl, Jörg Seidel, Elias Draxinger, Fluglehrer Oliver Lärz vor dem Schulungsdoppelsitzer ASK21 am Segelflug-Gelände Gammelsdorf.

Segelflugfliegen

Jörg Seidel: Mit 58 erstmals allein im Cockpit

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
    schließen

Er war Volleyballspieler. Seit vier Jahren lebt Jörg Seidel einen neuen Traum. Ein Bericht über den langen Weg des Moosinninger Segelflugschülers.

Moosinning/Gammelsdorf – „Vier Jahre habe ich darauf hingearbeitet – und dann war ich wirklich ganz allein da oben. Das war genial.“ Jörg Seidel ist 58 Jahre alt, ist auf dem besten Weg, seinen Segelflugschein zu machen. Der erste Schritt ist jedenfalls getan: sein erster Alleinflug.

Zu diesem einen Moment kann wohl jeder Pilot – ob Segelflieger, Motorflieger, Airliner – seine eigene Geschichte erzählen: Ein letzter Checkflug mit dem Fluglehrer, der einem mitteilt, man könne das jetzt alleine – und dann ist es soweit. Die Anspannung vor dem Start, ein kribbeliges Gefühl, wenn das Seil der Startwinde sich strafft, das Flugzeug anrollt, abhebt, steigt – bis das Schleppseil ausklingt und man weiß, es ist soweit: „Ich fliege jetzt allein!“

Gleich drei Segelflugschüler des LSV Albatros durften diesen einmaligen Moment erleben, der für jeden anders, aber am Ende doch immer gleich ist: ein riesiges Glücksgefühl. Seidel sowie Elias Draxinger (15) aus Essenbach und Ursula Ingerl (17) aus Gündlkofen hatten im Rahmen des Sommerlehrgangs des LSV Albatros die Tage zuvor genutzt, um intensiv mit ihren Fluglehrern Oliver Lärz und Christoph Lansky Starts und Landungen zu absolvieren. Nach dem erfolgreichen Feinschliff führten sie jeweils drei Alleinflüge mit dem Schulungsdoppelsitzer ASK21 durch.

Erstmals ohne Helfer in der Luft – wie viel Angst fliegt da mit? „Gar keine“, antwortet Seidel. „Deine Lehrer lassen dich ja nur hoch, wenn sie sich absolut sicher sind. Du genießt also ihr Vertrauen. Und dann bist du allein da oben mit dem Gefühl, dass du alles im Griff hast.“

Für Seidel erfüllte sich damit übrigens nicht unbedingt ein Kindheitstraum. „Ich habe viele Jahre bei der SG Siemens Ost Volleyball gespielt“, erzählt er. Erst als das der Rücken nicht mehr erlaubte, habe er sich nach sportlichen Alternativen umgesehen. Nach einem Urlaub im Südtirol habe er sich dann überlegt, dass die Fliegerei etwas für ihn sein könne. Vier Wochen lang schnupperte beim LSV Albatros, war begeistert von der Atmosphäre und den „ruhigen, netten Leuten“ und entschloss sich, die Fliegerei zu lernen. Wohlgemerkt: das Segelfliegen. „Motorfliegen ist mir zu touristisch“, sagt Seidel. Was ihn noch am Segelfliegen beeindruckt: „Es ist Teamarbeit. Du kommst nur in die Luft, wenn alle zusammenhelfen. Die Thermik bestimmt, wo es hingeht.“ Und eine sportliche Anstrengung sei es ohnehin. „Du musst immer konzentriert sein und auch sehr ehrlich sein: Wenn es dir nicht gut geht, dann hast du nichts in der Luft verloren.“ So aber sei es eine geniale Ablenkung von der Arbeit, meint der Siemens-Mitarbeiter. „Ein, zwei Stunden raus und Fliegen – das geht nicht. Da musst du dir schon einen ganzen Tag dafür Zeit nehmen.“

Die Segel-Kenntnisse fliegen einem nicht zu. „In meinem Alter musst du dir das hart erarbeiten“, sagt der Moosinninger. Seine beiden jungen Kollegen, beides Schüler des Seligenthal-Gymnasiums in Landshut. „tun sich viel leichter“, meint Sedel. „Das ist halt die Generation Joystick, und außerdem machen sie sich auch nicht so viele Gedanken wie ich.“

Der erste Alleinflug war allerdings nur der erste von vier Schritten zum Flugschein. Für die drei Alleinflieger beginnt nun der nächste Ausbildungsabschnitt. Das Verbessern der fliegerischen Fertigkeiten, erste Thermikflüge und die Umschulung auf andere, einsitzige Segelflugzeugmuster stehen nun auf dem Programm. Abschließend ist noch ein Streckenflug über 50 Kilometer und die praktische Prüfung mit einem Prüfer des Luftamts Südbayern zu absolvieren – aber bis dahin haben die drei noch etwas Zeit. In zwei Jahren will Seidel den Schein haben und irgendwann Wandersegelflüge durchführen. „Manche fliegen so durch ganz Deutschland. Das könnte ich mir auch vorstellen“, sagt der 58-Jährige.

Der LSV Albatros bildet ehrenamtlich Segelflieger*innen aus. Beginnen kann man mit 14 Jahren – also schon weit vor dem Autoführerschein.

VON DIETER PRIGLMEIR UND SEBASTIAN POHL

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare