Das Ziel  vor Augen: Beim Triathlon in Roth fuhr Alexandra Mitschke durch ein Spalier von begeisterten Zuschauern.
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Das Ziel  vor Augen: Beim Triathlon in Roth fuhr Alexandra Mitschke durch ein Spalier von begeisterten Zuschauern.

Erdings Top 100

Alexandra Mitschke: Der normale Triathlon ist ihr zu langweilig

Alexandra Mitschke kann es nicht extrem genug sein. Sogar zum Relaxen nimmt die Extremsportlerin Strapazen auf sich.

Erding – Stundenlang in ungemütlichem Terrain im Wasser und zu Lande auf Tempojagd gehen, dabei die Limits des eigenen Körpers kennen lernen, immer andere Naturerlebnisse erfahren. Das begeistert die Erdinger Extrem-Triathletin Alexandra Mitschke.

In Schottland, Norwegen oder sogar Alaska warteten die unterschiedlichsten Herausforderungen auf die Ausnahmesportlerin – fast immer schaffte sie bei den Wettbewerben den Sprung aufs Podest, auch wenn sie betont, dass es ihr nie ums Gewinnen ging. Die Angestellte der Flughafen München GmbH (FMG) machte früher auch beim normalen Triathlon mit, war unter anderem dreimal bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft auf Hawaii am Start und schaffte dort als beste Platzierung Rang 25 in ihrer Altersklasse.

„Über die Marke Ironman habe ich mich dann aber irgendwann aufgeregt“, erzählt Alexandra Mitschke. Zu viel Kommerz sei im Spiel, wegen der Masse an Leuten auf der Strecke hätte man sich zu oft im Windschatten der anderen verstecken können. Daher suchte sich die mittlerweile 48-Jährige eine Alternative – und fand diese im Extrem-Bereich.

Die Radstrecke war „hammerschön“

2014 startete sie beim Swissman Xtreme. Dort war zwar ebenfalls die normale Triathlon-Langdistanz (3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen) zu absolvieren. Allerdings gab es deutlich mehr Höhenmeter zu bewältigen – über 2000 beim Laufen, mehr als 5000 mit dem Rad. Nach gut 15 Stunden war Alexandra Mitschke im Ziel – mit einem überragenden Erfolg. In ihrer Altersklasse holte sie den Titel und schwärmte: „Das war mein absolutes Lieblingsrace ever.“ Vor allem die Radstrecke sei „hammerschön“ gewesen.

Schlechtes Wetter? Kein Problem! Alexandra Mitschke lässt sich auch von Wind, Regen und Kälte nicht aufhalten.

Tempo halten ist ihre Stärke

Damit war die Sportlerin vom „Extremen“ gepackt, und es ging im Jahr darauf weiter mit dem Norseman in Norwegen. Diesen gewann sie in ihrer Leistungsklasse und schnappte sich das weiße Trikot. Den Triumph wiederholte sie 2017 und distanzierte dabei den besten Mann gleich um sechs Minuten. Mit Platz sechs erreichte sie auch beim Celtman Extreme Triathlon ein Superergebnis.

Erste Frau in der Hall of Fame

Dieser XXL-Hattrick ist außergewöhnlich. „Noch nie ist es einer Frau gelungen, alle drei Extremrennen unter den Top Ten zu finishen“, freut sich die Erdingerin, der damit eine besondere Ehre zuteil wurde: Nach drei Top-Ten-Platzierungen hatte die damals 44-Jährige als erste Frau einen Platz in der Hall of Fame der Extrem-Triathlons.

Als besondere Stärke sieht die Extremsportlerin darin, dass sie ihr Tempo über unterschiedlich lange Distanzen halten kann. „Da ist es egal, ob ich 10 oder 42 Kilometer unterwegs bin“, sagt sie.

Gut gelaunt bergauf, bergab: Alexandra Mitschke unterwegs in den schottischen Highlands beim Celtman.

Xtreme-Lauf gegen Bären

Eine „andere Erfahrung“ sei der Xtreme-Lauf 2018 in Alaska gewesen, meint die 48-Jährige lachend. Dort lauerten unter anderem Bären als Gefahr. Kein Athlet geht den Alaskaman Xtreme Triathlon ohne Bärenspray an, hat Mitschke gelernt und weiß auch, wie man es im Notfall benutzt: „Erst dem Bär auf die Füße sprühen. Wenn er dann verdutzt ist, dann noch mal voll in die Augen.“ Im günstigsten Fall flüchtet das Raubtier, ansonsten, so habe ihr der Alaskaner Bob Eder erklärt, gibt’s drei Alternativen: „Beim Schwarzbär: sprühen und sich tot stellen. Beim Braunbär: sprühen und schnell davon laufen.“ Und beim Grizzly? „Sprühen und beten.“ Beim Üben sah sie einige Exemplare, ein Freund Mitschkes wurde sogar angegriffen.

Im Gegensatz zu Eder, der vor acht Jahren tatsächlich von einem Braunbären angefallen worden war und danach vier Tage im Koma lag, blieb die Erdingerin unversehrt. Aber die 15 Stunden und 36 Minuten, die sie für den Triathlon benötigte, waren auch so schon aufregend genug. „Es war mein bisher härtester Extreme-Triatlon“, meint sie – aber auch der faszinierendste.

Robben begleiteten sie beim Schwimmen

Beim Schwimmen ging es runter auf Temperaturen von sieben Grad, dabei wurde sie unter anderem von Robben begleitet: „Das war einfach wunderbar, und es gibt eine tolle Verbindung mit der Natur.“ Am Ende stand erneut der erste Platz in ihrer Altersklasse, auch dank der Mithilfe ihres Freundes Rainer Marstaller. Er ist ebenfalls Extremsportler und diente als Supporter auf der Strecke.

Als erste Frau überhaupt absolvierte Alexandra Mitschke 2017 vier Xtreme-Wettbewerbe in nur einem Jahr – eine besondere Grenzerfahrung: „Danach war ich aber bis in den März 2018 richtig platt. Ich hatte nur noch für den Sport gelebt, das will ich nicht noch einmal machen.“

Manchmal bin ich konsequent inkonsequent.

Alexandra Mitschke zu ihrer Überlegung mit dem Extremsport aufzuhören, wenn sie 50 ist.

Aber aufhören ist noch keineswegs geplant. Zum Celtman nach Schottland will die Sportlerin auf alle Fälle noch einmal. Ihr Ziel: Noch einmal das Podium zu erklimmen. Eventuell soll es auch ein weiteres Mal zum Norseman gehen, der auch als Weltmeisterschaft gilt. „Wenn ich mich dafür qualifiziere, dann überlege ich es mir“, sagt die 48-Jährige. Mit 50 Jahren soll dann aber Schluss mit den extremen Wettbewerben sein, glaubt Mitschke: „Aber wer weiß, manchmal bin ich konsequent inkonsequent.“

Der Gipfel: Alexandra Mitschke auf der Zugspitze.

Auch abseits der Wettbewerbe legt sie die Beine nur selten hoch, ist meist aktiv. Mit dabei ihr Freund, der die Erdingerin vor allem beim Radfahren pusht: „Da ist er besser, ich will aber immer dranbleiben und liebe es, an die Grenzen zu gehen.“ Das zeigte sich unter anderem beim 24-Stunden-Rennen in Kelheim, dort schaffte sie mit 560 Kilometern auf dem Rad einen neuen Streckenrekord.

Aktuell erfüllt sich Alexandra Mitschke an den Wochenenden einige sportliche Träume. Eine Zugspitzüberschreitung stand auf dem Plan. Innerhalb von acht Stunden kletterte beziehungsweise lief sie 33 Kilometer von Grainau aus auf die Zugspitze und wieder runter, absolvierte dabei 2480 Höhenmeter. Zurück nach Grainau ging es dann mit dem Mountainbike.

In Kurzarbeit noch mehr Zeit für Sport

An einem anderen Wochenende meisterte sie die Strecke zum Gardasee (410 Kilometer, 3500 Höhenmeter) nonstop in gerade einmal 15 Stunden und 30 Minuten. Zuletzt ging es nach Tschechien, was noch einmal 300 Kilometer ohne Unterbrechung auf dem Fahrrad bedeutete.

Angesichts der Corona-Pandemie befindet sich die Flughafenangestellte derzeit in Kurzarbeit und hat dadurch noch mehr Zeit für ihr Hobby. „Da muss ich aufpassen, dass ich nicht sogar zu viel Sport treibe“, sagt Alexandra Mitschke und lacht.

Bernd Heinzinger

Weitere Porträts aus unserer Serie Erdings Top 100 finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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