Bereit für den nächsten Einsatz: Auch dank des eigens dafür konstruierten „Sledboni“ können die Brüder Patrick (7, links) und Lorenz (9) Ruwwe aus Oberding derzeit noch auf einer Fläche im eigenen Garten Eishockey spielen.
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Bereit für den nächsten Einsatz: Auch dank des eigens dafür konstruierten „Sledboni“ können die Brüder Patrick (7, links) und Lorenz (9) Ruwwe aus Oberding derzeit noch auf einer Fläche im eigenen Garten Eishockey spielen.

Eisfläche dahoam

Puckjagd auf der eigenen Wiese

  • vonOlaf Heid
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Sobald die Hausaufgaben gemacht und das Homeschooling beendet ist, fliegen im Hause Ruwwe in Oberding die Schulsachen in die Ecke.

Oberding Die Brüder Patrick (7) und Lorenz (9) ziehen sich ihre Eishockeyausrüstung der Young Gladiators des TSV Erding an, binden sich die Schlittschuhe, schnappen sich Schläger und Puck und ab geht’s aufs Eis – im eigenen Garten.

Familie Ruwwe wohnt mitten in der Flughafengemeinde und hat sich eine eigene Eisfläche auf den Rasen vor der Terrasse gezaubert. „Wir wollten unbedingt etwas für unsere Kinder tun“, erläutert Mutter Julia Ruwwe die Hintergründe. „Seit November ist kein richtiger Sport mehr möglich, weder in der Schule noch im Verein. Den Buben ist langweilig, und irgendwie müssen sie ja ihre Energie abbauen. Und weil wir eine Eishockeyfamilie sind, haben wir uns eine Alternative überlegt.“

Darum wurde Vater Alexander Ruwwe, ein Technik-Ingenieur, kreativ und zum Sportstättenbauer. Noch vor dem harten Lockdown im Dezember wurde eingekauft und gewerkelt. Im Baumarkt besorgte sich die Familie PVC-Rohre, die die Begrenzung bilden. Ein sechsmal neun Meter großes Rechteck wurde im Garten angelegt. Der Boden mittels Platten einigermaßen geebnet, darauf kam eine Folie und schließlich das Wasser.

Kurz vor Weihnachten stand das Konstrukt, dann warteten die Buben, beide leidenschaftliche Eishackler, sehnsüchtig auf das Gefrieren der drei bis vier Zentimeter hohen Wasserschicht. „In den Weihnachtsferien haben die Jungs täglich gefragt, ob sie endlich drauf dürfen“, sagt die Mama lachend. „Geduld zu haben, war schwierig.“ Doch es dauerte bis zum Ende der Ferien, ehe die Temperaturen anhaltend unter den Gefrierpunkt sanken und das Eisareal samt Fangnetz hinter dem Tor freigegeben war. Das Warten habe sich aber gelohnt, freut sich Lorenz: „Das war super, als wir endlich fahren durften.“ Seitdem sind der Neunjährige und sein Bruder täglich etliche Stunden auf dem Eis.

Sie drehen ihre Kreise, trainieren vor- und rückwärtsfahren, schießen aufs Tor oder üben Zweikämpfe. „Es bringt viel Spaß“, meint Patrick, U 9-Spieler bei den Young Gladiators und Fußballer beim TuS Oberding. „Es ist fast so wie echtes Eistraining im Stadion.“ Und wer verteilt die Strafzeiten, wenn es hier mal Streit gibt? „Dann ist Mama die Schiedsrichterin“, weiß Lorenz, der in der Erdinger U 11 beheimatet ist, aber auch Tennis spielt.

Am späten Nachmittag, wenn es dunkel wird, geht dann das Flutlicht im Garten an. Alexander Ruwwe hat einen Strahler aufgestellt, damit seine Buben länger draußen spielen können. Aber auch, um nach dem Spiel zusammen mit seiner Frau seiner Tätigkeit als „Eismeister“ nachzukommen. Der Hobbybastler hat extra dafür den „Ruwwe-Zamboni“ kreiert – mit Schlitten, kleinem Wassertank, Schlauch und hinten dran einem Handtuch. So zieht er die Maschine, Spitzname „Sledboni“, übers Eis, um Kufenspuren und Löcher wieder zu füllen und für eine ebene Fläche zu sorgen.

Seit elf Tagen geht der Spaß, das angekündigte Tauwetter könnte aber nun zum Spielverderber werden. „Wir überlegen, ob wir die Fläche mittels Plane vor der Wärme schützen können“, sagt Alexander. Solange es nachts friert, möchte die Familie die ungewöhnliche Fläche am Leben halten. Damit es für Lorenz und Patrick ein lohnenswertes Ziel nach den Hausaufgaben gibt.

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