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Sebastian Rötzers Feintuning für den nächsten Weltmeister

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Alles vorbereitet für den Saisonhöhepunkt: Der Notzinger Sebastian Rötzer fördert die Karriere von Julian Bielmeier. Das 20-jährige Supertalent aus Pfaffenhofen wird beim Sandbahn-Klassiker in Herxheim am Start sein.
Alles vorbereitet für den Saisonhöhepunkt: Der Notzinger Sebastian Rötzer fördert die Karriere von Julian Bielmeier. Das 20-jährige Supertalent aus Pfaffenhofen wird beim Sandbahn-Klassiker in Herxheim am Start sein. © Sro

Der Notzinger will den Sandbahnsport zu neuem Glanz bringen – mit einem Supertalent

Notzing/Aßling – Sebastian Rötzer stand oft in einer Startreihe mit dem vierfachen Langbahnweltmeister. Doch egal, wie gut er sich auch fokussierte, die tobenden Massen, heulenden Motoren und aufwirbelnden Sandwolken ausblendete, um schließlich mit Feingefühl am Gasgriff aus dem Startband zu schießen: „Am Karl Maier, der Sandbahn-Legende aus Neufinsing, bin ich einfach nie vorbeigekommen.“ Die Blütezeit des Bahnsports in den 1980ern zeichnet der Notzinger detailverliebt zwischen Rennmaschinen und Ersatzteilen in einer Werkstatt im Aßlinger Gewerbegebiet nach.

Wenn sich der heute 56-Jährige dabei mit vollem Körpereinsatz in die Kurven legt, um den Besucher nochmal in die heißesten Rennen seiner Karriere mitzunehmen, merkt man schnell, dass ihn der Geschwindigkeitsrausch auf Sand, Gras oder Eis bis heute nicht loslässt. Obwohl ihm ein schwerer Sturz, „der sogar im RTL Notruf verfilmt wurde“, abrupt die Karriere ausbremste. Im Gegenteil. Rötzer hat gerade ein ganz heißes Eisen im Feuer, „den aufgehenden Stern am Bahnsporthimmel“. Der 20-jährige Nachwuchsfahrer Julian Bielmeier aus Pfaffenhofen ist Rötzers Protégé, und wenn alles nach Plan läuft: „der nächste Weltmeister“.

Erst mal bereitet sich Bielmeiers Team aber auf den Saisonhöhepunkt vor. Mit etwa 15 000 Motorsportfans rechnet Rötzer an Christi Himmelfahrt beim Sandbahn-Klassiker in Herxheim, wo ihm Bielmeier vor drei Jahren auffiel und heuer erstmals auch das Finale der Team-WM ausgetragen wird.

Bielmeier startet zwar bis Ende des Jahres noch in der Nachwuchsklasse. Sein Team hat sich dennoch einen Coup vorgenommen, der die Fachwelt diesen Donnerstag weit über das Herxheimer Oval hinaus „aufhorchen lassen soll“, wie Rötzer sagt.

Die 350 Kilometer Anreise in die Südpfalz führen den Notzinger in eine Art persönliches Motorsport-Mekka. Eine der national wenigen Ausnahmen, die den jahrzehntelangen Ansehensverlust von Rötzers Herzenssport überdauert hat. „Das sind zwei Tage Volksfest, wo die Fans ihre Helden noch anfassen können. Diesem tollen Sport will ich auch in unserer Region zu alter Größe verhelfen.“

Nach dem Rücktritt des Neufinsinger Weltmeisters Karl Maier sei nicht nur die mediale Berichterstattung über den Bahnsport „eingeschlafen“, auch das Nachwuchsproblem habe sich verschärft. Reflexartig hält Rötzer ein Grundsatzplädoyer für die wohl umweltfreundlichste Motorsportserie. „Die wenigsten wissen, dass wir mit Kraftstoff aus reinem Methanol fahren. Da kommen nullkommanull Schadstoffe hinten raus. Dabei sind die Motoren nicht lauter als ein Laubbläser, lassen die Fahrer aber mit 180 km/h auf die Kurven zuschießen. Und: Es ist der einzige Motorsport ohne Bremsen, bei dem unter Volllast in den zweiten Gang geschaltet wird.“

Fast ehrfürchtig tätschelt Rötzer den etwa 6000 Euro teuren Einzylinder-Viertaktmotor, der das Herzstück von Bielmeiers Sandbahnmaschine „Leni“ bildet. Robert Grichtmaier, 52, Eigentümer dieser Metallbauwerkstatt in Aßling, unterstützt Bielmeier seit fünf Jahren als Mechaniker und Sponsor und spült seit einer Stunde „Lenis“ neu zusammengesetztes Getriebe durch. „Wenn da auch nur ein Span drin ist, fällt er aus“, erklärt Grichtmaier.

Geduldig stellt er auch in persona den gut ergänzenden Gegenpart zu seinem Teampartner Sebastian Rötzer dar. Grichtmaier ist zwar weniger optimistisch, was Rötzers große Comeback-Pläne für den Bahnsport im Allgemeinen betrifft. Als Sportleiter und erfahrener Trainer des Bund Bayerischer Motorsportler e.V. (BBM) will aber auch er Bielmeiers Weltmeisterpotenzial erkannt haben.

Gemeinsam mit dem 84-jährigen Otto Lantenhammer aus Kirchasch, der es als „König der Bahnsport-Tuner“ mit über 20 WM-Titeln seiner Motoren zu Weltruhm in der Branche gebracht hat, hat Grichtmaier viel Zeit in die technisch-mechanische Feinabstimmung von Bielmeiers Maschinen gesteckt. Deshalb hat der Chef-Schrauber für das Vatertagsspektakel in Herxheim nicht nur die beiden Wettkampfräder in seinem Transporter, sondern auch einen Auftrag für Bielmeier dabei: Die Nachwuchskonkurrenz gewinnen – und die beste Rundenzeit des gesamten Starterfelds anpeilen. „Den amtierenden Weltmeister Romano Hummel hat Julian vor zwei Wochen bei den Langbahnmeisterschaften in Tschechien schon in einem Lauf versägt“, berichtet Grichtmaier stolz.

Rötzer findet: „Jetzt soll er die ganze Bahnsportwelt schocken!“ Möglich macht‘s laut Bielmeiers Mentor ein Motorenöl auf erhöhter Rizinusbasis, das Rötzer „weltexklusiv“ von einem Kontakt bei Castrol hat entwickeln lassen.

„Dieses Speedway-Gold bereitet der Konkurrenz ziemlich Kopfzerbrechen, weil Julian durch die besondere Schmierung der Motoren extrem schnell aus den Startbändern schießt.“ Und in ein paar Jahren womöglich an die Weltspitze der Sandbahnfahrer.

K

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