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Felix Schütz (l.) erzielte das 1:1.

Felix Schütz und das dramatische Olympia-Finale

„Wir haben Silber geholt – alles gut“

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Beinahe wäre es sogar Gold geworden. Doch nach den Momenten der Enttäuschung überwiegen bei Felix Schütz die Freude und der Stolz, darüber, dass er Teil eines historischen deutschen Sporterfolges sein durfte. Der 30-Jährige hat olympisches Silber gewonnen. Als erster Erdinger überhaupt.

Pjeongchang Der viel zu früh verstorbene Anton Michl hätte gestern seinen 71. Geburtstag gehabt. Wie hätte sich der langjährige Eishockeychef des TSV Erding wohl gefreut, wenn gleichzeitig Felix Schütz Olympiasieger geworden wäre? Jener Felix Schütz, der damals als Bambini mit ein paar Runden auf dem Eis die neue überdachte Erdinger Halle einweihen durfte. Wir sprechen hier im Konjunktiv, denn die Überraschung ist ausgeblieben. Die Deutsche Eishockeynationalmannschaft verlor gestern das äußerst dramatisch verlaufene Olympia-Finale gegen die Olympischen Athleten aus Russland. 55 Sekunden vor Spielende kassierten die Deutschen den 3:3-Ausgleich, und in der Verlängerungdas 3:4 (siehe Bericht im Hauptsport).

Als Verlierer kehrt der 30-jährige Erdinger aber nicht zurück in seine Heimat, sondern als Held und sensationeller Silbermedaillengewinner. Das hat zum einen mit seiner individuellen Leistung zu tun, denn Schütz erzielte – mit der Rückhand und fast von der verlängerten Torlinie aus – nicht nur das wichtige 1:1 im zweiten Drittel, sondern zählte auch in der Defensivarbeit zu den stärksten Deutschen. Vor allem aber war er Teil einer Nationalmannschaft, die sich nach einem eher verhaltenen ersten Drittel extrem steigerte.

Das Selbstbewusstsein war förmlich zu spüren, als er nach dem zweiten Drittel zum TV-Reporter sagte: „Das ganze Team hat gezeigt, dass wir mutig sind, dass wir offensiv mitspielen können – auch mit den großen Nationen. Das zweite Drittel ist klar an uns gegangen. Wir spielen gut an die Bande, hart, man darf den Russen einfach nicht viel Zeit lassen.“

Sprach’s und verschwand wild entschlossen in der Kabine. Es folgten das dramatische Drittel, und der K.O in der Overtime. Das Ende aber war das noch lange nicht. Schütz und Co. zeigten sich nicht nur als grandiose Verlierer, sondern freuten sich dann auch über den historischen Gewinn der Silbermedaille und waren bei der Schlussfeier die perfekten Botschafter Deutschlands.

Am heutigen späten Abend wird Schütz aus Südkorea zurückkommen. Die Begeisterung in Erding ist riesengroß. Ein Fan schlug sogar vor lauter Überschwang vor: „Wir sollten die Eishalle in Felix-Schütz-Halle umbenennen.“

Nach Schlussfeier und Party im Deutschen Haus fragten wir bei Felix Schütz nach:

-Herr Schütz, was überwiegt, der Schmerz über die unglückliche Niederlage oder der Stolz über die Silbermedaille?

Felix Schütz: Gleich nach dem Spiel ist man natürlich enttäuscht, wenn man so nah dran ist. Wir waren zwei Minuten vor Schluss 3:2 vorne und hatten Überzahl. 55 Sekunden haben uns vom Sieg getrennt, deswegen war es natürlich schon bitter. Aber jetzt waren wir ein bisserl beim Feiern, und jetzt sieht das schon ganz anders aus. Wir haben Silber geholt, das heißt: Wir sind die zweitbeste Mannschaft des Turniers gewesen. Und wenn uns das zuvor jemand gesagt hätte, dann hätte das jeder angenommen. Also: Alles gut.

-Wie waren denn die Schlussfeier und die Party?

Schütz:Wir sind ins Deutsche Haus und haben da gemütlich mit den anderen Athleten gefeiert. Es war echt lustig und nochmal eine tolle Erinnerung für uns alle.

- Zurück zum Finale: Ihr Treffer zum 1:1– war der noch schöner als der legendäre WM-Treffer vor 80000 Zuschauer?

Felix Schütz: Das kann man schlecht vergleichen. Heute haben wir vor 4000 Leuten gespielt, damals vor 80 000. Aber doch: Vom Stellenwert her, wie wichtig es war, kann man es schon vergleichen.

-Was haben Sie in der Zeit gedacht, als ihr Tor nochmals von den Schiedsrichtern überprüft wurde?

Felix Schütz: Zuerst wusste ich gar nicht, warum da nachgeschaut wurde. Offenbar haben sie ein Kicking-Motion von Patrick Hager vermutet. Also ob er den Puck mit dem Schlittschuh ins Tor geschoben hat. Aber der Hagi kam gleich zu mir zur Bank und hat mir gesagt, dass er ihn gar nicht berührt hat. Deshalb habe ich mir da keinen Stress gemacht.

-Ab dem zweiten Drittel seid Ihr den Russen mindestens ebenbürtig gewesen. Was hat der Trainer in der ersten Pause gesagt?

Felix Schütz: Ich glaube, dass wir sogar im ersten Drittel genauso stark waren wie die Russen. Wenn man das ganze Spiel anschaut, waren wir – so finde ich – sogar die bessere Mannschaft. Es war bitter, dass wir das erste Tor so kurz vor der Drittelpause bekommen haben. Aber wir haben gesagt; Hey, wir sind im Finale. Wir haben mehrmals schon gezeigt, dass wir Tore machen können. Wir werden auf alle Fälle treffen. Also: Positiv bleiben und weitermachen.

-Was haben Sie gedacht, als 55 Sekunden vor Schluss der 3:3-Ausgleich fiel?

Felix Schütz: Das war ganz anders als das 0:1 kurz vor Drittelende. Das 3:3 habe ich ehrlich nicht erwartet. Ich dachte wirklich, das Spiel sei gelaufen. Nicht, dass ich jetzt vom Kopf her nicht mehr bereit war. Aber ich dachte schon, dass – gerade wegen unserer Überzahl – nichts mehr anbrennt. Aber so schnell geht’s im Eishockey. Wenn man unkonzentriert ist, nutzen das die anderen sofort aus.

-Jetzt geht’s wieder heim nach Deutschland. Auf was freuen Sie sich besonders?

Felix Schütz: Da wir jetzt vier, fünf Wochen unterwegs waren, freue ich mich natürlich am meistens auf meine Familie – meine Frau und meine beiden Mädels. Und allgemein auf ein bisschen normales Essen. Nicht, dass das hier schlecht gewesen wäre, es war sehr gut – aber halt sehr viel koreanisches und thailändisches Essen sowie Pasta und Pizzen. Und ich freue mich auf mein eigenes Bett und allgemein einfach darauf, wieder daheim zu sein.

-Wie geht’s daheim weiter? Am Mittwoch ist ja schon wieder das nächste DEL-Spiel mit den Kölner Haien gegen Iserlohn. Spielen Sie da schon wieder mit?

Felix Schütz: Ja, wir werden da gleich wieder mitspielen. Es wird nicht so leicht werden, aber das ist halt so. Wir haben drei ganz wichtige Spiele vor uns. Wir wollen es in die Top Sechs schaffen. Das heißt, dass wir uns nochmal richtig konzentrieren müssen und wieder die Motivation finden für die Liga.

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