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Wilde Entschlossenheit: Felix Schütz (l.) und Patrick Hager (r.) ließen den Schweden, hier Erik Gustafsson (2. v. l.) f und Fredrik Pettersson, kaum Luft zum Atmen. 

Felix Schütz in Pyeongchang

Eishockey-Team greift nach einer Medaille

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Der Eishockey-Wahnsinn bei den Olympischen Winterspielen geht weiter. Deutschland hat in einer dramatischen Partie den Weltmeister aus dem Turnier geworfen und steht im Halbfinale. Felix Schütz kann es kaum glauben.

Pyeongchang– Dramatischer kann Eishockey nicht sein – und 90 Sekunden können länger nicht sein. Erst nach dem Videobeweis wurde der 4:3-Siegtreffer (2:0, 0:0, 1:3; 1:0) des DEB-Teams gegen den amtierenden Weltmeister Schweden anerkannt – dann brachen bei den deutschen Eishacklern alle Dämme.

Nur 20 Stunden nach dem Viertelfinalerfolg gegen die Schweiz (2:1 nach Verlängerung) wurde der Mannschaft von Bundestrainer Marco Sturm erneut alles abverlangt. Schweden machte Druck, doch mit einem Doppelschlag innerhalb von nur 29 Sekunden durch Christian Ehrhoff und Marc Noebels zum 2:0 stellte Deutschland den Spielverlauf auf den Kopf.

So stand es auch bis eine Viertelstunde vor Schluss, ehe es dramatisch wurde: Das 1:2 der Schweden durch Anton Lander (47.) beantwortete Dominik Kahun mit dem 3:1 (49.), doch nur drei Minuten später stand es 3:3. Patrik Hersley traf in Überzahl zum 2:3, als Schütz die Strafbank drückte, Mikel Wikstrand zum 3:3. „Also, da habe ich schon viel schlimmere Aktionen gesehen, die nicht gepfiffen worden sind“, ärgert sich der 30-jährige Erdinger über seine Strafzeit. „Ein paar Minuten zuvor habe ich einen Schläger ins Gesicht gekriegt, das ist nicht gepfiffen worden.“ Nur mir Mühe rettete sich das DEB-Team, bei dem die Kräfte sichtbar schwanden, in die Verlängerung.

Dort dauert es aber nur 90 Sekunden, bis Patrick Reimer ins Tor traf, und noch einmal endlos lange 90 Sekunden, bis der Hauptschiedsrichter nach dem Videobeweis das 4:3 für Deutschland gab. „Wir haben in der Overtime an uns geglaubt“, erzählt Schütz überglücklich. „Wir haben ein gutes System, ein Großteil der Mannschaft spielt schon sehr lange zusammen, und bei uns herrscht einfach ein toller Teamgeist.“

So ausgelassen die Mannschaft den Sieg auf dem Eis gefeiert hat, so ruhig sei es nachher in der Kabine gewesen. „Es war eine Zeitlang ganz still, einige haben nur rumgeschaut und gar nicht begriffen, was eigentlich passiert ist“, erzählt Schütz. „Aber dann haben wir es alle total genossen.“

Wichtig ist dem Stürmer vor allem die Tatsache, „dass wir nicht aus Glück im Halbfinale stehen, sondern bisher ein super Turnier gespielt haben.“ Zwei Jahre stand der Erdinger bei Rögle BK unter Vertrag, hat aus dieser Zeit noch viele Bekannte und Freunde dort in Schweden: „Alle haben mir nach dem Spiel geschrieben, dass wir in beiden Spielen insgesamt besser waren.“ Das Gruppenspiel hatte das deutsche Team denkbar unglücklich 0:1 verloren.

Das DEB-Team hat heute einen freien Tag, am morgigen Freitag trifft Deutschland um 13.10 Uhr MEZ im Halbfinale auf Kanada. Im zweiten Halbfinale spielt Russland gegen Tschechien. „Ich habe ein gutes Gefühl, die Spieler im kanadischen Team spielen alle bei europäischen Vereinen, mit denen können wir uns messen“, glaubt Schütz. Ein deutsches Eishockeyteam stand bei Olympia das letzte Mal 1976 in Innsbruck im Halbfinale. Damals gab es die Bronzemedaille. Für Felix Schütz ist klar: „Jetzt ist alles möglich.“

von Wolfgang Krzizok

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