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Nach Corona-Pause wieder auf dem Eis: der Erdinger Felix Schütz, Topscorer des EV Landshut.

Eishockey

Felix Schütz nach Corona: Mit Torriecher, aber ohne Geruchssinn

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Der Erdinger Eishockey-Profi Felix Schütz ist nach seiner Erkrankung zurück im Team des EV Landshut. Aber er kämpft noch mit den Folgen von Covid-19.

Erding Felix Schütz hört sich müde an am Telefon. Der 33-jährige Eishockey-Profi, der in Diensten des Zweitligisten EV Landshut steht, hat sich mit dem Covid-19-Virus infiziert und lag eine Zeitlang flach. Seit dieser Woche ist er wieder im Training, „und ich bin danach schon noch ziemlich kaputt“, gesteht er.

Die drei Top-Eishockeyligen in Deutschland dürfen trotz Corona spielen, weil es sich um Profi-Betrieb handelt. Die DEL trägt gerade mit acht Mannschaften, gewissermaßen als Test, den Magenta-Cup aus und startet am 17. Dezember in eine verkürzte Punktrunde. DEL 2 und Oberliga sind schon seit ein paar Wochen im Punktspielbetrieb – ohne Zuschauer. Mittlerweile bildet die Tabelle in diesen beiden Ligen ein schiefes Bild, denn immer wieder gibt es Corona-Fälle in den Mannschaften. Spiele müssen verlegt werden.

Den EV Landshut hatte es gleich bei Saisonbeginn erwischt, als fünf Profis infiziert waren, darunter der Langengeislinger Sebastian Busch. „Wir sind damals immer zu dritt im Auto gesessen und haben eine Erdinger Fahrgemeinschaft gemacht, der Buschi, der Dimi (Torwart Dimitri Pätzold; d. Red.) und ich, aber der Dimi und ich waren negativ“, erzählt Schütz.

Der Start verlief für den EVL perfekt, in den ersten vier Spielen gab es vier Siege, darunter einen im Penaltyschießen. Schütz war dabei der überragende Mann, sammelte in den vier Begegnungen 12 Scorerpunkte (5 Tore, 7 Assists) und liegt damit in der Scorerwertung der DEL 2 auf Rang zwei. Die erste Niederlage für die Landshuter setzte es beim 1:3 bei den Kassel Huskies. Allerdings waren die Niederbayern mit einer Rumpftruppe angereist. Die „zweite Welle“ hatte die Landshuter erfasst, sieben Spieler waren infiziert, darunter auch Felix Schütz. „Ich vermute, es ist beim Auswärtsspiel in Kaufbeuren passiert“, glaubt der 33-Jährige. Beim ESVK waren zwei Tage später einige Spieler positiv getestet worden, daraufhin strich der EVL das Montags- und Dienstags-Training und testete am Mittwoch die Spieler – mit einem heftigen Ergebnis. Aber nicht nur die Landshuter erwischte es, auch in Bietigheim, Bad Tölz und Weißwasser gab es positive Fälle.

Die jungen Spieler hätten kaum Symptome gezeigt, bei ihm sei es teilweise heftig gewesen, berichtet Schütz. „Am ersten Tag lag ich auf der Couch und hatte nur leichtes Fieber, aber in der Nacht ist es fast bis auf 40 gestiegen, und ich hatte eine Horrornacht“, beschreibt er die Symptome. „Ich hatte heftigen Schüttelfrost, habe dann wieder geschwitzt und musste mich dreimal umziehen.“ Aber es kam noch schlimmer. „Dann hatte ich Kopf- und Gliederschmerzen, wobei die Rückenschmerzen brutal waren – das haben übrigens auch andere erzählt, dass sie vor allem Rückenschmerzen hatten.“ Der Geschmackssinn sei nicht komplett gewesen, im Gegensatz zum Geruchssinn.

„Es war mir erst gar nicht bewusst, dass ich nichts mehr rieche, das war eigentlich eher lustig, wie mir das dann aufgefallen ist“, meint er lachend. Seine kleine Tochter habe ihm gerufen, sie bräuchte Hilfe auf der Toilette. „Da war ich dann halt ganz nah dran und habe absolut nichts gerochen“, erzählt er.

Erst nach einer Woche sei es besser geworden, der Geruchssinn sei aber noch nicht komplett da. Mittlerweile waren auch seine Ehefrau und die ältere Tochter positiv getestet worden, die jüngere nicht. Zwei Wochen sei er in häuslicher Quarantäne gewesen: „Das habe ich auch gebraucht, ich war total kaputt.“ Im Freien habe er ein paar lockere, kurze Trainingseinheiten absolviert, „aber man braucht einfach Zeit, um zu regenerieren“. Jetzt stehen dann noch Tests beim EV Landshut auf dem Programm: Blutabnahme und ein EKG, um eine eventuelle Herzmuskelentzündung zu erkennen.

Es gebe übrigens beim EVL bislang keinen Spieler, der sich zweimal infiziert habe, sagt Schütz. „Wie schlimm das ist, wenn du plötzlich Corona hast, das konnte ich mir nicht vorstellen. Es ist einfach der Wahnsinn“, weiß er jetzt und hofft auf einen Impfstoff, „damit wir wieder ein bisserl zur Normalität zurückkehren können. Die jetzige Lage ist einfach nervenaufreibend“.

Auch zu den Gerüchten, sein ehemaliger DEL-Club Straubing Tigers sei an einer Verpflichtung interessiert, nimmt Schütz Stellung. „Ich bin mit Manager Jason Dunham, mit dem ich super befreundet bin, in Kontakt“, gibt er zu. „Er wollte einfach mal wissen, wie meine Planungen sind.“

Auch zwei andere DEL-Clubs hätten sich bei ihm gemeldet – und der EV Landshut habe angekündigt, mit ihm über ein längerfristiges Engagement zu reden. „Eigentlich wollte ich bis zum Schluss meiner Karriere auf höchstem Niveau, also in der Ersten Liga, spielen“, sagt Schütz. „Aber in Landshut macht es schon Spaß, und im Endeffekt weiß ich im Moment noch nicht, was ich mache.“

Eine definitive Entscheidung werde in den nächsten Tagen sicherlich nicht fallen. „Ich möchte jetzt erst mal wieder ein bis zwei Wochen spielen und abwarten“, erklärt der 33-Jährige. „Und dann schauen wir, was passiert.“ Vor allem will er wieder komplett fit werden und nicht nach jedem Training „ziemlich kaputt“ sein.

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