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Die besten Ideen hat man draußen, sagt Marina Rappold.

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Frische Luft für klare Gedanken

Marina Rappold gibt Lauftipps. Diesmal für Tage, an denen man überhaupt nicht motiviert ist.

Ottenhofen – Wir kennen sie alle: Tage, an denen irgendwie nichts läuft. Die Arbeit wächst uns über den Kopf, in der Küche türmt sich das Geschirr, und ganz dringend müsste die Steuererklärung gemacht werden. Vielleicht fühlen wir uns auch heute irgendwie eher so nach Lasagne, Sofa und einem guten Film. Das ist okay, aber heute erzähle ich dir, wie du es trotzdem nach draußen schaffst, und die Lasagne hinterher noch besser schmeckt.

1. Über eine Woche verteilt denken!

Wenn ich mal überhaupt nicht motiviert bin und dazu tendiere, weiter das Sofa zu wärmen, überlege ich: Selbst, wenn ich heute nur zehn Minuten nach draußen gehe, mir nur vornehme, zwei Kilometer zu laufen, wären das über eine ganze Woche verteilt über eine Stunde frische Luft (genauer gesagt 70 Minuten) und 14 km Bewegung. Das klingt wiederum viel, oder? In kleinen Happen aufgeteilt ist alles halb so schlimm. Und zu zehn Minuten motiviert man sich an schwierigen Tagen dann doch mal schneller als zu 60.

Daran anknüpfen lässt sich auch ein Tipp des Sozialpsychologen Peter Gollwitzer, der mir in einer Zeitschrift aufgefallen ist. Er rät dazu, konkrete Wenn-dann-Pläne zu schmieden, zum Beispiel: „Wenn ich das Laptop zuklappe, dann trinke ich noch ein großes Glas Wasser, ziehe meine Turnschuhe an und jogge los.“

2. Überlege, was du in zehn Minuten alles bewirkst!

Das alles schaffst du in zehn Minuten: Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und Gewichtsproblemen vorbeugen, Muskeln, Sehnen und Bänder kräftigen, Bindegewebe straffen. Studien zufolge soll man zufriedener und entspannter sein. Das kann ich bestätigen. Wenn ich mir das vor Augen halte, hält mich praktisch nichts mehr auf dem Sofa, und ich will meinem Körper etwas Gutes tun!

3. Dinge, du noch erledigen wolltest, draußen angehen!

Eigentlich sollen die zehn Minuten laufen ja deine persönliche kleine Auszeit werden. Weil wir nach einem stressigen Alltag aber oft das Laufen als zusätzlichen Stressfaktor erleben, hilft mir dieser Tipp, laufen und Alltag zur Not mal so zu vereinen: Während der zehn Minuten einen Politik-Podcast oder Nachrichten hören. Mir ist aufgefallen, dass ich mir Nachrichten während des Laufens besser merken kann. Dies kann gut an der Bewegung liegen – tatsächlich kann Studien zufolge Bewegung die Konzentrationsfähigkeit verbessern. Natürlich bieten sich hierfür auch Wissens-, Sprachen- oder andere Podcasts an. Wer hätte gedacht, dass Bildung und Bewegung sich so gut verbinden lassen?

Über Dinge die noch bedacht werden müssen, gründlich nachdenken – das mache ich schon immer. Fließt mir mal ein Text nicht ganz so einfach aus der Feder, verleitet mich das zu ewigen Grübeleien, die mich bis ins Bett verfolgen. Daher nehme ich mir bei Läufen oft vor, Dinge zu überdenken, die eben bedacht werden müssen – und wenn ich wieder zuhause bin, muss eine Lösung oder ein Weg gefunden worden sein. Dieses Verfahren hat mir schon oft im Leben Dinge erleichtert, und daher „laufe“ ich erst einmal darüber, bevor ich entscheide.

Wenn dein Kopf also total voll ist – ab nach draußen, und die Betrachtung aus der Distanz erleichtert so manch schwierige Entscheidung enorm. Das wusste schon Aristoteles, der mit seinen Schülern beim Philosophieren durch die Wandelhallen Athens spazierte. Bewegung für einen wachsamen Geist also. Noch nicht motiviert? Nachdem ich am Wochenende ganz viel Wintersport geschaut habe, zieht es mich übrigens auch immer magisch nach draußen. Also ab und an ist ein fauler Nachmittag auf dem Sofa dann wohl doch mal gut – und wir sind hinterher motivierter, uns ins Getümmel zu schmeißen. Viel Spaß! Eure Marina Rappold

Tipps von der Expertin

Marina Rappold ist deutsche U23- Vizemeisterin über 10 000 Meter und will heuer ihren ersten Marathon bestreiten. In dieser Rubrik gibt die 23-Jährige aus Unterschwillach Tipps rund ums Laufen.

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