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JFG Sempt erlebt den nächsten „Super-GAU“

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Von: Markus Schwarzkugler

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Unter den jetzt gegebenen Voraussetzungen hat sich das Thema JFG erledigt.Sportlicher Leiter Ernst Stenzel © JFG

Es passt ins Bild, das der Erdinger Stadtfußball zuletzt vor allem aufgrund diverser Abstiege abgegeben hat: Die Krise bei der JFG Sempt Erding hat sich verschärft.

Erding –  Zur kommenden Saison hat der Zusammenschluss der vier Vereine FC Erding, RW Klettham, FC Langengeisling und Türk Gücü Erding seine B-Jugend abgemeldet. Und das, nachdem erst in der vergangenen Saison im November die A-Jugend aus dem Spielbetrieb genommen worden war.

Sportlicher Leiter Ernst Stenzel bestätigt das Aus für die B-Junioren, die vergangene Saison als Achter in der Kreisliga knapp dem Abstieg entronnen waren. Bekanntlich hat sich die SpVgg Eichenkofen – bis zuletzt fünfter Stammverein der JFG – zur neuen Saison zurückgezogen, da sie auf eine eigene A- und C-Jugend setzen will. Mit deren Austritt hat das Fiasko aber nichts zu tun, wie Stenzel betont. Man habe – die Neikofner Spieler waren da schon nicht mit einkalkuliert – wieder mit zwei B-Jugenden und den Trainern Daniel Rieplhuber (B 1) und Rainer Lerach (B 2) geplant.

„Beim ersten Training vor vier Wochen waren noch 28 Spieler da“, berichtet Stenzel. „Im zweiten waren es schon etliche weniger.“ Und: „Im dritten und vierten Training war gar keiner mehr da.“

So eine starke Beteiligung zum Auftakt, und plötzlich ist gar keiner mehr da? „Natürlich ist da was vorgefallen“, sagt Stenzel. Auslöser sei nicht etwa ein Quertreiben seitens der Stammvereine gewesen. Sondern: „Es gab eine Strömung bei den Eltern des B-Jugend-Jahrgangs, die sehr massiv gegen die Entwicklung gewettert hat.“ Den Trainern sei die Kompetenz abgesprochen worden. „Das hatte Einfluss auf die anderen Eltern“, sagt Stenzel. Die Spieler hätten sich nun abgemeldet, seien zu Teams wie der JFG Speichersee oder dem FC Eitting gewechselt.

Der Jahrgang 2003 habe schon früher für Ärger gesorgt. Darauf war Stenzel zufolge auch die Trennung von Trainer Sabir Smajic zurückzuführen. Zudem sei der Jahrgang über die Jahre „immer schlechter geworden. Wir hätten vielleicht schon eher reagieren sollen“, meint der Sportliche Leiter.

Vergangenen März habe man die mögliche Wiederaufnahme einer A-Jugend ad acta gelegt. Die Bereitschaft seitens der B-Jugendlichen, für diese schon vorzeitig aufzulaufen, war laut Stenzel nicht da. Die A-Jugendlichen habe man dann beim FC Eitting untergebracht.

Bei der JFG Sempt Erding gibt es nun nur noch die C 1 bis C 3 und die D 1 bis D 4, hinzu kommen Mädchenteams in B- und D-Jugend. „Unter den jetzt gegebenen Voraussetzungen hat sich das Thema JFG erledigt“, stellt Stenzel sachlich fest. „In irgendeiner Art“ werde sich die JFG wohl zu einer SG, also Spielgemeinschaft, entwickeln. Dann müssten das Ganze aber wieder die Stammvereine händeln. Eine eigene Mannschaft könne keiner der Vereine alleine stemmen. Und ob der Eichenkofener Weg sinnvoll ist, „15-Jährige mit 19-Jährigen spielen zu lassen, sei dahingestellt“.

Besonders bitter ist das Ganze für Rieplhuber, der die B-Jugend seit der Rückrunde betreut hat. Er war auch Trainer der A-Jugend, als diese abgemeldet wurde. „Das ist natürlich ein Wahnsinn, ein Super-GAU“, sagt der Coach, der früher beim TSV 1860 München auf der Trainerbank gesessen ist. Doch Rieplhuber nimmt es mit Galgenhumor: Er werde jetzt einfach die fußballfreie Zeit genießen. „Ich heirate im September“, sagt er außerdem. So werde die Zeit für die Organisation dieser Feierlichkeit ein bisserl entspannter ausfallen.

Erst im November hatte es den ersten Paukenschlag mit der Abmeldung der A-Jugend gegeben. Sechs Jahre lang hatte diese in der Bezirksoberliga – der höchsten Spielklasse Oberbayerns – gekickt. Doch der Saft ging allmählich aus. Nach acht Partien der Saison 2018/19 stand das Team mit nur einem Punkt und einem Torverhältnis von 4:45 auf verlorenem Posten. Mit dem Rückzug aus dem Spielbetrieb kam die JFG dem Bayerischen Fußballverband zuvor, denn das Team war wegen Spielermangels dreimal nicht angetreten.

„Die A-Jugend war unser Aushängeschild. Das ist für uns der Super-GAU und verheerend“, sagte JFG-Vorsitzender Norbert Just im November unserer Zeitung. Und Tück-Gücü-Abteilungsleiter Gökmen Uluhan ergänzte damals: „Dass fünf Clubs gemeinsam keine A-Jugend mehr zusammengebracht haben, ist einfach nur scheiße.“

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