Je holpriger desto besser: Florian von den Stemmen fährt gern anspruchsvolle Trails, hat aber auch nichts gegen eine Tour hinauf zum Bergbauerncafé bei Gebensbach.
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Je holpriger desto besser: Florian von den Stemmen fährt gern anspruchsvolle Trails, hat aber auch nichts gegen eine Tour hinauf zum Bergbauerncafé bei Gebensbach.

RADSPORT

Erdinger Radlparadiese: Gatterberge, Holzland, S-Bahn-Stufen

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Psst, hier verraten Erdinger Rennradler und Mountainbiker, wo ihr Sport im Landkreis am schönsten ist.

Erding – Ist die Kette schon geschmiert, sind die Reifen aufgepumpt? Nein? Dann wird’s höchste Zeit, denn die Saison für Radsportler hat schon längst begonnen. Ob Mountainbike-Tour oder auf der Straße – die Möglichkeiten sind schier unerschöpflich. Das sagen auch die Sportler, die wir nach ihren Lieblingsstrecken befragt haben.

Das Paradies im Gattergebirge

Zu dem Thema könnte sie ganze Bücher füllen, sagt Sabine Roth von Cycling Dorfen. „Es ist eine kleine Leidenschaft von mir, neue Strecken zu erkunden, hauptsächlich mit dem Rennrad, aber auch gerne mit dem Mountainbike.“ Mit dem Rennrad hat sie ein ganz besonders Revier: das Gattergebirge. „Das ist ein landschaftlich traumhaft schönes Gebiet zwischen St. Wolfgang und Oberornau. Dort kann man auf verkehrsarmen, gepflegten Straßen so richtig Höhenmeter sammeln.“

Liebt die Gatterberge: Sabine Roth.

Aus sportlicher Sicht sei das ein sehr anspruchsvolles Trainingsgebiet, meint die 55-Jährige. „Es ist aber eben auch fürs Auge ein Hochgenuss.“ Eine klassische kleine Runde für sie geht vom heimischen Hampersdorf über Wasentegernbach, Schwindkirchen, Grüngiebing, Hofgiebing, Badberg, Saxenberg, Stift, Oberornau, Schönbrunn, Wernhardsberg, Großschwindau, Steinberg, Armsdorf, Oberlohe, Hinterberg, Kloster Moosen und zurück nach Hampersdorf. „Das sind 40 Kilometer mit 665 Höhenmetern“, weiß Roth.

Kirschen und drei Kamelbuckel

70 Kilometer, 820 Höhenmeter – das sind die Geo-Daten der Lieblingsstrecke von Klaus Lanzinger. Der Jugendleiter der Erdinger TSV-Radsportabteilung nennt sie „Die drei Kamelbuckel“. Und wieder geht’s ins Gattergebirge.

Gemeinsam auf Tour: Klaus und Antonia Lanzinger.

Zunächst aber führt die Strecke über Papferding/Lengdorf/Oberdorfen nach Dorfen. Von dort geht’s über Moosen nach Schwindkirchen. „Und gleich danach, Richtung Oberornau, sind die drei Kamelbuckel.“ Er meint damit drei steile Anstiege mit je etwa 60 Höhenmeter und bis zu 15 Prozent, die über Hofgiebing nach Oberornau führen. „In Oberornau ist die Kletterei noch nicht vorbei, denn jetzt beginnt der längste Anstieg mit rund 130 Höhenmeter bis auf 530 Metern Höhe. Diesen Anstieg kann man aber gemütlich fahren, denn er ist nicht so steil“, sagt Lanzinger, der noch einen Geheimtipp hat: „Wenn man die Tour im Juni fährt und keinen Riegel dabei hat, kann man sich eventuell auch mit Kirschen am Wegesrand verpflegen. Danach sind die größten Anstrengungen vorbei. man kann die Aussicht in die Gatterberge genießen.“

Die Gegend im Bereich zwischen Schwindkirchen/Oberornau und St. Wolfgang sei wunderbar zum Radfahren, „weil die Landschaft einfach traumhaft ist und die Anstiege selbst einen trainierten Rennradfahrer ins Schwitzen bringen. Daher fahre ich die Tour erst, wenn die Form einigermaßen passt.“

Holzlandtouren sind wie Intervalltraining

Wolfgang Fritz sitzt mehrmals die Woche auf dem Sattel und kennt den Landkreis in- und auswendig. Sehr gern ist der Oberdinger Holzbildhauer mit dem Rennrad im Holzland unterwegs. Auf den rund 80 Kilometern „habe ich alles, was ich brauche: Zum Einrollen geht’s flach von Oberding bis nach Wartenberg.“ Der Klinikberg sei dann schon der erste Hinweis auf das, was danach kommt und was den 71-Jährigen auch besonders freut: „Als Schwarzwälder brauche ich die Hügel.“ Und die gibt es im Holzland zur Genüge. „Da kommt ein Zehn-Prozenter nach dem nächsten. Das ist hervorragendes Trainingsgelände. Du kommst nie zur Ruhe.“ Fritz nennt das „natürliches Intervalltraining“, und ja, diese Abfahren mit 50 und mehr Stundenkilometer genieße er schon auch. Über Kirchberg, Schröding, Hohenpolding geht es Richtung Altfraunhofen – „da hast du einen wunderschönen Blick nach Landshut“, schwärmt Fritz von der Panoramstrecke. Buch am Erlbach, Velden, Geisenhausen – man könne die Strecke je nach Tagesform ausbauen, ehe es zurück nach Oberding geht.

Radler und Holzbildhauer: der Oberdinger Wolfgang Fritz.

„Bei dieser nordöstlichen Landkreisrunde hast du sämtliche Landschaftsformation: erst das Moos, dann die knackigen Anstiege, dann das Isartal.“ Und noch was gefällt Fritz: „Die Strecke ist, abgesehen vom Berufsverkehr zwischen 16 und 18 Uhr, verkehrsarm. Und es gibt sehr viele schöne geteerte Rad- und Wirtschaftswege, von denen ich auch noch nicht alle kenne. Manchmal entscheide ich ganz spontan, etwas Neues auszuprobieren.“ Ein Anliegen hat Fritz noch, und das geht an die Autofahrer: „Außerorts gelten zwei Meter Abstand beim Überholen.“

Was für die Muskeln und fürs Auge

„Meine Lieblingsradtour mit dem Mountainbike führt von Altham aus über Eichenkofen, über meinen politisch hart erkämpften Radweg Richtung Berglern, vorbei am Naturdenkmal, einer Hügelgrabstätte aus der Keltenzeit“, erzählt Sepp Biller, langjähriger Kreis- und Erdinger Stadtrat. „Im Riemerhölzl gehts rechts ab – vorbei am früheren Arbeitslager aus der Nazi-Zeit und späteren Flüchtlingslager – nach Lohkirchen.“ Von dort führen schwach befahrene Straßen nach Riding, dann geht’s rauf in ein Waldstück zwischen Hinterauerbach und Hinterbaumberg. „Wer Lust auf eine schöne Aussicht und ein Ruhebänkchen hat, wählt den Hubertusweg, Richtung südlicher Waldrand“, rät Biller. „Wer Zeit für eine innere Einkehr hat, kann auch an der Hubertuskapelle verweilen.“ Danach geht’s ostwärts durch den Wald, bergab nach Hinterbaumberg und wieder steil hoch zur Kreisstraße ED 1. Der Sendemast nördlich von Maria Thalheim steht auf 517 Metern Höhe. „Hier reicht die Sicht bei klaren Luftverhältnissen bis ins Erdinger Moos, ostwärts bis in die Taufkirchener Umgebung“, schwärmt der ehemalige Erdinger Radsportchef. Und ein Bankerl für eine Rast gibt’s auch. Danach geht es rasant runter ins Thalheimer Ortszentrum über Kleinthalheim rauf ins Bierbacher Holz, wo „ein wunderschöner Waldweg“ wartet. Rauf auf die ED 15, dann nach Gigling über eine Feldstraße weiter nach Klein- und Großhündlbach und steil hoch ins Grafinger Holz, Richtung Grünbach.

Gemeinsam auf Tour: Simon, Hanna und Josef Biller (v. l.).

Und jetzt aufpassen! „Die Stelle kann man leicht übersehen“, warnt Biller, Wäre auch schade, wenn man die Abfahrt nach Aurlfing verpassen würde. Von dort geht es über das Strogental bis zur Strognbrücke zwischen Helling und Grafing über Grucking über Feldstraßen wieder heim nach Altham.

„Insgesamt sind das rund 30 Kilometer sportliche Entspannung in der Natur.“ Weshalb er diese Strecke so liebt? „Sie führt mich auf dem schnellsten Weg ins wunderschöne Holzland, vorbei an interessanten Naturdenkmälern. Sie ist sowohl sportlich als auch vom Entspannungsfaktor her sehr abwechslungsreich. Und wenn ich Glück habe, begleitet mich sogar meine Frau dabei.“

Das Holper-Highlight bei St. Koloman

Florian von den Stemmen fährt mit seinem Mountainbike gern abseits der Straßen durch Erding (Kreuzweg, Stadtpark, Therme, Itzlinger Wald) auf die Trails neben der S-Bahn vor Hofsingelding. Das sei zwar sehr kleinräumig, „aber sehr spaßig und technisch herausfordernd“. Das „Holper-Highlight und die Schlüsselstelle“ sei die Treppe bei der Kirche St. Koloman hinunter zur S-Bahn Station. „Das ist auch der Technik-Trainingsparcours für unsere TransAlp-Gruppen“, verrät der Sportlehrer des Korbinan-Aigner-Gymnasiums. Übers Sempttal und den Stadtpark gehe es dann wieder zurück nach Erding.

Fürs Rennrad hat er einen Tipp für Genussfahrer: Über Bockhorn, Maierklopfen, Taufkirchen, Kalling zum Bergbauerncafé in der Nähe von Gebensbach. „Da hast du mit Abstand den schönsten Bergblick im Landkreis. Bei Föhn bietet sich dir das gesamte Alpenpanorama von Ost nach West.“ Nicht zu vergessen das Café, „ein Familienbetrieb mit sehr netter Bedienung, und vor allem erfolgt der für Radler äußerst wichtige Energienachschub mittels Kuchen optimal“. Und im Sommer könne man auch noch am Lainer See baden. Zurück geht es über den Vilstalradlweg von Taufkirchen nach Dorfen, weiter über Oberdorfen, Niedergeislbach, Matzbach mit einer steilen Strecke durch den Wald. Dann nach Kirchasch und über kleine Wege zurück nach Erding.

Zurück zum Mountainbike: Da hat von den Stemmen auch für den Landkreisnorden eine Tour. Über Trails entlang des Fehlbachs und des Kaiser-Weiher bei Langengeisling könne man sich in Auerbach so richtig austoben. Kleine Einschränkung: „Die Skisprungschanze in Auerbach sollte man eher nicht befahren“, rät er und fügt grinsend hinzu, „höchstens die kleine – oder auch nur den Aufsprunghügel“.

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