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Georg Schatz (oben) war in seiner aktiven Karriere ein echter Leistungsträger der jeweiligen Siegfried-Mannschaften. Insgesamt 22 Jahre ging er für die Hallbergmooser auf die Matte.

Aus unserer Serie: Erdings 100 größte Sportler aller Zeiten

Georg Schatz: Punktegarant in allen Gewichtsklassen

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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 Der Aufkirchener Georg Schatz war Publikumsliebling in der Ringer-Bundesliga

VON DIETER PRIGLMEIR UND ANTON SCHWEISSGUT

Aufkirchen/Hallbergmoos – Da steht er nun auf der Matte und soll gegen einen 130-Kilo-Mann ringen. Georg Schatz denkt zurück an die Zeiten, als er in der 2. Bundesliga im Papiergewicht antrat. Damals war er ein schmächtiger 14-Jähriger der 48-Kilo-Klasse. Und jetzt, Jahre später, also Schwergewicht, für das er sich ein paar Pfunde draufladen musste. Um es kurz zu manchen: Schatz, gerade mal etwas über 85 Kilo schwer, hat diesen Kampf gewonnen.

Dreimal hat ihn der SV Siegfried Hallbergmoos in der höchsten Gewichtsklasse eingesetzt. Schatz war auch hier ein verlässlicher Punktegarant – wie er es in allen Kategorien war. „Bis auf die 62 Kilo habe ich tatsächlich in allen Klassen gerungen“, erinnert sich der heute 46-Jährige, der in Aufkirchen aufgewachsen ist und inzwischen lange in München lebt.

Seine Heimat war aber der SV Siegfried Hallbergmoos. Von 1980 bis 2002 kämpfte er für den SVS, war in der Ringer-Bundesliga kaum zu schlagen und verstand sich stets als Mannschaftsringer, der freilich auch in den Einzelwettbewerben seine Erfolge einfuhr. Schatz ist zweifacher Deutscher Jugendmeister, holte eine Silber- und zwei Bronzemedaillen und gehört mit Mahmoud Karimi und Thomas Mittermüller (beide Notzingermoos) zu den besten Ringern, den der Landkreis Erding jemals hervorgebracht hat. Er gehört deshalb in unsere Serie  Erdings 100 größte Sportler aller Zeiten.

Daran war noch nicht zu denken, als der Achtjährige mit dem Kampfsport begann. „Ringen oder Judo – mir war früh klar, dass ich eins von beiden machen würde“, sagt er. Klar, der Bub war auch gern mit dem Rad oder den Inlinern unterwegs, spielte auch Fußball, „aber da war ich nicht sonderlich begabt“, meint er.

Anfangs seien die Eltern nicht sonderlich begeistert gewesen, den Sprössling ständig zum Training nach Hallbergmoos fahren zu müssen. Und zwar wirklich ständig, denn der „Schorschi“, wie ihn alle nannten, war talentiert und ehrgeizig. Bald war täglich Training, denn was da in Hallbergmoos lief, war echter Leistungssport.

Der Ablauf: Samstagabend stiegen die Bundesliga-Kämpfe. „Montags, dienstags, mittwochs war Training. Aber schon ab Donnerstag wurde Gewicht gemacht“, erzählt Schatz. Also runter mit den Pfunden, um auf die entsprechende Gewichtsklasse zu kommen. Zehn-Kilometer-Läufe mit drei Schichten Klamotten auf dem Körper, stundenlange Sauna-Aufenthalte – „es ging halt darum, möglichst viel Wasser zu verlieren“, erklärt er. Einmal habe er innerhalb von einer Woche neun Kilo verlieren müssen. Von 83 auf 74 Kilo runter – kann das noch gesund sein? Schatz’ Antwort: „Es war Leistungssport.“

Von Verletzungen blieb der Aufkirchener weitgehend verschont – zumindest aus der Sicht eines Ringers. Einmal habe er sich die Bänder gerissen, einmal einen Arm gebrochen. Ansonsten seien es die üblichen Kleinigkeiten gewesen. Er zählt auf: „die obligatorischen Blumenkohlohren, Zerrungen, Knorpelgeschichten an den Fingern, Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule“. Es sei eben eine intensive Zeit gewesen. „Wir waren alle Verrückte, die vielleicht manche Sachen hätten vermeiden sollen“, meint er rückblickend und denkt an das Krafttraining mit den schweren Hanteln, „das wir sicherlich exakter hätten ausführen müssen“.

Schatz möchte die Zeit nicht missen. Er schwärmt von einem Amerika-Trip mit der Ringer-Jugend und dann von den Kämpfen mit der Herrenmannschaft. „Ich fühlte mich sehr wohl in Hallbergmoos, zumal wir eine echt tolle Truppe waren. Sicher gab es damals lukrativere Angebote, aber ich habe diesen Verein geliebt, deshalb wollte ich nie wirklich weg. Von Sepp Fritsch, Gustav Dubelowski und Jahanschah Karimi habe ich im Laufe der Jahre sehr viel gelernt.“ Seine absoluten Vorbilder seien Mittermüller, Karimi und nicht zuletzt Sergei Goubrinjouk gewesen.

Aber auch er selbst sorgte regelmäßig für Glanzpunkte der Hallbergmooser Ringernächte. Das Publikum jubelte, wenn der Aufkirchener wieder mal einen Vizeweltmeister wie etwa Mesut Okczu oder andere Medaillengewinner besiegte.

Auch bittere Niederlagen gab es. Schatz denkt an den Kampf im DM-Viertelfinale in Luckenwalde, als er vier Zähler abgeben musste. „Erst die lange Anfahrt. Und dann wurde ich geschultert, das einzige Mal überhaupt in meiner Bundesligazeit.“

Zu dieser Zeit war Schatz übrigens schon längst im Freistil angekommen. Lange habe er auch griechisch-römisch gerungen. „Ich war in beiden etwa gleich gut, bin ja auch in beiden Stilarten Deutscher Meister geworden.“ Mit 16 habe er sich dann aber für Freistil entschieden, „denn die Würfe über Kopf sind mir nicht so leicht gefallen“, erklärt er. Seine Schnelligkeit war sein großer Trumpf. „Deswegen haben auch die Schwergewichtler nicht wirklich gern gegen mich gerungen“, meint er schmunzelnd. „Die mögen es nicht, wenn man ihnen an die Beine geht.“

Schatz denkt gern an die Bundesliga-Zeiten zurück, als die Hallbergmooser nur mit sehr wenigen auswärtigen Ringern erfolgreich waren. „Die haben auch die komplette Woche mit uns trainiert. Kämpfer wie etwa der Iraner Karimi – das waren echte Vorbilder.“

An die späteren Zeiten, „als am Freitag sieben Ringer am Flughafen standen und dann bei uns am Wochenende kämpften“, erinnert er sich weniger gern. „Auch da habe ich Freunde fürs Leben gefunden, aber letztlich war das reines Söldnertum.“

Auch mit der derzeitigen Entwicklung in Hallbergmoos ist er nicht glücklich. Es gehe ihm gar nicht um die Liga. „Wenn man absteigt, ist das eben so. Aber ich bin kein Freund von freiwilligen Rückzügen aus einer Liga.“ Schatz erinnert an die großen Erfolge und den Ruf seines Clubs. „Ein Verein wie der SV Siegfried Hallbergmoos muss einfach den Anspruch haben, in Bayern ein führender Verein zu sein und mit entsprechender Nachwuchsarbeit junge Sportler rauszubringen.“

International entwickle sich das Ringen dagegen prächtig. Seit den Überlegungen im IOC, Ringen aus Olympia rauszunehmen, habe sich der Fachverband erfolgreich reformiert. „Die Wettbewerbe werden jetzt super medial präsentiert, die Kämpfe hervorragend inszeniert.“

Schatz verfolgt das Ganze inzwischen aus München. 20 Jahre hat er in Aufkirchen verbracht, wo seine Eltern noch heute wohnen. Er denkt gern an die Schulzeit zurück. Ja, meint er, Kampfsportler zu sein, das habe schon seine Vorteile im Schulalltag. „Ich war ja eher ein Zwerg, aber ich hatte mit den älteren und größeren Jungs nie ein Problem. Ich war immer sehr respektiert. Mit mir hat sich keiner angelegt.“

Nach seinem Abitur in Erding wurde Schatz Grafik-Designer und teilte sich mit seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Markus Stautner ein Büro in München. Er arbeitete als freischaffender Künstler und entwirft bis heute Logos für Firmen. Immerhin 15 Semester war er zudem Dozent für Zeichnen an der FH in München.

Auch privat zog es Schatz ab 1995 in die bayerische Landeshauptstadt. 2009 heiratete er seine Annabelle, drei Jahre später kam dann Töchterchen Ruby zur Welt, die inzwischen beim TSV Großhadern im Judotraining ist. Das nächste Kampfsport-Ass aus dem Hause Schatz? Er bremst ein wenig. „Wir waren da erst ein paar Mal. Wegen Corona ist das dann ein bisschen eingeschlafen. Mal schauen, wie es da weitergeht. Aber Talent hätte sie, sie stellt sich sehr geschickt an. Das habe ich schon gesehen“, sagt Schatz, der sich selbst gemeinsam mit seinem alten Spezl Mahmoud Karimi fit hält.

„Berufsbedingt kann es passieren, dass ich wochenlang gar nichts mache. Das tut mir gar nicht gut, und die Laune geht schnell runter.“ Deshalb sei er sehr froh, „dass ich mit Mahmoud meinen persönlichen Fitnesstrainer habe, der das ja beruflich macht und mit dem ich dann im Westpark unterwegs bin“.

Die Verbindung zum Mattensport hat Georg Schatz nie ganz abreißen lassen. Mindestens einmal im Jahr besucht er einen Kampf seines Heimatvereins. Etwas wehmütig stellt er fest: „Ringen geht mir schon ab. Aber der Mattensport ist kein Hobby, sondern, wenn man ihn richtig betreibt, echter Leistungssport. Der Beweis: „Ich bin mit meinem Neffen letztes Jahr ins Training nach Unterföhring gegangen und habe nochmals selbst mittrainiert.“ Danach habe er wochenlang einen Muskelkater gehabt.

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