26. Stadttriathlon Erding 2019
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So war es 2019. Und so wollen wir es bald mal wieder sehen. Für heuer ist ein abgespeckter Wettbewerb geplant.

DAS SPORTGEFLÜSTER

Geschichten vom Erdinger Stadttriathlon

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Schwan, Wind und Schwindel - und warum Trisport Erding den Kulturpreis verdient hätte.

Kurz vor dem Erdinger Triathlon beginnt bei uns immer das große Drücken.Wir drücken (oft vergebens) die Daumen, dass das Wetter passt. Und wir drücken uns, wenn es darum geht, endlich mal selbst ein Redaktionsteam an den Start zu bringen. Heuer lassen wir das gleich bleiben, wir drücken lieber doppelt die Daumen: Dass nicht nur Petrus ein Einsehen hat, sondern auch Corona, die Staatsregierung (schaut ja seit gestern ganz gut aus) und die Behörden. Denn erst am Montag, also sechs Tage vor dem Start, haben die Trisportler endgültige Gewissheit, ob ihr ohnehin abgespeckter Wettbewerb stattfinden darf.
Was wir bis dahin tun können? An die guten alten Pionierzeiten erinnern, als die Organisatoren den Strom noch über Kabeltrommeln bei Sport Gerlspeck abzapften. „Es regnete heftig, und es bildete sich eine Wasserblase auf dem Dach eines Pavillions, die jemand auflöste“, erinnert sich Pressesprecherin Caroline Cornfine. „Das Wasser lief in die Kabeltrommel, führte zu einem Kurzschluss, und Gerlspecks elektrische Ladentür blockierte.“ Der Lautsprecher fiel auch noch aus; und wir mussten bei der SZ um Strom betteln.“

Wie gefährlich Aerosole sein können, wissen Trisportler auch schon deutlich länger als wir Corona-Halbspezialisten. Vor dem Schwimmstart hatte es ein so heftiges Gewitter gegeben, dass über dem Weiher ein Wasserfilm schwebte. Und wenn das so weitergeht? Selbst Sportlerlungen fänden nicht gut, wenn man diese Aerosole einatmet, meinte die Wasserwacht und verbot den Start. „Gut, dass wir einige Fluglotsen im Verein haben“, erzählt Cornfine. Ein Anruf im Tower, schon kam der Wetterbericht und die Entwarnung für die nächsten Stunden. Die Sportler durften rechtzeitig ins Wasser.

Oft war das Wetter weniger gnädig.„Einmal fegte eine heftige Gewitterfront die komplette Zielverpflegung von den Tischen“, erzählt Cornfine. Pavillons und Tische wurden umgeweht. „Die vorbereiteten Kuchen und Obstplatten reichten gerade noch so, dass der letzte Finisher noch was abbekam.“

Ein ganz anderes Problem hatten die Athleten beim bisher letzten Stadttriathlon, denn Papa und Mama Schwan blockierten mit ihrer Kinderschar die Laufstrecke. Mit dem Fahrrad vertrieb ein sehr mutiger Funktionär die gefiederte Familie.

Warum hingegen immer wieder Athleten ohne Not versuchen die Laufstrecke abzukürzen,ist selbst den abgebrühtesten Streckenposten ein Rätsel. Aber da gibt’s kein Pardon: Wer auf der Volksdistanz statt nach fünf schon nach zweieinhalb Kilometer ins Ziel laufen will, wird auf die zweite Runde geschickt. Ist doch auch schön, wenn man die Anfeuerungen am Straßenrand gleich zweimal erleben darf.

Nur ein Anwohner sieht das ein wenig anders.Weil ein Trommler direkt direkt unter seinem Fenster stand, rief er die Polizei. Die verstand aber am Telefon kein Wort – die Trommelei war zu laut. Cornfine: „Die Musiker stehen jetzt an anderer Stelle, aber trotz mehrmaliger Entschuldigung kann uns der Herr immer noch nicht leiden.“

Kommen wir zu den Happyends: Da wäre jener Herr, „dem man eine Olympische Distanz nicht unbedingt zugetraut hätte“, wie Cornfine einräumte. Tatsächlich lief er auch als letzter Athlet ein, wobei er – das ist Tradition – von Laufstreckenchef Franz Groß begleitet wurde. Dem erzählte er, dass er ein Fan von Lothar Leder sei und deshalb mitgemacht habe. Was er nicht wusste: Am Ziel wartete sein Star auf ihn und überreichte dem finalen Finisher einen Humpen Weißbier. Cornfine: „Der war total platt – in doppelter Hinsicht.“

Und was kommt nach so nem Happyend?Der traditionelle Absacker im Erdinger Weißbräu. „Die letzten Helfer treffen oft erst nach 22 Uhr ein“, erzählt Cornfine. Und einmal war selbst das noch zu früh. Denn kaum war das Weißbier eingeschenkt, kam der Anruf: „Am Kronthaler Weiher liegt noch Material.“ Also Party aufgelöst. Zurück an den Weiher!

Aus diesen Geschichten könnten die Trisportler ein kleines Büchlein machen und dafür den Erdinger Kulturpreis erhalten. War ein Witz. Also das mit dem Büchlein. Den Kulturpreis hätten die Trisportler allemal verdient. Was dieser Verein - in normalen Jahren - bei Stadttriathlon und Stadtlauf in Erding auf die Beine stellt, ist schließlich nicht nur ein toller Wettkampf, sondern ein Gesamtkunstwerk aus Sport im Einklang mit der Natur, Musik, allgemeiner Fröhlichkeit und - schauen Sie mal aufs Teilnehmerfeld und die Zuschauer am Rande - Völkerverbindung.

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