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Europameisterin und auf dem Podest unserer Sportlerwahl 2019: Die Leser der Heimatzeitung haben Emma Winter auf Platz drei unserer Abstimmung gehievt. Sportredakteur Dieter  Priglmeir schnupperte ein wenig Kickbox-Luft. Geduldig trainierte Champion Winter mit dem Schreiberling, dessen Kampferfahrungen aus den Zeiten herrühren, als er sich mit seinem Bruder um die Fernbedienung stritt.

Sportlerwahl: Preisverleihung und Trainingsstunde

Getroffen von der Europameisterin

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Wir überreichen Kickbox-Champion Emma Winter ihren Pokal und machen gleich beim Training mit.

Erding– Aha, Kickboxen hat also auch was mit Bällen zu tun. Jedenfalls kramt Bundestrainer Peter Lutzny einen blauen Gummiball hervor. „Das schult das Reaktionsvermögen“, sagt er. Bestimmt hat er Recht, aber vermutlich will er mir auch einen sehr großen Gefallen tun. Ich bin kein Kickboxer. Ich war mal Fußballer.

Und deshalb stehen mein Kollege Wolfgang Krzizok und ich in den Räumen des KBV Erding, der Talentschmiede des bayerischen Kickboxens. Eines der größten Talente ist Emma Winter.Im ungarischen Györ wurde sie 2019 Junioren-Europameisterin – gleich bei ihrem ersten großen Turnier. Die Leser der Heimatzeitung wählten sie darauf bei unserer Sportlerwahl aufs Podest. Mit 428 Stimmen holte sie Platz drei .

„Das ist eine große Ehre für mich, weil ich ja in Erding noch nicht so bekannt war“, sagt die Hohenpoldingerin. Es sei schön, „dass so viele Leute mitfiebern, auch wenn man sich persönlich gar nicht so kennt“. Stolz nimmt Winter den Pokal aus den Händen von Wolfgang Krzizok entgegen.

Und nach dem offiziellen kommt dann der gemütliche Teil. Eigentlich. Denn wir wollen ja mal ins Training von Emma Winter reinschnuppern. Also Sportklamotten an und strumpfsockig auf die Matte. Kollege Krzizok steht an der Seite. Er hat sich für die Rolle „Kamerakind“ entschieden.

Und nun kommen wir nochmal zu den Bällen. Wir – neben Lutzny, Winter und mir ist auch noch Worldcup-Siegerin Tatjana Obermeier dabei – stehen im Kreis. Lutzny tippt den Ball an, der – patsch, patsch, patsch – von einer Station zur nächsten wandert. Bei mir ist Endstation. „Tja, das wäre dein Einsatz gewesen“, meint Lutzny. Er wählt seine sehr sanfte Stimme. Danach klappt’s übrigens besser – ist auch eher eine leichte Übung.

Jetzt schnappt sich Lutzny zwei Tennisbälle. Die Übung: Schattenboxen und gleichzeitig die Filzkugeln fangen. Obermeier und Winter schlagen Luftlöcher und greifen Bälle, schlagen und greifen, schlagen und greifen. Und dabei tänzeln sie noch, ducken sich weg. Das ganze Programm halt. Ich tanze auch, lasse anfangs aber jeden zweiten Ball fallen. Danach klappt’s besser. Ach was, ich bin richtig gut. Hoch, tief, zwei gleichzeitig – wo auch immer die Europameisterin mir die Bälle hinwirft, ich schnappe sie mir alle. Das Dumme ist nur: Das Schattenboxen habe ich dabei total vergessen.

Stabi-Übungen sind auch so eine Sache – aber halt nicht meine. Wir stehen auf einem Bein und heben das zweite, als würden wir über eine Kiste steigen. Die beiden Kickboxerinnen meistern das grazil. Ich dagegen komme mir – gerade noch tapsender Tanzbär – wie ein Flamingo vor, nur nicht so pink und standfest. Dann falle ich um.

Danach wird geboxt. Das heißt: Ich werde mit einem Brustschutz und zwei abgeschnittenen Schwimmnudeln ausgerüstet. Ich laufe vor Emma Winter, die mich verfolgt, meine Schwimmnudel-Angriffe abwehrt oder dagegenboxt. Und sobald eine Lücke ist, kickt sie gegen meinen Brustschutz. Der Champion macht das sehr sachte, obwohl der filmende Kollege Krzizok reinruft: „Hau ruhig zu, der verträgt das schon.“ Tatjana Obermeier geht kurz darauf nicht ganz so sanft mit mir um. Vielleicht gefällt ihr der Krzizok-Kalauer: „Mach aus dem Priglmeir einen Prüglmeier.“ Vielleicht erinnert sie sich auch gerade nur an die Zeit, als sie mich als Fußball-Trainer hatte. Dann ist Schluss. Und ich könnte jetzt behaupten, dass ich nur wegen des Brustschutzes so schwitze. Aber eigentlich will ich die Matte nur frei machen für die Champions, die heuer noch sehr viel vorhaben.

Vor der Corona-Pandemie hat Emma Winter noch die Irish Open gewonnen. Seit neuestem darf sie im Nationalkader neben dem Krafttraining auch normales Techniktraining betreiben. Im November sollen in Serbien die Junioren-Weltmeisterschaften stattfinden. Im Dezember will sie zu den Europameisterschaften der Senioren. Jetzt, da wir gemeinsam auf der Matte gestanden haben, drücke ich meiner Trainingspartnerin natürlich noch fester die Daumen.

Das Training im Video:

Wir haben Siegerehrung und Trainingseindrücke gefilmt. Sie finden es unter www.youtube.com/watch?v=f45Kt8f4AM4 oder auf der Facebook-Seite des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

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