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Beim Weitsprung ist Schnelligkeit, Kraft und Koordination gefagt. 
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Kreissportfest des BLSV Erding

Gold für 70-Jährige und Jeans-Träger

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Das Sportabzeichen gilt als die Fitnessmedaille des Breitensportlers. Am Samstag hatte er in Erding sein ganz persönliches Olympia. Bei optimalen Wetter, denn es regnete ausschließlich Gold, Silber und Bronze.

 

Erding– Sebastian Heckner fuhr die bisher schnellste Runde seines noch jungen Lebens. Mama Evelyn joggte locker mit ihrem Baby im Kinderwagen über die Laufbahn des Erdinger Stadions – neben ihr die Söhne Max und Korbinian sowie Ehemann Thomas. Klingt nach Erdinger Super-Sportfamilie. „Nein, das sind wir aber nicht“, meinte Vater Thomas lachend. „Natürlich sind wir mit den Jungs gern draußen und gehen in den Bergen wandern.“ Als sie vom Kreissportfest erfuhren, „haben wir uns gedacht, da schauen wir mal hin und probieren das aus“, ergänzte Mutter Evelyn.

Es gab die unterschiedlichsten Gründe, der Einladung des BLSV-Kreises Erding zu folgen. „Wir sind da, weil der Trainer es wollte“, sagte zum Beispiel Jonas Köhler, Handballer der SpVgg Altenerding. „Ich will sehen, wie fit ich noch bin“, meinte der 61-jährige Günther Frank. Die Gründe sind unterschiedlich, das Ziel ist das gleiche: Alle wollten das Deutsche Sportabzeichen ablegen.

Schwimmbad und Stadion gemietet

Dafür mussten die Teilnehmer beweisen, dass sie in jeder Beziehung fit sind. Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination – für jede Facette im Sport gibt es dazu Disziplinen, in denen sich die Teilnehmer beweisen können. Individuell je nach eigener Leistung gibt es das Abzeichen in Bronze, Silber oder Gold.

Man kann die Prüfungen für diese Fitnessmedaille das ganze Jahr über ablegen, aber der letzte Samstag vor Schulbeginn ist inzwischen schon traditionell der sogenannte Sportabzeichen-Tag, den die beiden BLSV-Referentinnen Daniela Mau und Kerstin Weber ausgerufen haben. Sie haben für einige Stunden das Städtische Stadion sowie einige Bahnen im benachbarten Schwimmbad gemietet, um den Teilnehmern das volle Programm anzubieten.

So gab es für den Bereich „Ausdauer“ den 800- oder 3000-Meter-Lauf- aber auch verschiedene Schwimmstrecken. Ihre Kraft konnten die Sportler ebenso mit dem 80-Gramm-Schlagball wie mit dem Medizinball, aber auch beim Standweitsprung beweisen. Die Sprintstrecken hängen vom Alter ab und fingen schon bei 30 Metern an. Und ihre Koordination konnten die Sportler sowohl beim Schleuderball wie auch beim Weitsprung und beim Seilspringen beweisen.

Letzteres ist nicht jedermanns Sache. „Seilspringen geht bei mir gar nicht“, gestand Hans Schmiedel, der am Samstag zum zweiten Mal das Sportabzeichen ablegte. Er wohne nur einen Steinwurf vom Altenerdinger Sepp-Brenninger-Stadion entfernt, erzählte er. „Da wird immer dienstags für das Sportabzeichen trainiert. Und dort bin ich auf den Geschmack gekommen.“ Früher habe er Kampfsport betrieben, dann mit dem Laufen begonnen. „Und dabei bin ich geblieben“, sagte der 58-Jährige, schnappte sich den Medizinball und schleuderte ihn nach vorne. Er mache sehr gern Sport, aber gerade dieser Wettbewerbscharakter, die die Leistungsüberprüfungen mit sich bringen, seien eben das Salz in der Suppe.

Frank, der zwei Jahre ältere Basketballer, sah es ähnlich. „Nur Weitsprung ist nichts mehr für meine alte Knochen“, meinte er lachend.

Für Katharina Joos dagegen war der Sportabzeichen-Tag einfach. Die Sechsjährige war die jüngste Teilnehmerin und erstmals dabei. Was ihr am besten gefiel? „Einfach alles“, sagte sie und grinste ihren drei Jahre älteren Bruder Alexander, Mitglied der Trisport-Kids, an. Dabei war ihr Lieblingssport noch gar nicht dabei. „Tanzen!“

Nicht jeder Handballer wirft gern

Welche Sportart die jungen Handballer am liebsten machen, schien schon von vornherein klar gewesen zu sein. „Werfen, ist doch klar“, platzte es aus Kilian Jödecke heraus. Doch Jonas März, sein Team-Kollege von der Altenerdinger C-Jugend gestand: „Nö, Werfen ist nicht so mein Ding.“ Echt jetzt? Als Handballer? Naja, er sei ja auch noch nicht so lang dabei, entgegnete er. „Aber auf den 800-Meter-Lauf freue ich mich schon.“

Einen langen Atem mussten auch die Prüfer beweisen, die im Stadion sowie im Schwimmbad die Zeiten stoppten, Weiten maßen und ausrechneten, ob es denn nun für das Abzeichen reichte. Die Ausbeute laut Mau: Einmal Bronze, fünfmal Silber und 14 Mal Gold für die Erwachsenen. Die Kinder und Jugendlichen, die Teile ihrer Leistungen bereits beim Dienstagstraining erworben hatten, waren mit 13 Bronze-, 21 Silber- und 47 Goldabzeichen erfolgreich. Mit 70 Jahren sei Rudi Thalmeier der älteste Teilnehmer gewesen. Mehr als über sein 34. Abzeichen dürfte er sich noch über Johann gefreut haben, seinen neunjährigen Enkel, wie die Sportabzeichenreferentin Mau erzählte. Sie, ihre Kollegin Weber, der gesamte BLSV-Vorstand um den Vorsitzenden Adi Maier und die Prüfer aus den Vereinen hatten die Veranstaltung voll im Griff. Auch Landrat Martin Bayerstorfer half kurzzeitig in der Weitsprung-Gruppe beim Messen mit. Erdings 2. Bürgermeister Ludwig Kirmair gab das Startzeichen beim Sprintwettbewerb.

Die Prüfer, viele von den Erdinger Leichtathleten und den Trisportlern, kämen sehr gern zu diesem Sportfest, versicherte Mau. Stefan Block zum Beispiel sei schon vor einiger Zeit nach Allershausen umgezogen. Den Sportabzeichentag lasse er sich aber nicht nehmen.

Keine ruhige Minute beim Seilspringen

Margit Schulte von den TSV-Turnern hatte sich auf einen ruhigen Tag gefasst gemacht. Wer will schon Seilspringen oder Bodenturnen? „Ich hatte keine ruhigen fünf Minuten“, sagte sie danach. Den Grund nannte Weber: „Wir haben so viele Familien wie noch nie hier. Und die wollten alles erst einmal durchprobieren.“

Ihre Kollegin Mau erzählt von jenem Papa, der eigentlich nur zuschauen wollte und dann plötzlich selbst sprang und rannte – in Jeanshosen. Oder die Fußballer der SG Reichenkirchen, von denen einige noch das nachholten, was sie bei den Dienstagstrainings (siehe Kasten) noch nicht absolviert hatten. Oder die Leichtathleten des SVE Berglern, für die das Sportabzeichen der einzige Wettkampf ist, an dem sie teilnehmen.

Und die Heckners? Die Mutter will nächstes Jahr unbedingt mitmachen, diesmal klinkte sie sich nochmal aus und betreute ihre Jungs. „Und die haben alle ihr Sportabzeichen geschafft“, gab Mau bekannt. Bis auf Säugling Sebastian natürlich. Aber der hat ja noch ein wenig Zeit, denn die fünfte Auflage des Sportabzeichentags wird definitiv nicht die letzte sein. Das war für Weber und Mau bereits vor dem Samstag klar.

Nicht nur beim Kreissportfest, das traditionell am letzten Samstag vor Schulbeginn beginnt, können Interessierte im Kreis Erding die Prüfungen fürs Sportabzeichen ablegen. Die Sportvereine (zum Beispiel der TSV Taufkirchen, der TSV Dorfen und der TSV Maria Thalheim) haben diverse Angebote für ihre Mitglieder. Im Altenerdinger Sepp-Brenninger-Stadion nehmen Daniela Mau und Kerstin Mau gemeinsam mit Prüfern (u.a. vom TSV Erding, Trisport Erding und FC Langengeisling) von Mai bis September jeden Dienstag ab 18 Uhr das Sportabzeichen ab. Wem heuer noch die Schwimmleistungen fehlen, kann einen persönlichen Termin mit Daniela Mau vereinbaren, Tel. (0 81 22) 89 21 74. Die Schulen sind inzwischen zu einer Sportabzeichen-Diaspora geworden. Lediglich die Grundschulen in Moosinning und am Erdinger Lodererplatz nehmen laut Mau die Schulsportabzeichen noch ab.

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