Sein Lieblingsplatz: Hans Kofler inmitten seiner Golfbälle-Sammlung.
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Sein Lieblingsplatz: Hans Kofler inmitten seiner Golfbälle-Sammlung.

Nachruf

Hans Kofler war Lehrer, Motivator, Golf-Pionier, Sammler

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Trauer um Hans Kofler. Der Studiendirektor in Ruhestand ist im Alter von 81 Jahren verstorben.

Riedersheim – „Der Kofler und sein Caddy“ titelte die Heimatzeitung vor gut 20 Jahren. Dabei ging es um die Begegnung von Hans Kofler bei den BMW International Open in Eichenried mit dem besten deutschen Golfer Bernhard Langer, der den Erdinger einst als Caddy begleitete. Jetzt ist der Golf-Pionier aus dem Landkreis im Alter von 81 Jahren verstorben.

Hans Kofler kam 1938 im Dorf Tirol, unweit von Meran, zur Welt. Seine zwei Brüder waren im Krieg gefallen, so verließen die Eltern zusammen mit ihrem jüngsten Sohn die Heimat Südtirol und siedelten nach Erding über. Bald darauf verstarb sein Vater und so kam Hans ins Kloster Algasing in die Schule, „wo der Pfarrer meinte: ,Du bist zu Höherem berufen“, erzählt Hans Koflers Sohn Korbinian. „Die Mutter wollte ihn eigentlich nicht auf die höhere Schule schicken, deshalb hat er sich einfach selbst beim Schulleiter des Gymnasiums, das damals Oberrealschule hieß, in Erding beworben, quasi unter der Hand.“

Zwölf Jahre war Hans Kofler alt, als er seine Liebe zum Golfsport entdeckte. Die am Fliegerhorst Erding stationierten amerikanischen Einheiten hatten neben der Rollbahn einen Neun-Löcher-Platz gebaut. „Da hing er als Bub immer am Zaun“, weiß Korbinian Kofler. „Da hat er sich dann als Caddie etwas Taschengeld verdient und durfte es auch selbst probieren.“ Neben dem Golf entdeckte er auch seine Vorliebe für Hershey’s Schokolade. „Wenn wir in Amerika waren, mussten wir ihm die immer mitbringen.“ Nach dem Abzug der Amerikaner 1955 gab es den Platz noch drei Jahre. 1958 war dann endgültig Schluss.

Nach dem Abitur studierte Hans Kofler Lehramt in München, wurde Mitglied im Münchener Golfclub, wo er mit der 1. Mannschaft mehrere Meisterschaften gewann. Als er seine Referendarzeit zunächst in Lindau und später in Augsburg absolvierte und im dortigen Golfclub Mitglied wurde, kam es zu einer nachhaltigen Begegnung. 1967 nahm der Erdinger dort an der Club-Meisterschaft teil und bekam einen zehnjährigen Buben als Caddie zugewiesen: Es war Bernhard Langer, mit dem ihn seitdem eine echte Freundschaft verband.

1969 trat Hans Kofler am Gymnasium Erding, dem heutigen Anne-Frank-Gymnasium, seine Stelle als Lehrer für die Fächer Sport und Chemie an. Schon zwei Jahre zuvor war die Idee entstanden, einen Golfclub in Erding zu gründen. Nach dem Abzug der Amerikaner waren die Erdinger auf den damaligen US-Golfplatz in Dachau „umgezogen“, aus dem dann später mit Hilfe von Hans Kofler der GC Dachau entstand. Nachdem einige Zeit später in Grünbach ein geeignetes Gelände gefunden worden war, wurde im Juli 1973 – mit dem Vorsitzenden Arnold von den Stemmen und Sportwart Hans Kofler – der GC Erding-Grünbach aus der Taufe gehoben und der Spielbetrieb begann. Der engagierte Sportlehrer war dann auch „Gründungsvater des Schulgolfs in Bayern“, weiß Korbinian Kofler. Doch auch auf anderen Gebieten verstand es Hans Kofler, seine Schüler zu motivieren. Leichtathletik, Volleyball und vor allem das Skifahren waren seine großen Leidenschaften. Höhepunkte waren für ihn immer die alljährlichen Skilager, „und auch die Kollegstufen-Skiwochenenden hat er eingeführt“, erinnert sich sein älterer Sohn Korbinian, der 1977 geboren wurde. 1980 kam Sebastian zur Welt.

Eine besondere Vorliebe hatte Hans Kofler zudem, die er seinen Schülern jahrelang vermittelte. „Mein Vater konnte Forellen mit der Hand fangen, und das hat er den Schülern beigebracht“, erzählt Korbinian Kofler lachend. „Die sind dann alle immer am Stadtwehr im Erdinger Stadtpark zwischen den Steinen rumgekraxelt und haben Forellen gefischt. Aber dann hat es ein Schüler daheim erzählt, da sind die Eltern rebellisch geworden, und das Fischen ist aus Sicherheitsgründen verboten worden.“ Aber Hans Kofler hatte noch weitere Hobbys, wie zum Beispiel das Sammeln von Antiquitäten. Ende der 70er-Jahre kaufte er dann zusammen mit seiner Frau Hannelore den alten, denkmalgeschützten Schreinerhof in Riedersheim aus dem 19. Jahrhundert, den er zehn Jahre lang, renovierte. „Die Materialien mussten aus der gleichen Zeit sein, und so ist er immer rumgefahren und hat geschaut, wo grade was abgerissen wird“, erzählt Korbinian Kofler. „Die Schindeln fürs Dach hat er alle von Hand selber rausgeschlagen und geschnitzt.“ Die körperlichen Anstrengungen forderten ihren Tribut. „Durch die überdimensionale harte Arbeit hat er sich mehrere Bandscheibenvorfälle zugezogen.“ Das Golfen war auch nicht mehr so gut möglich, „denn durch die Schinderei funktionierten auch die Hände nicht mehr so, und auch das Gefühl für das kurze Spiel war verloren gegangen“. Schließlich musste der mehrfache Clubmeister und Masters-Sieger ganz aufhören: „Das war schlimm für ihn.“

„Seinem“ Golfclub in Grünbach blieb er natürlich dennoch verbunden. Er pflegte bis zuletzt die Streuobstwiesen – und sammelte Bälle für sein privates Golfball-Museum. Auf 50 000 bis 100 000 Bälle schätzt Korbinian Kofler die Sammlung seines Vaters – sortiert nach Logos, Farben und Beschriftungen. „Für ihn war es ein guter Tag, wenn er mit mindestens 30 Bällen heimgekommen ist“, sagt Korbinian Kofler schmunzelnd und erzählt, wie sie als Kinder alle zusammen Golfbälle aus dem Weiher am Grünbacher Platz gefischt haben. „Bei Vollmond war genügend Licht. Da sind wir mit der Badehose reingestiegen, haben dann den Schlamm durchgeknetet, so die Bälle praktisch rausgefiltert und dann rausgeworfen“, beschreibt Korbinian Kofler die nächtlichen Aktionen. „Da haben wir oft in einer Nacht hunderte von Bällen gefunden, haben allerdings zwischendurch auch mal einen Frosch oder einen Fisch erwischt.“

Hans Kofler war sein Leben lang in Bewegung und unterwegs. Umso mehr nervte es ihn, dass es ihm gesundheitlich immer schlechter ging. Seine letzten zehn Jahre war er viel auf Reisen. Er durchquerte fast alle Kontinente dieser Welt, anfangs noch golfspielend, später aus kulturellem Interesse. Ende 2019 wurde bei ihm Leukämie diagnostiziert. Schließlich schlugen die Medikamente nicht mehr an, und er kam nach Freising ins Krankenhaus. „Da hat er noch eine Videobotschaft von Bernhard Langer bekommen, die haben wir ihm im Krankenhaus vorgespielt. Darüber hat er sich sehr gefreut“, erzählt Korbinian Kofler mit bewegter Stimme. „Zwei Tage später ist er ruhig und friedlich eingeschlafen.“

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