1 von 4
Der Lokalmatador schlägt ab: Thomas Rosenmüller.
2 von 4
Mann der Zahlen: Harry Wagner aus Altenerding.
3 von 4
Profis lieben Lederhosen: Bei (v. l.) Oliver Pfund, Nikolas Löwenthal und Michael Plangger decken sie sich ein.
4 von 4
Mädchen für alles: Wirt Uli Sauer.

Golf – BMW International Open

Heißer Abschlag in Eichenried

  • schließen

Lokalmatador Thomas Rosenmüller und über 150 weitere Golfer sind im GC Eichenried in die BMW International Open gestartet. Ein Event, hinter dem viel Arbeit und viele fleißige Hände stecken.

Eichenried – Sonnenbad Eichenried: Zum Auftakt der BMW International Open waren gestern gefühlt mehr Strohhüte unterwegs als Bälle in der Luft. Bei Temperaturen von gut über 30 Grad wurde den Profis einiges abverlangt. Aber nicht nur ihnen. Auch Wirt Uli Sauer muss momentan schwitzen. Seit 15 Jahren ist er Pächter der Gaststätte im Clubhaus. Er kennt die Open aus dem Effeff. Routine hat sich bei der Arbeit während der Großveranstaltung aber nicht eingestellt. „Und das sollte auch gar nicht sein“, sagt der 52-Jährige, der am Golfclub wohnt.

Baguettes, die Profis aus der Bahn werfen

Normalerweise besteht sein Gastro-Team aus zehn Leuten, während des Turniers sind es 16. Der große Unterschied zu normalen Tagen? „Die Massen“, antwortet Sauer. Gemeint ist nicht der Gerstensaft, sondern der schiere Besucherandrang. Um die 3000 Zuschauer sind während der Turnierwoche im Golfclub unterwegs. Stress pur also, wenn man die alle versorgen will. Sauers Tag beginnt schon um 4 Uhr morgens und endet gegen 20 Uhr. „Wenn ich in der Metro noch einkaufen gehe, dann erst so um 22 Uhr.“

Das Küchenangebot reicht von Würstlsemmeln im Außenbereich bis hin zu Thai Curry oder Chili con carne im Innenbereich der Gaststätte. „Alles ist Selbstbedienung, sonst könnten wir das nicht stemmen“, sagt Sauer.

Bei so viel Arbeit bleibt vom Golferlebnis wenig übrig: „Ich registriere davon überhaupt nichts. Nach dem Turnier muss ich fragen, wer überhaupt gewonnen hat“, sagt Sauer schmunzelnd. Es kann derweil aber auch vorkommen, dass sogar die Golfstars vor lauter feinen Mahlzeiten ihren Job vergessen: „Vor sechs Jahren stand Colin Montgomerie an der Theke. Unser Bauernbaguette schmeckte ihm so gut, dass er noch ein zweites wollte. Dadurch kam er fünf Minuten zu spät und kassierte zwei Strafschläge“, erzählt Sauer. Das hat dem Profi natürlich weniger gut geschmeckt.

Fleißig sind dieser Tage auch die 300 sogenannten Volunteers, also die Freiwilligen, die ehrenamtlich mithelfen. Einer von ihnen ist Harry Wagner aus Altenerding. Der ist heuer schon im zehnten Jahr dabei. Er ist ganz nah dran an den Profis. Wenn diese auf dem Grün unterwegs sind, zückt der 66-Jährige seinen Notizzettel und schreibt die Ergebnisse nieder. Mit dem Flight, also einer Gruppe von Spielern, zieht er von Loch zu Loch. „Vor zwei Jahren war ich mal beim Henrik Stenson“, erzählt Wagner. Der Schwede ist heuer Titelverteidiger.

Nicht nur die Scorer, wie Wagner einer ist, sondern auch die Spieler selbst notieren die Ergebnisse ihrer Kollegen im Flight. Dazu kommen die Referees. „Die Leute sind sehr konzentriert“, erzählt Wagner, der die verschiedensten Golfertypen ausgemacht hat. „Die einen lachen viel, die anderen sagen gar nichts.“

Rosenmüller im Putting-Pech

Wagner ist Rentner, war früher viele Jahre Pilot und später Inspektor beim Luftfahrtbundesamt. Vor 22 Jahren hat er mit dem Golfspielen angefangen, beim benachbarten Golfclub Erding-Grünbach. Auch seine Frau Sabine und Sohn Julian üben den Sport aus.

Als ein Volunteer-Kollege, der das Ergebnis des Deutschen Marcel Siem auf seinem Schild herumträgt, an Wagner vorbeizieht, schüttelt Letzterer den Kopf. Darauf steht nämlich: +4. Vier über Par. „Das ist nicht gut“, weiß der Mann der Zahlen. Auch Thomas Rosenmüller konnte man gestern den Kopf schütteln sehen. An Loch 9 setzte er seinen Putt hauchdünn vorbei. Das Eigengewächs des GC Eichenried, das mit einer Wild Card für Amateure am Start ist, lag gestern nach seiner ersten von zwei Runden mit +1 zwischenzeitlich auf dem geteilten 101. Rang. Die Top 60 müssen es sein, um morgen den Cut zu überstehen.

Wenn Sie übrigens schon immer mal wissen wollten, was Golfer privat so tragen, sei Ihnen gesagt, dass sie gegen Lederhosen jedenfalls nichts einzuwenden haben. Heuer gibt’s in der Public Area mit zahlreichen Ausstellern erstmals Tracht. Und zwar vom Wiesnkönig am Münchner Viktualienmarkt. An dem Stand decken sich die Profis fleißig ein, und zwar für die Players’ Night heute Abend. Sergio Garcia, Henrik Stenson und Rafael Cabrera-Bello haben zum Beispiel schon zugegriffen. Marketingleiter Oliver Pfund sagt: „Wer eine Tracht anhat, hat bessere Laune.“ Und muss dann eben nicht den Kopf schütteln. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

„Früher war mehr Glitzer“
Die Tänzerinnen und Tänzer trainieren für morgen und denken an gestern. In seinem 15. Vereinsjahr hat Dance United Wartenberg ein ganz besonderes Programm vorbereitet. …
„Früher war mehr Glitzer“

Kommentare