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Leichtathletikhochburg Erding: „Hier sind alle vollblutengagiert“

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Von: Dieter Priglmeir

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elchen Stellenwert die Stadt inzwischen in der Leichtathletik hat, verrieten die Vizepräsidenten des deutschen Leichtathletikverbands, Jochen Schweitzer (l.) und Hartmut Grothkopp (r.), im Gespräch mit Sportchef Dieter Priglmeir.
Welchen Stellenwert die Stadt inzwischen in der Leichtathletik hat, verrieten die Vizepräsidenten des deutschen Leichtathletikverbands, Jochen Schweitzer (l.) und Hartmut Grothkopp (r.), im Gespräch mit Sportchef Dieter Priglmeir. © Wolfgang Krzizok

Zwei DLV-Vizepräsidenten erklären, warum Deutschlands beste Athleten nach Erding kommen.

Erding – Die Marathonläuferinnen haben den Anfang gemacht. Seit Montag trainieren die Benfares-Schwestern im Sepp-Brenninger-Stadion. Rund 60 weitere deutsche Athleten sowie ihre Trainer, Betreuer und medizinischer Stab treffen dieser Tage ein. Bis Freitag wird die Nationalmannschaft zu Gast in Erding sein. Am morgigen Donnerstag steigt um 18.30 Uhr ein Fotoshooting am Schrannenplatz. Die Große Kreisstadt als Gastgeber der Leichtathletik – im Interview mit der Heimatzeitung verrieten die beiden DLV-Vizepräsidenten Hartmut Grothkopp und Jochen Schweitzer, dass dies kein Zufall ist.

Herr Grothkopp, darf die Öffentlichkeit überhaupt vom Fotoshooting am Donnerstag wissen?

Hartmut Grothkopp: Warum denn nicht? Unsere Athleten haben sehr gern den direkten Kontakt mit den Leuten. Sie freuen sich über das Interesse für ihren Sport.

Da wird es einige Autogramm- und Fotowünsche geben.

Grothkopp: Das geht leider nur in einem gewissen Maße. Da bitten wir um Verständnis, dass man in Corona-Zeiten den Leuten nicht zu nahe kommen sollte. Aber gehen Sie davon aus, dass Sie unsere Sportler auch einfach mal so privat in der Innenstadt in einem Café sehen werden. Von den insgesamt 120 Athleten wird gut die Hälfte mit Trainern und Betreuern hier in Erding im Pre-Camp sein. Sie werden in zwei Hotels in der Stadt untergebracht. Jochen Schweitzer: Übrigens in den gleichen beiden Hotels wie schon vor 20 Jahren, als die EM ebenfalls in München stattfand.

Wieso eigentlich Erding?

Grothkopp: Es ist nicht nur die Nähe zum Olympiapark, die für Erding spricht.

Sondern?

Schweitzer: Die Stadt hat sich sehr um uns bemüht. OB Max Gotz, Stadtbaumeister Sebastian Henrich und die komplette Verwaltung – ich habe alle als hoch engagiert erlebt. Ich würde sogar sagen: Hier sind alle vollblutengagiert.

Wie äußert sich das?

Grothkopp: Schauen Sie sich allein dieses Stadion an. Das ist ein wahres Schmuckstück. Schweitzer: Schon großartig, wie das Sepp-Brenninger-Stadion dasteht. Da hat die Stadt richtig Geld in die Hand genommen. Allein für die Bahn waren 188 000 Euro für die Sanierung veranschlagt. Wie viel es letztlich wurde, weiß ich nicht. Aber das ist ein großer Wurf geworden. Grothkopp: Erding hat jetzt ein Stadion der Kategorie B. Zum Verständnis: Die Kategorie A sind Arenen wie zum Beispiel in Berlin oder München mit acht oder sogar neun Rundbahnen. Erding hat auch schon sechs Bahnen. Das heißt: Hier können deutsche Senioren- oder Jugendmeisterschaften stattfinden. Schweitzer: Und das passiert ja auch. Im September werden hier 2000 Senioren und Seniorinnen ihre DM abhalten. 2000 Aktive mit Anhang für ein Wochenende in Erding – das ist auch ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt.

Willkommen in Erding – das galt schon im Jahr 2002, als die Nationalmannschaft mit Stars wie Heike Drechsler in der Herzogstadt gastierten.
Willkommen in Erding – das galt schon im Jahr 2002, als die Nationalmannschaft mit Stars wie Heike Drechsler in der Herzogstadt gastierten. © RED

Erding als Leichtathletik-Hochburg. Dabei gab oder gibt es gar nicht den lokalen Superstar, der dies befeuert hätte.

Grothkopp: Das ist auch gar nicht nötig. Wichtig ist, dass man engagierte Leute hat –im Verein und bei den politischen Entscheidungsträgern. Schweitzer: Und das passt hier einfach. Die Leichtathletik-Abteilung des TSV Erding macht mit der Familie Weber an der Spitze so unglaublich viel für unseren Sport. Und mit Max Gotz hat die Stadt einfach auch einen Bürgermeister, der den Sport liebt und sich übrigens kaum eine Leichtathletikveranstaltung entgehen lässt. Grothkopp: Natürlich muss auch der Stadtrat mitspielen. Schweitzer: Hier ziehen in Erding alle an einem Strang. Grothkopp (zu Schweitzer): Du als Erdinger musst das ja wissen.

Welchen Vorteil hat es für Erding, wenn der Deutsche Vizepräsident aus Eichenkofen kommt?

Schweitzer: Ich kriege ja direkt vor Ort mit, mit welchem Herzblut gearbeitet wird und dass alle Veranstaltungen – und wir hatten in den vergangenen zwei Jahren sehr viele hier – bestens funktioniert haben. Hierher kann der Verband mit bestem Gewissen Meisterschaften vergeben. Grothkopp: Nochmal: Hier werden künftig sicherlich deutsche Jugendmeisterschaften stattfinden. Und natürlich profitiert der Schulsport vor Ort auch von diesen Voraussetzungen. Erding hat hier sehr viel für die Nachhaltigkeit getan.

Apropos Nachhaltigkeit: Die Zukunft der deutschen Leichtathletik sieht nicht sehr rosig aus. Dazu haben sich ja auch schon einige Sportler geäußert.

Grothkopp: Und das ist auch ihr gutes Recht. Wir verpassen da niemandem einen Maulkorb. Es ist ja auch so, dass die Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sind, wenn Halbprofis gegen Vollprofis antreten.

Sie sprechen die finanzielle Unterstützung an.

Grothkopp: Da müsste die Politik einfach mehr für den Leistungssport tun. Außerdem findet auch der Trainerberuf nicht die Anerkennung, die er verdient hat. Wenn du als Lehrer besser über die Runden kommst als als Trainer im internationalen Leistungssport, sagt dies viel aus. Dann verlierst du die Besten. Schweitzer: Und man sollte auch nicht vergessen, dass inzwischen der Anteil der Länder, die Medaillen holen, viel größer ist. Da haben sehr viele Länder aufgeholt. In unserem Sport brauchst du keinen Eiskanal oder ähnliches, der dann immer die gleichen Sieger hervorbringt. Grothkopp: Und während für uns die Vielfalt der Disziplinen wichtig ist, konzentrieren sich kleinere Länder auf einzelne Disziplinen und sind erfolgreich.

Dennoch: Vom Abschneiden bei der jüngsten WM in den USA dürfte auch der Verband überrascht gewesen sein.

Grothkopp:_ Da sind natürlich einige Dinge – Verletzungen, Zusammenbrüche, Erkrankungen – zusammengekommen, mit denen man nicht unbedingt rechnen konnte. Aber klar: Wir verlangen natürlich schon, dass die Trainer ihre Sportler so einstellen, dass sie dann bei den Highlights in Bestform sind.

Und was ist heuer das Highlight: die WM oder die EM zuhause?

Grothkopp: Olympia und WM stehen ganz oben und sind auch entscheidend für die staatlichen Gelder. Eine EM steht eigentlich nur auf Rang drei. Aber Erfolge bei einer EM im eigenen Land hätten natürlich in der Öffentlichkeit eine besondere Wirkung, die für uns sehr hilfreich wäre.

Wie viele Medaillen sollen es denn werden?

Grothkopp: Es gibt keine Medaillenvorgabe. Schweitzer: Bei der EM in Berlin haben wir 19 Medaillen geholt. Das werden wir vielleicht nicht ganz schaffen. Grothkopp: Für uns wäre wichtig, dass gerade unsere jungen Leute in Bestform sind. Persönliche Bestzeiten und -weiten würden wir uns schon wünschen. Aber für uns ist natürlich auch noch eine weitere Botschaft wichtig: Die European Championships sollen auch zeigen: Wir könnten auch Olympia. Schweitzer: Dieses Signal wollen wir schon senden. Grothkopp (zu Schweitzer): Dafür bist du zurzeit auch 16 Stunden pro Tag auf den Beinen.

Wann hört das auf?

Schweitzer: Die Spiele haben ja noch nicht mal begonnen.

Das Gespräch führte Dieter Priglmeir.

Die Interviewpartner

Hartmut Grothkopp ist als Vizepräsident im Präsidium des Deutschen Leichtathletikverbands für den Leistungssport zuständig. Jochen Schweitzer ist sowohl im Bayerischen Landesverband als auch im DLV Vizepräsident. Der 39-jährige Lehrer (Mädchenrealschule Heilig Blut) lebt in Eichenkofen.

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