Eine kurze Pause muss sein: Bernhard Drexler (l.) mit seinem Bruder Hubert bei einer Rast an der Rentner-Alm bei Eibach.
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Eine kurze Pause muss sein: Bernhard Drexler (l.) mit seinem Bruder Hubert bei einer Rast an der Rentner-Alm bei Eibach.

Langlaufen im Taufkirchener Gäu

„Man entdeckt immer wieder interessante Fleckerl“

Man könnte meinen, Ski-Langlaufen erlebt gerade einen neuen Boom.

Taufkirchen – Ein passionierter Freizeit-Hobby-Langläufer ist Bernhard Drexler aus Taufkirchen. Er sieht das nicht so.

Das Wetter und dass viele im Homeoffice arbeiten sorge momentan dafür, dass sich wieder mehr Leute auf ihre Langlauf-Brettl schwingen, meint er. Denn er treffe, wenn dann immer dieselben beim Langlaufen, keine Massen an Leuten. Somit gebe es auch keine Staus, was er toll findet. Derzeit würden übrigens günstige Langlaufsets mit Skiern, Stöcken und Schuhen für 200 Euro bei manchem Sporthändler angeboten, die man via „Click & Collect“ kaufen könne, was vielleicht einige dazu motiviere, es mit dem Langlaufen auszuprobieren.

In Taufkirchen würden schon lange viele Leute dem Langlaufen frönen, sobald es möglich sei. Er übe diesen Sport schon seit 35 Jahren aus, erzählt Drexler. Vergangenes Jahr allerdings nicht, weil es nicht geschneit hatte. Auch seine Schneeschaufel habe er unbenützt wieder im Garagenspeicher verstaut. Was den Reiz am Langlaufen ausmacht, bringt der Taufkirchener schnell auf den Nenner: „Man braucht nicht viel, nicht mal sehr viel Schnee und ist zeit- und ortsungebunden, denn man kann ja über jede Wiese fahren. Und man entdeckt immer interessante neue Fleckerl.“

Ideal seien die Felder, wo im Herbst noch Wintergerste angebaut wurde, die aber noch nicht ausgetrieben habe. Das sei noch besser als Gras, weil Gras höher sei und es dafür dann wieder mehr Schnee brauche. „Einfach loslaufen, da macht man nichts kaputt“, versichert Drexler. Untermauert werde dies durch die Tatsache, dass er noch nie Ärger mit den Bauern gehabt habe. Im Gegenteil: Sie würden freundlich grüßen, wenn er vorbeilaufe.

Einige, eher die sportlichen Läufer, würden lieber nach Lappach fahren, weiß Drexler. Dort werde gespurt, und die Loipe liege höher. Aber bis er dahin komme, sei er halt eine Stunde unterwegs. Diese Zeit nütze er lieber, um gleich vom heimischen Gartentor mit den Skiern loszufahren. So gebe es auch unzählige schöne Strecken mit sechs bis neun Kilometern im nahen Umkreis. Auf denen sei man rund eine Stunde unterwegs.

Eine von Drexlers Stammstrecken führt über Solching und Frauenvils, die Vils entlang, Richtung Herrnöd und dann weiter zur Rentner-Alm bei Eibach auf 519 Meter: „Hier hat man einen herrlichen Ausblick.“ Die vorhandenen Spuren würden auch von anderen Läufern genutzt, die schon mal woanders abbiegen. Diesen neuen Spuren fährt der 53-jährige Projektleiter und Ingenieur für Physikalische Technik und Wirtschaftsingenieur gerne nach, um wieder neue Runden auszuprobieren, wie er erzählt. Meist drehe er eine Schleife, um wieder zum Ausgangsort zu kommen.

Dass Drexler derzeit im Homeoffice arbeitet, findet er gar nicht so schlecht. „Denn dadurch sehe ich mal wieder mehr von Taufkirchen.“ Normalerweise ist er berufsbedingt viel in Berlin und auch in China im Einsatz. Coronabedingt hat sich das ziemlich reduziert. Am 19. Januar vergangenen Jahres sei er gerade noch aus China rausgekommen, als es mit der Pandemie losgegangen sei. „Dann wurden schon die Flüge gestrichen“, erzählt er. Seither war er nicht mehr dort. Also genießt er den Winter vermehrt daheim.

Reizvoll findet der Skilehrer des DAV Taufkirchen auch, dass Langlaufen kein besonders schwieriger Sport sei. Normale Langlauf-Ski hätten eine Schuppenstruktur, damit man auch bergauf komme. Profis würden das mit Gleit- und Steigwachs erreichen. Natürlich würden auch Technik und Equipment eine gewisse Rolle spielen. Aber man könne sämtliche Herausforderungen und die Geschwindigkeit immer seinem Können anpassen. So sei beim Langlaufen alles möglich vom gemütlichen spazieren laufen über zügig-dynamisches Fahren bis hin zum richtig schnellen Rennen, wie beim Joggen. Man könne mit Gleichgesinnten und Freunden, aber ebenso allein fahren. Wichtig sei nur, dass man ähnlich schnell laufe. Wenn man mit Leuten auf die Spur gehe, die fitter seien und keine Lust hätten, Rücksicht zu nehmen, sollte man sich von ihnen trennen, allein weiterlaufen oder den Topfittesten vorausgehen lassen, empfiehlt er, damit er die Spur ziehen könne, denn das sei auch anstrengend, und der gemütliche Fahrer komme dann gut nach.

„Langlaufen eignet sich an und für sich für Jeden, wenn man gesunde Knochen und Gelenke hat. Rein von der Belastung her, ist es wie Joggen, nur die Stoßbelastung ist wesentlich geringer“, sagt der Hobbyläufer. Ideal sei auch, dass man alles bewege von der Schulter über die Arme bis hin zu den Beinen und an der frischen Luft sei. Nur Abfahrten würden ein gewisses Risiko bergen. Auch er sei erst kürzlich bei einer gestürzt. Deshalb empfiehlt er allen unsicheren Läufern im Tiefschnee neben der Spur zu fahren, dann werde man nicht schneller. Auch im hohen Alter sei dieser Sport noch gut auszuüben. Kinder würden allerdings lieber zum Schlittenfahren gehen, stellt er fest.

Einen echten Geheimtipp für eine Strecke habe er keinen, aber man könne in jeder topografischen Karten Aussichtspunkte finden, die herrliche Blicke versprechen. An den Bächen lang laufen sei immer gut, weil es dort flach sei. Wer es einmal ausprobieren möchte, könne dies in Taufkirchen nahe dem Wald an der Zugspitzstraße tun. Dort sei fast immer eine Loipe.

BIRGIT LANG

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