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Freude über Silber: Katrin Fehm, Corinna Schwab und Maike Schachtschneider bejubeln mit der Hörlkofenerin Mona Mayer die Staffelme daille.

Leichtathletik

Hörkofenerin Mona Mayer bricht Ewigkeitsrekord

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Die 18-Jährige holt den 39 Jahre alten bayerischen Hallenrekord, freut sich über DM-Silber und ist Europas Nummer eins der U 20-Läuferinnen.

Leipzig/Hörlkofen– Mona Mayer war auf dem Weg zu Bronze und wurde dann auf den letzten Metern doch noch überholt. Die Hörlkofenerin wäre keine Leistungssportlerin, wenn sie das nicht doch ein wenig gefuchst hätte. Die Betonung liegt auf „ein wenig“. Schließlich legte die 18-Jährige am Wochenende eine deutsche Meisterschaft hin, wie sie es selbst in kühnsten Träume nicht erwartet hatte. Sie hat einen fast 40-jährigen bayerischen Rekord über 400 Metern gebrochen. Sie ist jetzt auf dieser Strecke Europas Nummer eins auf der Rangliste der U 20-Läuferinnen. Und sie hat ihre erste DM-Medaille bei den Frauen gewonnen.

Das fast perfekte Wochenende begann für die deutsche Jugendmeisterin schon mit dem Vorlauf über 400 Meter, als sie mit 53,35 sec die beste Zeit der gesamten Konkurrenz hinlegte. Damit brach sie den bayerischen Hallenrekord, den vor 39 Jahren mit der Althamerin Rita Daimer (heute Gabler) ebenfalls eine Athletin aus dem Kreis Erding aufgestellt hatte. Und auch in ganz Deutschland hat in den vergangenen 20 Jahren keine U 20-Athletin so eine Zeit erreicht.

„Mein Ziel war, unter 54 Sekunden zu kommen“, erzählte Mayer. „Ich wusste, das eine 53,9 möglich ist, wenn ich einen perfekten Lauf erwische. Aber mit so einer starken Zeit hatte ich nicht gerechnet.“ Sicher sei es auch von Vorteil gewesen, dass mit Laura Müller eine DM-Favoritin mit in ihrem Lauf war. „Sie hat mich schon sehr gepusht“, analysiert die Hörlkofenerin, deren Hallenbestzeit bisher bei 54,3 sec lag – also eine Sekunde mehr.

Und dann das Finale. Trotz der besten Vorlaufzeit war Mona Mayer klar: In dieser Frauenkonkurrenz ist sie nur Außenseiterin. Mit dem Endlauf hatte sie eigentlich ihr Ziel schon erreicht.

Mayer startete auf der Außenbahn. „Da hast du keinen zur Orientierung“, sagt sie. Außerdem gehe es – wie quasi in einer Steilkurve – erst einmal bergauf.

Mayer spürte schnell den Atem der Konkurrenz. „Nach 150 Metern ist Hannah Mergenthaler auf mich aufgelaufen. Auch Corinna (Schwab, die Red.) und Laura haben Druck gemacht.“ Dann ging es für die Hörlkofenerin bergab. „Ich bin ganz gut reingelaufen und war Dritte.“

„Auf der Zielgeraden bin ich dezent gestorben“

Es ging in die zweite und letzte Runde. Als Schwab den Turbo startete, „habe ich mir gedacht: Jetzt riskier ich alles“, erzählt Mayer. Sie versuchte sich hinten dranzuhängen. „Aber ich habe schnell gemerkt, dass da nichts mehr geht.“ Sie habe den Vorlauf in den Beinen gehabt.

„Auf der Zielgeraden bin ich dezent gestorben, in dem Moment denkst du an nichts mehr“. Schwab und Müller waren weg, und auf den letzten zehn Metern ging auch noch Mergenthaler an Mayer vorbei. „Das war ein Überraschungseffekt. Das kriegst du da nicht mehr eingefangen“, sagt Mayer und fügt hinzu. „Gemessen an den Vorleistungen war Hannah ohnehin besser. Da muss ich mich nicht schämen. Corinna und Laura waren sogar unter 53 Sekunden – das ist einfach noch eine andere Klasse.“

Natürlich sei da eine leichte Enttäuschung, wenn eine Zehntelsekunde zu Bronze fehlt, räumt Mayer ein, „aber ich freue mich über die Zeit“. Die Gymnasiastin hatte mit 53.50 sec erneut ein sensationelles Tempo hingelegt. „Und der Rest kommt in den nächsten Jahren“, sagt sie und meint damit die Medaillen.

Wobei: Ihre erste Medaille bei den Frauen hat sie am Sonntag bereits eingefahren. Mit der Staffel der LG Telis Regensburg holte sie über 4 x 200 Meter die Silbermedaille.

Es war quasi der finale Kraftakt. Nach dem zweiten 400 Meter-Lauf habe sie schon „sehr starke Schmerzen in den Beinen gehabt“, erzählt Mayer. „Aber die 200 Meter sind ja nur die Hälfte. Es macht Spaß, nochmal Vollgas zu geben. Und in einer Staffel ist die Freude darüber noch viel größer.

Dabei hatte sie durchaus Grund, sich ein wenig über die Gegnerinnen zu ärgern. Das „Chaos im Wechselraum“, wie Mayer es bezeichnete, mag ja bei einer Staffel noch üblich sein. Dann aber lief die Läuferin der LG Wattenscheid von rechts in die Mitte. „Meiner Meinung nach hat sie mich geschnitten. Ich musste aufpassen, nicht in den Innenraum zu geraten. Das hätte die Disqualifikation für uns bedeutet“, so Mayer, die also „nachgab, obwohl ich eigentlich schneller war“. Und es wurde nicht besser. Die Kontrahentin behauptete die Innenseite. „Ich musste nochmal Tempo rausnehmen, damit ich nach außen komme.“ Das Problem dabei: „Du brauchst danach gut 50 Meter, um wieder in die volle Geschwindigkeit zu kommen.“ Auf den letztern Metern allerdings überholte Mayer die Wattenscheiderin, übergab als Dritte den Staffelstab. Diese Position verteidigte Kathi Fehm. Und nachdem die Mannheimer Staffel disqualifiziert worden war, weil eine Läuferin ihre Bahn verlassen hatte, wurde aus Bronze sogar Silber.

„Meine erste Medaille im Frauenbereich, und das mit 18. Das ist schon sehr cool. Und schon noch was anderes als in der Jugend.“ Apropos Jugend: Die Schülerin hat jetzt Ferien. „Jetzt ist erst einmal trainingsfrei“, sagt die Hörlkofenerin, die sich vermutlich schon bald zum Plausch mit Rita Gabler treffen wird. Dass ihr bayerischer Ewigkeitsrekord nun gebrochen ist, „das freut mich riesig für Mona“, so Gabler. „Wenn die Jugend in der Leichtathletik erfolgreich ist. finde ich das immer schön.“

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