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Vielen Dank - ois Guade: Mit menschlichen Buchstaben haben sich die Schüler von Uschi Hopfner verabschiedet. 

Interview mit Uschi Hopfner 

„Wir ziehen eine Generation von Weicheiern groß“

Uschi Hopfner ist ein Name, den fast jeder kennt, der aufs Korbinian-Aigner-Gymnasium (KAG) gegangen ist, oder das Gymnasium Erding 2, wie es zu seiner Anfangszeit noch hieß. Jetzt ist die Sport- und Englischlehrerin in Pension verabschiedet worden und blickt im Interview mit der Heimatzeitung auf ihr privates und berufliches Leben zurück.

Erding – Frau Hopfner, Sie waren viele Jahre Lehrerin. Man sagt: Früher war alles besser. Stimmt das?

Generell glaube ich nicht, dass das zutrifft. Aber man merkt schon, dass früher mehr Wert auf das Kerngeschäft, also den Unterricht, und auf die pädagogischen Fähigkeiten eines Lehrers, gelegt wurde. Heute habe ich oft den Eindruck, dass es eher darum geht, die Außenwirkung einer Schule zu verbessern. Da stehen dann Projekte und Arbeitsgruppen im Mittelpunkt. In der Hinsicht gab es in meiner Anfangszeit am KAG auch immer diesen Konkurrenzkampf zwischen den zwei Erdinger Gymnasien; das hat mich sehr gestört. Irgendwann verliert man da einfach das Wesentliche aus den Augen.

Merkt man auch bei den Schülern einen Unterschied zu früher?

Oh, ja. Ich habe schon oft gesagt: Wir ziehen eine Generation von Weicheiern groß. Das merkt man an den gehäuften Fehlzeiten in den Klassen, aber auch im Sportunterricht. Früher, vor 20 oder 30 Jahren, wäre es undenkbar gewesen, dass mitunter sechs oder sieben Jungs mit einer fadenscheinigen Entschuldigung draußen auf der Bank sitzen. Das ist heute leider auch bei guten Sportlern nicht ungewöhnlich. Die Schüler sind durchs Internet auch viel schneller abgelenkt als früher und können sich nicht mehr so sehr auf das Schulische konzentrieren. Das macht das Unterrichten schwieriger. Aber die moderne Technik bringt natürlich auch viele Vorteile. Durch Whiteboards kann man den Unterricht zum Beispiel viel anschaulicher und interessanter gestalten.

Warum sind Sie überhaupt Sportlehrerin geworden?

Das ist eine lange Geschichte. Meine Eltern waren auch schon Lehrer. Ich hatte also dieses pädagogische Gen in mir. Ich wollte aber eigentlich etwas anderes als meine Eltern machen. Mein ursprünglicher Wunsch war es deshalb, Medizin zu studieren und Kinderärztin zu werden. Nur damals wie heute war es schwierig, den Numerus Clausus zu erfüllen. Um die Wartezeit zu überbrücken, habe ich angefangen Lehramt mit den Fächern Französisch und Englisch zu studieren. Mein Vater hat mich nach zwei Semestern überzeugt, Sport dazuzunehmen aufgrund meines Talents. Im Sportstudium habe ich dann meinen Mann kennen gelernt, unseren ersten Sohn bekommen und das Lehramtsstudium beendet.

Wie lange waren Sie Sportlehrerin am KAG?

Ich war von Anfang an beim KAG dabei, also seit 2004. Davor war ich 20 Jahre lang Lehrerin am Anne-Frank-Gymnasium, musste es aber leider verlassen, weil mein Mann stellvertretender Schulleiter am AFG wurde.

Was waren die schönsten Erlebnisse Ihrer Karriere?

Da gab es viele. An meine Verabschiedung erinnere ich mich zum Beispiel sehr gerne. Ich freue mich auch immer, wenn ich ehemalige Schüler oder deren Eltern zufällig treffe und sie mir sagen, dass sie oder ihre Kinder eine schöne Zeit bei mir im Unterricht hatten. Aber das schönste Erlebnis war wohl, als ich mit der Fußballmannschaft, in der auch meine Tochter gespielt hat, Oberbayerischer und dann Bayerischer Meister wurde und wir gemeinsam nach Berlin fahren durften. Darauf war ich schon sehr stolz.

Apropos stolz. Gibt es noch etwas anderes, auf das sie sehr stolz sind?

Vieles. Ich habe lange Zeit Basketball gespielt. Mit dem FC Bayern bin ich zweimal Deutscher Meister geworden, habe jahrelang in der Bundesliga gespielt und mit meiner Mannschaft viermal die deutsche Vizemeisterschaft und einmal den Pokalsieg errungen. Jetzt bin ich im Tennis immer noch erfolgreich. Aber ich bin auch sehr stolz darauf, wie erfolgreich meine Kinder und Enkel im Sport sind.

Welche Sportarten betreiben Ihre Kinder denn?

Meine Kinder haben ganz verschiedene Sportarten betrieben, zum Beispiel Fußball, Handball, Tennis, Basketball, Ski und Leichtathletik. Ich persönlich bin der Meinung, dass Eltern ihre Kinder in jede Sportart hineinschnuppern lassen sollten. Es ist nicht gesund, sie bloß auf eine einzige Sportart zu trimmen. Leistungssport ist generell nicht gesund, aber vor allem nicht, wenn man in so jungen Jahren anfängt. Wenn ein Sport leistungsmäßig betrieben wird, werden viele Muskeln und Gelenke sehr einseitig belastet, während die Kinder sich noch im Wachstum befinden.

Wie finden Sie, fördert man denn die Talente seiner Kinder am besten?

Na ja, zuerst muss man sie erkennen, deshalb sollte man die Kinder, wie gesagt, in viele Sportarten hineinschnuppern lassen. Ich finde es auch wichtig, ihnen zu zeigen, dass man Interesse an ihrem Sport hat und die Kinder zu Wettkämpfe begleiten. Deshalb war ich früher an den Wochenenden auch im ganzen Landkreis unterwegs, weil ich meine fünf Kinder bei jedem Wettkampf unterstützen wollte. Ich finde es auch immer schön zu sehen, wenn sich zum Beispiel Väter als Fußballtrainer der Kinder engagieren. Das bringt eine ganz neue Motivation.

Kommen wir zu Erding. Wo sehen Sie die sportlichen Stärken und Schwächen des Landkreises?

Stärken hat Erding definitiv im Handball und im Eishockey natürlich. Der Landkreis schwächelt leider bei den Randsportarten. Da gibt es zwar immer wieder einzelne Talente, aber nicht in dem Maße. Auch Basketball sollte definitiv mehr gefördert werden. Zur Zeit gibt es nicht einmal eine Herrenmannschaft, was für die Jugendlichen sicher kein großer Motivationsschub ist, die Sportart anzufangen und auszuüben. Die Förderung sollte allerdings auf gar keinen Fall durch das Verpflichten von guten, aber teuren Spielern aus anderen Vereinen passieren. Durch diese Taktik verdrängt man nur die eigenen, jungen Sportler, die keine Möglichkeit mehr haben, einzusteigen. Außerdem wollen die Leute ja auch ihre eigenen Sportler anfeuern. Man sollte deshalb eher den eigenen Nachwuchs gezielt fördern.

Wie sieht Ihre Zukunft aus?

Ich mache auf jeden Fall weiterhin viel Sport, vor allem Tennis. Ich möchte viel Zeit mit meinen Kindern und Enkeln verbringen. Reisen steht auf dem Plan und wandern gehen. Ziele wie Kanada und Neuseeland habe ich im Kopf, aber auch Näheres wie Mallorca. Kurz gesagt, möchte ich einfach meine Pension genießen.

SOPHIA HUBER 

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