Heinz Klupp mit seinen Siegertrophäen von der WM (l.) und DM.
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Erinnerungen: Heinz Klupp mit seinen Siegertrophäen von der WM (l.) und DM.

Erdings Top 100

Heinz Klupp: Kämpfer, Trainer, Visionär

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Heinz Klupp hat das Boxen und Kickboxen im Landkreis geprägt wie kein Zweiter. Der Erdinger spielte aber auch Tennis und Eishockey und probierte sich auch im Karate.

Erding – Er ist ein Sportler durch und durch. Heinz Klupp hat in seinen jungen Jahren viel ausprobiert – Tennis, Eishockey, Karate, Boxen – und ist letztlich beim Kickboxen geblieben. Dort hat der heute 64-Jährige zahllose Titel eingefahren, unter anderem wurde er 1983 in London Weltmeister. Aber fast noch mehr Meriten hat er sich als Trainer verdient. Er hat unzählige Kämpfer geprägt und sorgt jetzt mit seinen „Kampfkatzen“ dafür, dass Kinder Freude und Spaß an der Bewegung haben. Wobei er betont: „Fürs Kickboxen hatte ich eigentlich nie einen richtigen Trainer gehabt – ich habe mir quasi alles zusammengestohlen.“

Tennis ist die erste Sportart, der sich Heinz Klupp als Bub intensiver widmet. Zusammen mit Peter Scheeser sowie den Brunner Brüdern Walter und Dietmar schwingt er im Nachwuchs des TC Erding das Racket. Aber als 14-Jähriger entdeckt er seine Liebe zum Karate. Coach ist Gerd Rombowski, quasi der „Ur-Vater“ der Erdinger Kampfsportszene. „Kämpfen lernen hat mir gefallen“, erinnert sich Klupp. „Und auch die Disziplin und die strenge Trainingsführung, die es beim Tennis nicht gab.“ Als Kämpfer beziehungsweise später als Wettkämpfer macht sich der Erdinger Bub gut. Und er erkennt: „Erfolg treibt und beflügelt.“

Bei seinem ersten Einsatz bei den Senioren landet Klupp bei den bayerischen Meisterschaften in Dorfen auf dem dritten Platz – und muss lachen, wenn er davon erzählt: „Die Oma war auch dabei, ist aber dann rausgegangen. ,I konn’s ned seng, wenn da Bua oane kriagt’, hat sie gesagt.“ Dreimal wird der Erdinger in der Folge Bayerischer Meister, fährt danach jeweils zur Deutschen, wo er zwei Jahre lang erfolglos bleibt: „Das waren meine Lehrjahre.“ Im dritten Jahr reicht es zur Vize-Meisterschaft, „das war aber schon die Zeit, wo ich andere Kampfsportarten beäugt habe“.

Deutscher Meister als Newcomer

Im Keller des Vereinsheims des TSV Erding haben die Karateka ihr Dojo, gleich nebenan trainieren die Boxer. Da macht Klupp ein paarmal mit und merkt: „Ich kann mithalten.“ Wenig später wird er Oberbayerischer Meister im Boxen. „Das war damals ein Superteam mit lauter guten Leuten, die gut standhalten konnten“, erinnert er sich und betont: „Die nötige Härte habe ich mir von Bernhard Rötzer geholt.“ Auch noch mit dabei sind unter anderem Martin Rötzer („Heinz war unser Guru – ein richtiger Menschenfänger“), Conny Mittermeier und Peter Lutzny.

Siegerpose: Heinz Klupp bei der Urteilsverkündung nach einem seiner zahlreichen Siege. Archivfoto.

Karate hat sich mittlerweile zu „Modern Karate“ entwickelt, die Vollkontakt-Version, die später zum Kickboxen wird und damals schon im Weltverband WAKO (World Association of Kickboxing Organizations) organisiert ist. Lutzny betreibt damals schon Boxen und wird von Klupp zum Kickboxen animiert („Du hast ein Herz, komm zum Kickboxen“). Lutznys Neugierde ist geweckt („Der Heinz konnte immer schon alle Leute für das, was er macht, begeistern“). Zu Trainingskämpfen mit Klupp werden alle eingeteilt: Vereinskameraden, Freunde, Bruder Michael sowie dessen Freunde. Und der Plan geht auf: 1978 wird Heinz Klupp als Newcomer Deutscher Meister im Vollkontakt-Karate – und wird für die Weltmeisterschaft nominiert. Was ihn so stark gemacht hat? „Ich habe immer schon von meinem Größen-/Gewichtsverhältnis profitiert, mit 67 Kilo bei 1,80 Meter Größe. Und ich musste nie auf mein Gewicht schauen, musste nie abkochen.“

Im November 1978 veranstaltet die WAKO die erste Kickbox-WM überhaupt. Zusammen mit Gerd Rombowski als Betreuer fährt Heinz Klupp nach Berlin, wo es in der Deutschland-Halle zur Sache geht. Dreimal steigt der Erdinger in den Ring, schlägt einen US-Amerikaner und einen Niederländer, ehe er im Halbfinale gegen den späteren Weltmeister aus Norwegen verliert. „Ich bin gegen den als Einziger über die Runden gekommen“, erzählt er stolz, blickt aber gleichzeitig kritisch zurück: „Da hatte ich den Arsch noch nicht so in der Hose – ich war eher ein Spätentwickler und hätte noch zwei strenge Winter gebraucht.“

„Vier Wochen lang Blutergüsse an den Oberschenkeln“

Wenig später macht Heinz Klupp erstmal Kickbox-Pause. Er entdeckt das Savate (Französisch für „abgetragenen Schuh“), die französische (härtere) Form des Kickboxens. Als er in Paris bei seinem ersten Savate-Turnier antritt, erschrickt er, als er in die mit 5000 Zuschauern voll besetzte Coubertin-Halle kommt. Gegen den französischen Meister kassiert er eine knappe Niederlage, aber im Turnierverlauf gewinnt er einige Kämpfe. „Allerdings hatte ich danach rund vier Wochen lang Blutergüsse an den Oberschenkeln“, erinnert er sich lachend. „Bei dieser Kampfsportart darf man nämlich auch Lowkicks setzen, also auf die Oberschenkel treten.“ Dennoch hat er Blut geleckt und ist bei einigen weiteren Turnieren mit dabei: „Da waren wir fast Profis. Flug, Hotel, Essen, alles wurde von den Veranstaltern bezahlt.“

Ich hatte für mein Gewicht einen sehr harten Fußschlag, speziell mein Frontkick war eine Waffe.

Heinz Klupp über seine große Stärke

Weil der Erdinger aber ein sehr bodenständiger Typ ist, stoppt er die Savate-Karriere – und wendet sich erst einmal dem Eishockey zu (siehe Kasten). Aber 1982 packt ihn wieder die Lust am Kickboxen, und der Eishockey-Schläger wird in die Ecke gestellt. Der Erdinger gewinnt in der Folge alle Ranglistenturniere und schafft die Qualifikation für die WM, die damals nur alle zwei Jahre ausgetragen wird. „Ich wusste, das wird meine letzte WM“, sagt er. Und so reist er zusammen mit seinem Spezl Martin Rötzer, der im Schwergewicht antritt, 1983 zu den Titelkämpfen nach London. Nach einem Freilos in Runde eins gewinnt Klupp nach Abbruch gegen einen Iren sowie nach Punkten gegen einen Österreicher und steht im Halbfinale. Kampflos zieht er ins Finale ein, weil sein Gegner wegen Verletzung nicht antreten kann. Dort wartet Lokalmatador Osborne. „Auf Punkte brauchte ich da nicht zu gehen“, betont Klupp. „Die Halle war voll. Da hatte ich keine Freunde im Publikum. Da konnte ich nur durch Abbruch gewinnen.“ Der Engländer ist ein sehr starker Boxer, also verlässt sich der Deutsche nicht auf seine Fäuste, sondern vor allem auf die Füße. „Ich hatte für mein Gewicht einen sehr harten Fußschlag, speziell mein Frontkick war eine Waffe“, sagt Klupp. Der Erdinger schlägt, bis er seine Zehen nicht mehr spürt – und hat Erfolg. In der dritten und letzten Runde wird der Kampf abgebrochen, Heinz Klupp ist Weltmeister – genau wie Martin Rötzer.

Danach tritt Klupp noch bei einigen Galas an, ehe er sich auf die Verbands- und Trainerarbeit konzentriert. 1987 bei der WM in München ist der Erdinger als Bundestrainer dabei – und nicht nur das: „Ich habe auch die Boxringe organisiert, die haben wir aus Eichenried und Erding geliehen.“

Aus Bauernhof wird KBV-Schmiede

In München versucht derweil der Kroate Ivan Steko, Vater von Pavlica (15) und Mladen (13), eine Kampfsportschule zu eröffnen. Als Trainer will er seinen Landsmann Branco Zikatic in die Landeshauptstadt holen, der aber keine Arbeitserlaubnis bekommt. Steko bittet seinen alten Kampfsport-Freund Michael Kuhr aus Berlin um Unterstützung, der wiederum Heinz Klupp empfiehlt. „Kampfsportler helfen sich“, sagt der Erdinger, der im Kampfsportzentrum Steko als Trainer anheuert. Schließlich werden die beiden Partner, betreiben das Gym gemeinsam. Klupp bringt den Steko-Buben, die bislang Taekwondo gemacht, haben das Kickboxen bei und führt sie zur Deutschen Meisterschaft.

Technisch perfekt: Schläge und Tritte mit dem Fuß waren die große Stärke von Heinz Klupp (l.).

Parallel dazu fängt Heinz Klupp, zusammen mit Peter Lutzny, an, sich in Erding ein Standbein zu schaffen und baut in der Sigwolfstraße einen alten Bauernhof um. „Fast drei Jahre haben wir geschuftet und viel Schweiß vergossen“, erinnert sich Klupp. Ivan Steko macht die Verputzarbeiten und sagt: „Du hast mir geholfen, ich helfe dir.“ Als die Steko-Söhne Pavlica und Mladen alt genug sind, um in die Kampfsportschule einzusteigen, klinkt sich Klupp aus. „Ivan war zwar traurig, aber ich habe ihm erklärt: München ist nicht mein Pflaster – ich liebe Erding.“ Und auch seine große Liebe ist in Erding: 1995 heiratet er seine Sigrid, die zwei Töchter mit in die Ehe bringt (Fanny und Lisa) – 1996 kommt Tochter Lena zur Welt.

Und so schafft sich der ehemalige Architektur-Student („Das ärgert mich heute noch, dass ich das nicht abgeschlossen habe“) und Versicherungskaufmann ein neues Standbein mit seinem eigenen KBV-Gym. „Viele meiner Schüler, wie etwa Mark Wieser und Günter Scheller, haben mittlerweile ihre eigenen Kampfsportschulen gegründet“, erzählt Klupp stolz. „Die habe ich ausgebildet, sie unterrichten nach meinem Style.“ Mit dem „Klupp-Style“ schmiedet der Erdinger daheim noch viele weitere erfolgreiche Kickboxer. So zum Beispiel Martin Rötzer, Conny Mittermeier, Christian Bauer, Erich und Hans Januschkowitz, Fred Rätzke, Ewald Voithenleitner, Karl-Heinz Eberhardt, Günter Mohaupt und natürlich auch Peter Lutzny. Die beiden sind bis heute beste Freunde und Geschäftspartner. Lutzny, der seinerseits auf eine beachtliche Karriere als Boxer und Kickboxer zurückblicken kann, übernimmt im KBV schon ab dem Jahr 2000 immer mehr den Posten des Leistungstrainers. Klupp kann sich dadurch um andere wichtige Dinge im KBV Erding kümmern. Gerne steht er dem Wettkampfteam aber immer noch mit Rat und Tat zur Seite. „Im Hochleistungstraining für Kickboxen kenne ich seit Jahren keinen besseren Trainer als Peter Lutzny. Wenn ich noch einmal jung wäre, dann würde ich mir wünschen, dass er mich trainiert“, schwärmt Klupp.

Neue Hauptaufgabe: „Kampfkatzen“

In der KBV-Schmiede werden viele tolle Kämpfer geformt. So auch der mittlerweile 19-fache Profi-Weltmeister Dominik Haselbeck („Der kam als Volksfestboxer zu uns“), oder im Amateurbereich Kian Golpira („Der erste Erdinger Weltmeister nach Martin Rötzer“), Robert Bayerstorfer (3. bei der WM), der viel zu früh verstorbene Christian Bauer, der Deutscher Meister wird und Fünfter bei der WM („Er hat gegen den Weltmeister knapp verloren“), Tatjana Obermeier, die Dritte bei der EM und WM wird („Ihr Fleiß wird sicher noch mehr belohnt“), Junioren-Europameisterin Emma Winter und Simon Zachenhuber, der jetzt im Profi-Boxzirkus unterwegs ist. Nicht zuletzt deshalb wird Heinz Klupp in die „Hall of Fame“ der WAKO aufgenommen. Und auch deswegen, weil er mit die treibende Kraft war, dass Kickboxen mittlerweile offizielles Mitglied im BLSV und im DOSB ist.

Seit ein paar Jahren gilt Klupps Hauptaugenmerk aber seinen „Kampfkatzen“. „Das ist jetzt meine Hauptaufgabe“, erzählt er. „Ein Bewegungs- und Verhaltenskonzept für Kinder im Vorschulalter“. Denn er weiß: „Eltern wünschen sich selbstbewusste Kinder, die sportlich sind und sich bewegen.“ Und was mindestens ebenso wichtig ist: „Die Schüchternen sollen stärker, die Wilden gezügelt werden.“ Dass dieses Konzept erfolgreich ist und angenommen wird, beweist die Tatsache, dass es schon 60 Partner-Kampfsportschulen gibt.

Noch denkt der 64-Jährige nicht ans Aufhören, aber eine potenzielle Nachfolgerin bei den „Kampfkatzen“ steht mit Tochter Lena schon bereit, die jüngst ihren Bachelor in Gesundheitswissenschaft abgelegt hat. „Dann schau ich nur noch zu“, sagt er und lacht. Ein Heinz Klupp, der nicht mehr im oder am Ring arbeitet? Kaum vorstellbar.

Wolfgang Krzizok

„Hans Huber hinter dir als Verteidiger, das war das Highlight“

Mitte der 1970er-Jahre entdeckt Heinz Klupp auch das Eishockey für sich. „Anfangs aber nur als Weiher-Spieler“, wie er berichtet. In Erding gibt es damals ja noch kein Eisstadion. Das wird erst 1978 eröffnet. Im gleichen Jahr gründet sich die Eishockeyabteilung des TSV Erding. Klupp ist dabei, und als 1979 erstmals eine Mannschaft zum Spielbetrieb gemeldet, steht er im Team.

„Ich war kein Leistungsträger, aber ich war sehr diszipliniert“, erinnert er sich. „Ich habe halt das gemacht, was mir unser Spielertrainer Hansi Dorn gesagt hat.“ Mit fast lauter Eishockey-Neulingen wird der TSV Erding Letzter in der Landesliga, die damals die unterste Liga ist. „Dann kamen die Landshuter Spieler“, erzählt Klupp, und es geht sportlich aufwärts. „Wir waren der Volkssturm“, sagt Klupp lachend, „also der Gerhard Tritschler, der Raimund Geißler und ich. Die Szill-Brüder Helmut und Franz waren unsere Verteidiger“. Und er ergänzt: „Für uns hieß es immer: ,Nix riskieren Buam, wir sind froh, wenn nichts passiert’.“ Was übersetzt heißt: Wenn diese Reihe kein Gegentor fängt, dann hat sie ihre Aufgabe erfüllt.

Noch besser läuft es dann zwei Jahre später mit Eishockey-Legende Hans Huber als Spielertrainer. „Wenn du den Hans als Verteidiger hinter dir hattest, das war ein Highlight“, schwärmt Klupp. „Der hat immer gesagt: ,Schläger aufs Eis, du brauchst nicht zu denken, das mach ich’. Und dann kamen die Pässe genau auf den Schläger.“ Am Ende ist der TSV Erding Erster in der Landesliga und steigt in die Bayernliga auf. „Da war für mich dann Schluss, denn so viel Selbsteinschätzung hatte ich, dass ich wusste, das ist mir zu hoch.“

Auch wenn Heinz Klupp jetzt wieder voll beim Kickboxen einsteigt, kann er zunächst nicht ganz vom Eishockey lassen, denn der TSV Erding meldet eine 1b-Mannschaft in der Landesliga. „Wir waren so schlecht damals, wir haben jedesmal gefeiert, wenn wir unter zehn Gegentoren geblieben sind“, erzählt er lachend. Und dann verletzt sich während eines Punktspiels auch noch der Torwart, ein Ersatzmann ist nicht dabei. Trainer Werner Hingerl fragt: „Wer hat die beste Reaktion?“. Alle deuten auf den Kampfsportler Klupp, der dann zwischen die Pfosten muss. 1982 beendet er seine Eishockey-Laufbahn. Sein Fazit: „Es hat einen riesen Spaß gemacht.“ wk

Die Eishockey-Gründungsmannschaft des TSV Erding: Dieses Team ging in der Saison 1979/80 erstmals auf Punktejagd – und wurde Letzter in der Landesliga. Im Team stand auch Heinz Klupp (hinten, 6. v. l.). Archivbild.

Weitere Porträts aus unserer Serie Erdings Top 100 finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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