Fröhliche Kinder, gut gelaunte Skilehrer: Solche Bilder gibt’s derzeit nur aus dem Archiv. Die Skiclubs aus dem Landkreis Erding mussten in dieser Saison auf ihre Kurse verzichten.
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Fröhliche Kinder, gut gelaunte Skilehrer: Solche Bilder gibt’s derzeit nur aus dem Archiv. Die Skiclubs aus dem Landkreis Erding mussten in dieser Saison auf ihre Kurse verzichten.

Skisport

Erdinger Skiclubs: Keine Kurse, weniger Mitglieder

Die Skiclubs im Landkreis Erding spüren die Pandemie besonders hart, finanziell kommen sie aber über die Runden. Wir haben drei Beispiele herausgesucht.

Landkreis – „50 Jahre Skifahren und dann ein Jahr Totalausfall – das hat es noch nie gegeben.“ Der Dorfener Rudi Braun dürfte vielen aus der Seele sprechen. Der Winter ist offiziell vorbei, die Bilanz der Skiclubs aus dem Landkreis Erding fällt aufgrund der Pandemie erwartungsgemäß nüchtern aus. Finanziell sehen sich die Vereine trotz der ausgefallenen Saison noch gut aufgestellt. Die abgesagten Skikurse, weswegen auch keine neuen Mitglieder eingetreten sind, machen sich dennoch bemerkbar.

Eine bittere Nicht-Saison

Dass der deutsche Skisport im Winter 2020/2021 komplett verboten war, hat Jakob Hübl „ganz furchtbar gewurmt, und da war ich auch nicht allein“. Der Vorsitzende vom Skiclub Auerbach verweist auf Proteste der Verbände BSV und BLSV, die letztlich aber nichts genutzt hätten. „Der Skisport an sich trägt nicht zur Verbreitung des Virus bei“, sagt Hübl. Die ausgefallene Saison werde sich bei alpinen Rennmannschaften sicherlich bemerkbar machen. „Andere Länder konnten trotzdem etwas trainieren, um die Sportler auf einem gewissen Level zu halten.“

Auch Rudi Braun bezeichnet den vergangenen Winter als „bittere Nicht-Saison, die sehr prägend und schmerzhaft in Erinnerung bleiben“ werde. Der Skiclub Dorfen hatte den letzten Funken Hoffnung, doch noch in die Berge fahren zu dürfen. „Leider war dann doch totaler Stillstand. Und Stillstand ist ja bekanntlich Rückschritt“, so der Dorfener Vorsitzende.

Ähnlich ist es beim Skiclub Buch, der sich ebenso intensiv auf die Saison vorbereitet hatte, wie Schriftführer Timm Schröder schildert. Für die Skikurse wurden vorab ausführliche Konzepte erstellt. „Aber dazu ist es ja leider nie gekommen“, bedauert Schröder.

Von 1600 auf 1400 Mitglieder geschrumpft

Auch Hübl spricht von einer perfekten Vorbereitung in Auerbach. Sein Verein bringt im Winter normalerweise über 100 Personen das Skifahren bei. Bei den Kollegen aus Dorfen und Buch bestehen die Kurse aus etwa 230 beziehungsweise 50 Teilnehmern. Aus Versicherungsgründen werden die Ski- und Snowboard-Anwärter immer bei den Vereinen Mitglied. Diese Jahresbeiträge fehlen den Skiclubs neben den Kurseinnahmen heuer komplett.

Stattdessen haben sie Mitglieder verloren. In Auerbach hat sich die Anzahl um 40 Personen auf 760 reduziert. Von 1600 auf 1400 gesunken ist die Mitgliederzahl in Dorfen. Braun und Hübl haben aber Verständnis, wenn vor allem Familien in der Pandemie sparen müssen. In Buch waren es laut Schröder bislang eher wenig Austritte. Fast 500 Mitglieder hat der Verein aktuell.

Verdoppelung der Vereinspauschale hilft

Trotz der entfallenen Einnahmen ziehen die drei Vereine aus finanzieller Sicht ein noch eher positives Fazit. „Heuer ist es relativ kostendeckend, weil wir auch keine Ausgaben für das Rennteam hatten oder keine Ausbildungen gemacht haben“, sagt Braun. Auerbach hätte mit den Einnahmen gerne Fortbildungen der Skilehrer und deren neue Kleidung finanziert. Hübl begrüßt daher die von der Staatsregierung angekündigte Verdoppelung der Vereinspauschale.

Viele Winterfreunde orientierten sich dieses Jahr um und unternahmen alternativ Skitouren. Die drei Skiclubs haben dennoch auf offizielle Vereinstouren verzichtet. „Es war die meiste Zeit nicht ganz klar, was man offiziell tun darf“, begründet Schröder die Entscheidung. Manche Bucher Mitglieder seien allerdings privat in die Berge gefahren. Dorfen und Auerbach haben von Vereinstouren abgesehen, da „schöne Gebiete schnell überlaufen waren“, erklärt etwa Hübl.

Es ist komisch, wenn man als aktiver Skifahrer nicht in die Berge darf. Das Freiheitsgefühl fehlt.

Rudi Braun, Skiclub Dorfen

Nicht einmal das Langlaufen im Landkreis war den Skiclubs in der vorigen Saison vergönnt. In Auerbach gab es nur einmal kurz eine Skating-Spur. Auch Dorfen war in den Startlöchern, aber hatte letztlich zu wenig Schnee. In Buch wurde sogar einmal mehrere Tage lang gespurt. Kurz vor der offiziellen Veröffentlichung des Tour-Angebots kam der Regen. Zuvor konnten aber immerhin einige Rennteam-Mitglieder erstmals das Langlaufen testen, berichtet Schröder.

Die Hoffnung aller Erdinger Skiclubs auf die neue Wintersaison ist groß. „Es ist komisch, wenn man als aktiver Skifahrer nicht in die Berge darf. Das Freiheitsgefühl fehlt“, schildert Braun seine Sehnsucht und zugleich die Vorfreude auf 2021/2022.

VON MARKUS OSTERMAIER

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