Auf der Jagd nach dem Läuferhoch: Marina Rappold im Ziel.
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Auf der Jagd nach dem Läuferhoch: Marina Rappold im Ziel.

Diesmal geht es um das Gefühl beim so genannten „Runner’s High“

Marina Rappold gibt Tipps: Laufen wie auf Wolke 7

High werden, dafür braucht man nicht unbedingt Drogen, Laufen tut‘s auch. Marina Rappold erklärt, wie sich das Runner‘s High anfühlt und wie man es provozieren kann.

Unterschwillach – Vielleicht hat der ein oder andere die Bezeichnung „Runner’s High“ schon einmal gehört oder gelesen. Vielleicht haben es einige sogar schon erlebt, diesen bestimmten „Flow“ oder dieses „Laufen auf Wolke 7“, wie ich es gerne beschreibe.

Für alle anderen, die noch keine weiteren Erlebnisse mit Wolken sammeln konnten, außer vielleicht einem unerwarteten Platzregen, während man friedvoll und nichts ahnend seine Samstagmorgen-Laufrunde entlang trabt, habe ich hier einmal kurz die Wikipedia-Definition parat: „Ein Runner’s High, im Deutschen auch Läuferhoch genannt, bezeichnet ein beim Langstreckenlauf (...) sowie anderen aeroben Betätigungen auftretendes Hochgefühl.“

Ein Hochgefühl, und das auch noch beim Laufen? Bevor mich jetzt zahlreiche Nachrichten erreichen, dass sich eure Gefühle während des Laufes – um weiter in meteorologischen Metaphern zu sprechen – eher einem drastischen Tiefdruckgebiet nähern und sich ein entsprechendes Hochgefühl erst nach dem Lauf sukzessive in der Dusche wieder einstellt – gebt mir noch die Chance eines letzten Artikels über das Runner’s High.

Wenn man Läufer nach ihren Empfindungen während eines Runner’s High fragt, berichten viele von „euphorischen Empfindungen“ oder zumindest „Gefühlen des Wohlbefindens“. Meistens tritt dieses Gefühl erst bei Läufen von über einer Stunde auf, aber aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es auch bei kurzen, intensiven Läufen zu solchen Rauschempfindungen kommen kann.

Wie genau ein Runner’s High entsteht, ist noch nicht endgültig geklärt, allerdings weiß man, dass es neben Endorphinen auch zur Ausschüttung von Enkephalinen und Dynorphinen kommt, welche alle – chemisch gesehen – dem Opium sehr ähnlich sind. Dies führt zu einer positiven Veränderung der eigenen Wahrnehmung, denn der Körper berauscht sich an eigens produzierten Drogen. Verrückt oder?

Dies soll natürlich keine Hommage an den Gebrauch von Opium, sondern an das Laufen sein. Weitere Wissenschaftler haben auch den Anstieg bestimmter Endocannabinoide erforscht, die nicht nur für ein Rauschgefühl sorgen, sondern auch Schmerzen betäuben. Bei nicht wenigen Halbmarathons habe ich dies selbst erlebt: Blasen und Blessuren begannen erst nach der Zielankunft zu schmerzen, und gerade so schleppte ich mich die restlichen Meter zum Auto. Jedes Mal mit der festen Überzeugung: „Ich hätte keinen einzigen Meter mehr laufen können.“ Komischerweise – im Wettkampf von den Strapazen keine Spur.

Und zuletzt: Auch die meditative Komponente könnte bei der Entstehung eines Runner’s High eine Rolle spielen. Der gleichmäßige Schrittrhythmus und das aerobe Gleichgewicht können den Läufer in eine Art Tiefschlaf – ääh, ich meine Trance – verfallen lassen. Bewiesen ist dies allerdings alles bisher nur bei unseren vierbeinigen Freunden, den Mäusen.

Und warum erleben nicht alle ein Runner’s High? Erst einmal sei festgehalten, dass die Ausschüttung von stimulierenden Hormonen von Mensch zu Mensch natürlich stark variieren kann.

Allerdings habe ich für Euch schon ein paar „Tricks“ in petto, wie man einen solchen „Flow“ etwas provozieren kann:
– In den Flow finden: Erst nach 15 Minuten lockerer Einlaufphase ist die Muskulatur gut aufgewärmt. In dieser Viertelstunde einfach nur langsam traben, um kein Sauerstoffdefizit in den Beinen zu generieren. Also: Lieber ganz langsam loslaufen und dann in den Flow finden.
– Geduld haben: Bei nicht wenigen Läufen war ich tatsächlich froh, sie nicht doch nach 25 Minuten beendet zu haben, denn nach 40 Minuten lief es auf einmal richtig gut. Meine Beine waren auf einmal super leicht, und ich hatte das unbeschreibliche Gefühl, ewig weiterlaufen zu können, ohne mich groß anstrengen zu müssen.
– Die passende Laufstrecke: Ein Runner’s High kann prinzipiell natürlich überall erlebt werden, allerdings ist die Chance, ein eben solches in der Natur zu erleben, meiner Erfahrung nach etwas höher. Langes Warten auf eine grüne Ampel bringt einen schnell aus der Trance oder nimmt die Möglichkeit, diesen Trance-Zustand überhaupt zu erreichen. Zudem stimmt einen das Laufen in der Natur meiner Erfahrung nach deutlich entspannter, auch wenn ich einem Lauf kreuz und quer durch die Stadt nicht seinen Reiz absprechen möchte.

Ich wünsche euch viel Spaß beim „In den Flow kommen“ – und natürlich keine Regenwolke an den Himmel.

MARINA RAPPOLD

Tipps von der Expertin

Marina Rappold ist Deutsche U23-Vizemeisterin über 10 000 Meter, holte Teamgold im Halb-marathon und gewann mehrfach den Erdinger Stadtlauf. Heuer will die 23-jährige Unterschwillache-rin ihren ersten Marathon bestrei-ten. Den Lesern der Heimatzei-tung gibt die angehende Grund-schullehrerin Tipps und Ratschlä-ge rund ums Laufen.

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