Das Duell um Silber gegen Italien gewann das deutsche Quartett. Die Schwaigerin Marie-Sophie Zeidler (l.) und ihr Team hatten eine tolle Aufholjagd gestartet. Das Boot der Schweizerinnen war aber nicht mehr einzuholen.
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Das Duell um Silber gegen Italien gewann das deutsche Quartett. Die Schwaigerin Marie-Sophie Zeidler (l.) und ihr Team hatten eine tolle Aufholjagd gestartet. Das Boot der Schweizerinnen war aber nicht mehr einzuholen.

RUDERN - Aufholjagd beschert der Schwaigerin Platz zwei in ihrem letzten U 23-Rennen

Die Vizeweltmeisterin aus Schwaig

  • Dieter Priglmeir
    VonDieter Priglmeir
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Marie-Sophie Zeidler bläst mit dem Doppelvierer zur Aufholjagd und holt Silber in ihrem letzten U 23-Rennen

Schwaig/Racice – Bei der Siegerehrung war der Doppelvierer plötzlich nur noch zu dritt. Luise Bachmann war noch nicht auf den Beinen. Sie hatte sich auf den letzten Metern im Finale restlos verausgabt. Dieser Schlussspurt brachte aber Deutschland Silber ein bei der U 23-Weltmeisterschaft im tschechischen Racice. Mit im Boot: Marie-Sophie Zeidler, die 22-jährige Schwaigerin.

Vizeweltmeisterin, großartige Sache, oder? „Ich will ganz ehrlich sein“, erwidert sie. „Gold war schon das Ziel.“ Und dann fügt sie noch an: „Als Sportlerin solltest du doch immer nach dem Optimum streben.“ Aber ja, doch, WM-Silber sei schon auch super. „Wir sind ja schließlich nicht als die Top-Favoriten ins Rennen gegangen.“

Wie auch? Aufgrund der coronabedingten Wettkampfpause sei die Konkurrenz mangels Vergleichen schlichtweg nicht einzuschätzen gewesen. Im Laufe der Woche habe sich dann aber schon schnell herauskristallisiert: Die Schweizerinnen sind sehr stark.

Zum direkten Duell sollte es allerdings vorerst nicht kommen. Ihren Vorlauf dominierten Marie-Sophie Zeidler, die für den Donau-Ruder-Club Ingolstadt startet, Luise Bachmann (Ruderverein Ingelheim), Tabea Kuhnert (SC Magdeburg) und Schlagfrau Sarah Wibberenz (Ruder-Club Havel Brandenburg) nach Belieben. Schon nach 1000 Metern war der Vorsprung so groß, dass sich der deutsche Doppelvierer schonen konnte. „Das Halbfinale war dann zwar nicht ganz so leicht, aber wir haben wieder sicher gewonnen“, erzählt Zeidler.

Die Konkurrenz aus der Schweiz hatte weitaus knappere Rennen. „Von den Fahrtzeiten haben wir aber schon gesehen: Schweiz ist fast zeitgleich“, erzählt Zeidler.

Der Finaltag: Die Ruderin aus Schwaig saß vom Einer bis Achter schon in jedem Boot. Sie machte auch keinen Hehl daraus, wenn – wie vor zwei Jahren im Achter – die Chemie unter den Athletinnen nicht stimmt. „Aber hier im Doppelvierer hat es wirklich gepasst. Wir hatten im Trainingslager viel Spaß zusammen. Das hat gut funktioniert.“ So eine Regattawoche hingegen sei aber immer kritisch. „Die Anspannung ist da. Man trainiert nicht mehr viel, hat wenig zu tun. Da kannst du schon einen Lagerkoller kriegen.“

Nach der kleinen Enttäuschung über das verpasste Gold war der deutsche Doppelvierer dann doch stolz auf die Silbermedaille. Das Team (l. Bild, v. l.): Marie-Sophie Zeidler, Luise Bachmann, Tabea Kuhnert und Sarah Wibberenz.   

Und wie kommt man mit einer Marie-Sophie Zeidler in diesen Tagen aus? Überraschende Antwort: „Das kommt auf die Bootsklasse an. Wenn ich im Einer starte, bin ich immer wahnsinnig aufgeregt. Aber je mehr im Boot sitzen, desto entspannter bin ich“, erklärt die angehende Polizistin. Am Finaltag der U 23-WM war das dann wohl ganz gut, denn: „Die drei anderen sind vor lauter Aufregung beinahe durchgedreht“, erzählt die 22-Jährige.

Beim Start war dann aber alles prima. „Wir sind sehr gut weggekommen“, erzählt Zeidler. „Auf den ersten 1000 Metern war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Einmal waren wir vorn, dann wieder die Schweizerinnen.“ Nach der Hälfte des Rennens wollte das deutsche Quartett den Turbo zünden. „Mit einem Sprint wollten wir der Konkurrenz wegfahren.“ Dummerweise hatten offenbar die Schweizerinnen dieselbe Idee. Und noch dümmererweise funktionierte das auch.

Das Boot der Eidgenossinnen war weg. Und plötzlich lag das italienische Quartett auf Rang zwei. Gold definitiv weg, und die Arme brannten schon. „Eine Medaille hatten wir ja schon so gut wie sicher“, sagt Zeidler, „aber die richtige Farbe ist schon auch wichtig“. Also starteten Zeidler und Co. auf den letzten 500 Metern die Aufholjagd und schoben sich doch noch auf Platz zwei.

„Völlig erschöpft“ sei sie im Ziel gewesen. „Im ersten Moment war ich schon ein wenig enttäuscht über verpasstes Gold.“ Inzwischen überwiege aber die Freude über die Silbermedaille bei ihrem letzten U 23-Wettkampf, der auch der letzte Saisonhöhepunkt für sie war. Bei Olympia drückt sie ihrem Bruder Oliver die Daumen. Die WM in Shanghai, für die sie durchaus in Frage gekommen wäre, wurde wegen Corona abgesagt.

Das findet Marie-Sophie Zeidler aber gar nicht so tragisch, denn ab September beginnt noch ein weiteres Projekt: das letzte Ausbildungsjahr bei der Landespolizei. Gerudert wird aber weiter. „Ich nehme mir ein paar Tage frei, aber dann setzte ich mich wieder in den Einer.“ Training, um beim nächsten Mal ganz oben zu landen.

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