Martin Brandlhuber ist der beste Skifahrer, den der Landkreis je hervorgebracht hat. Für Deutschland nahm er in den 90ern in vier Weltmeisterschaften teil.
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Knallenge Schuhe, messerscharfe Skikanten – Martin Brandlhuber bei seinem Tanz durch die Slalomtore.

Elf Jahre im Ski-Nationalkader

Martin Brandlhuber: Der Marc Girardelli von St. Wolfgang

  • Dieter Priglmeir
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Martin Brandlhuber ist der beste Skifahrer, den der Landkreis je hervorgebracht hat. Für Deutschland nahm er in den 90ern in vier Weltmeisterschaften teil.

Beruflich hat Martin Brandlhuber seine Heimat beim Zoll am Münchner Flughafen gefunden.

St. Wolfgang– Seine Arbeit beim Zoll am Münchner Flughafen vergleicht Martin Brandlhuber mit einem Schweizer Taschenmesser: „Ich klappe das aus, was gerade benötigt wird.“ Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Personal und Organisation – sein Aufgabengebiet ist breit gefächert. Der 42-jährige St. Wolfganger ist ein Allrounder. Und das war er damals auch auf den Brettern. Deswegen hat ihn auch Deutschland in den 1990ern viermal zu Weltmeisterschaften geschickt. Martin Brandlhuber ist der beste Skifahrer, den der Landkreis je hervorgebracht hat. 

Von Slalom bis Abfahrt – er fuhr der Konkurrenz davon. „Ich wollte sein wie Marc Girardelli. Er war damals der Einzige, der wirklich in allen Disziplinen Weltklasse war“, sagt Brandlhuber. Letztlich spezialisierte sich der Wolfganger doch auf den Slalom. Die ganz große Weltcup-Karriere blieb ihm zwar verwehrt. Die elf Jahre im Hochleistungssport bezeichnet der Wolfganger dennoch als ein großes Geschenk: „Es war eine tolle Zeit, von der ich bis heute profitiere.“

„Skisport ist Motorsport“

Alles nahm seinen Anfang mit den sportbegeisterten Eltern. Die fünfköpfige Familien war jedes Wochenende in den Bergen. Sein Vater bemerkte schnell: Die Kinder fahren eine gute Klinge. Mit sechs Jahren ging es zu den ersten Zwergerlrennen. Martin Brandlhuber war immer auf dem Podest – bei den Vereinsrennen, dann auf Gau- und Landesebene. Dreimal wurde er Deutscher Jugendmeister.

Wer waren seine Förderer? „Bis zehn sind die Eltern dafür verantwortlich, was du für eine Technik hast“, sagt Brandlhuber. „Außerdem gilt: Skisport ist Motorsport.“ Damit meint er die eineinhalb Stunden Autofahrt von St. Wolfgang in die Berge.

Mit 15 im Nationalkader: „Da erfüllen sich alle Jugendträume“

Dann kam der Einfluss der Vereinstrainer. Das Talent wechselte zum WSV Oberaudorf, wo Fredl Schweinsteiger – Vater des Fußballweltmeisters – die Talente förderte und mit Skimaterial versorgte. Mit 15 bekam Brandlhuber schließlich Post vom Deutschen Skiverband. Er war im Nationalkader.

„Da erfüllen sich alle Jugendträume“, sagt er heute. „Du darfst dort fahren, wo auch die ganz Großen unterwegs sind.“ Kitzbühel, Cortina, Val d’Isere – gibt’s eine Lieblingsstrecke? „Spontan fällt mir da Wengen ein – wegen der großartigen Umgebung“, meint Brandlhuber.

WM-Siebter im Slalom

Als Sportler sehe man aber vor allem die Verhältnisse: „Da steht du plötzlich vor einer vereisten Piste, die fast unfahrbar ist. Und dann gibt’s wieder steilste Hänge, die dank der guten Bedingungen überhaupt kein Problem sind.“ Das Schicksal von Leistungssportlern, die auf der ganzen Welt unterwegs sind und doch nur Unterkunft und Sportstätte sehen? „So ist es. Du bist im Skigebiet und trainierst. Für Kultur bleibt da keine Zeit.“

Wer liest schon den Baedecker-Reiseführer, wenn er gerade den bei Junioren-Weltmeisterschaften fahren darf? Brandlhuber startete bei der WM in Norwegen, dann in der Schweiz, in Österreich und Frankreich. Er, der Allrounder, war der perfekte Mann für die Kombination, die im Juniorenbereich Slalom, Riesenslalom und Abfahrt beinhaltete. WM-Siebter im Slalom – sein bestes internationales Ergebnis. Sein bestes nationales: Platz drei bei den Deutschen Slalom-Meisterschaften der Herren.

Platz 80 in der Weltrangliste

Ja, erzählt Brandlhuber, irgendwann habe er sich doch auf eine Disziplin spezialisiert. Dabei war er als Jugendlicher eher auf Speed programmiert. „Ich hatte eben den Schneid und ließ die Ski laufen.“ Manchmal hätte er aber vielleicht seinen jugendlichen Elan etwas einbremsen und taktischer fahren sollen, räumt er ein. Letztlich rieten ihm die Trainer dazu, sich auf Slalom und Riesenslalom zu konzentrieren. Der Erfolg blieb nicht lange aus: Bronze bei der DM, diverse FIS-Siege und Platz 80 in der Weltrangliste.

Mit Zahlen und Ergebnissen ist Brandlhubers Ski-Karriere aber nicht erzählt. Auch nicht mit Verletzungen, denn Syndesmosebandriss, gebrochenes Handgelenk und angeknackste Wirbel hält er für „nicht so gravierend für Skisport-Verhältnisse“.

Brandlhuber ist heute noch als Testfahrer aktiv

Weitaus erwähnenswerter sei da schon eher, „dass ich in einer Zeit gefahren bin, als auf Carving umgestellt wurde. Innerhalb von zwei Monaten sind unsere Skier um 30 Zentimeter reduziert geworden“, erzählt er. Er lamentiert nicht. Ihm habe das Spaß bereitet, den Entwicklungsprozess mitzumachen. Noch heute ist Brandlhuber für die Firma Völkl als Testfahrer aktiv.

Im Jahr brachte es Brandlhuber auf 200 Ski-Tage. Sie begannen mit dem August-Trainingslager auf dem Altschnee von Zermatt. Intensive Zeiten zusammen mit den besten Skisportlern der ganzen Welt.

Zeit – der härteste Konkurrent

Der härteste Konkurrent? „Das war für mich immer die Zeit“, sagt der Wolfganger. „Wenn der Startrichter zumacht, dann hilft dir keiner mehr, dann bist du auf der Strecke ganz auf dich allein gestellt. Das ist das, was mich immer gereizt hat.“

Stürze, Rückschläge? „Erlebt jeder“, sagt Brandlhuber. Es ist der Grundsatz eines Leistungssportlers, dass er immer ans Limit geht. Er vergleicht das mit der Sendersuche am Radio: „Du drehst so lange am Regler, bis die Musik klar wird. Aber dann drehst du noch weiter, um zu hören, ob’s nicht noch besser geht. Aber dann rauscht’s wieder, und du drehst wieder zurück.“

„Es ist schöner, wenn man seine Karriere selbst beendet“

Dann rückt er aber doch mit zwei Geschichten heraus: „Zwei Wochen vor unserem Trainingslager in den USA habe ich mir in Saas-Fee eine Hüftprellung zugezogen.“ Übersee war damit für ihn gestrichen. Und dann war da noch das Gespräch mit seinen Trainern, als sie ihm mitteilten, dass er aus der Förderung des DSV falle. Brandlhuber war damals 26 und beendete daraufhin seine Laufbahn. Wie man sich danach fühlt? „Eine Woche nach Karriereende hätte man mich das nicht fragen sollen.“

16 Jahre später sagt er. „Es ist schöner, wenn man seine Karriere selbst beendet.“ Und umsonst sei das das Ganze ohnehin nicht gewesen. „Der Leistungssport prägt dich. Du lernst, mit Niederlage umzugehen und dass man Ziele nicht immer auf dem direkten Weg erreicht.“ Und noch etwas habe er gelernt: „Gut vorbereitet ist halb durchgeführt.“ Dinge, wovon er jetzt in seinem Beruf profitiere.

Ausbilder im Deutschen Skilehrerverband

Brandlhuber ist dem Zoll treu geblieben. Dort war er schon angestellt, als er ausschließlich trainierte. „Im Zoll-Skiteam zu sein, bedeutete maximale Förderung“, erklärt er. Nach dem Ende im Leistungssport habe er dann seine Ausbildung absolviert und sich so seine berufliche Existenz aufgebaut.

Elf Jahre war der St. Wolfganger im Nationalkader des Deutschen Skiverbands. Heute genießt er die Wintersporttage mit seiner Frau und seinem Sohn.

Dem Skisport blieb Brandlhuber ebenfalls verbunden. Einerseits als Ausbilder im Deutschen Skilehrerverband, andererseits als Hobbyfahrer mit seiner Familie. Sein Sohn (10) sei ein „absolut begeisterter Wintersportler“, neben alpin habe er auch viel Spaß am Rodeln und Langlaufen. 

Seiner Frau habe er erst das Ski-Fahren beibringen müssen. „Mein härtester Fall“, sagt er lachend und fügt hinzu. „Es ist wunderschön mit den beiden zum Wilden Kaiser zu fahren und bei Ellmau in den Lift zu steigen. Familienzeit ist Quality-Time.“

Dieter Priglmeir

Weitere Porträts aus unserer Serie Erdings Top 100 finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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