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Die Oberdorfenerin Maura Schneider ist gerade mal 18 Jahre alt und darf nun schon mit Ultraleicht-Flugzeugen abheben. Das Fliegen beigebracht hat ihr Fluglehrer Sigi Jäger. Er steht hier vor einem der Ultraleicht-Flugzeuge des Fliegerclubs Wasentegernbach.

Unterwegs in der Ultraleichtmaschine

Maura und die Magie des Fliegens

Die 18-jährige Maura Schneider aus Oberdorfen hat ein nicht alltägliches Hobby: Die Magie des Fliegens hat die Abiturientin in ihren Bann gezogen.

Oberdorfen Nach zahlreichen Flugstunden darf sie jetzt alleine mit einem Ultraleicht (UL)-Flugzeug abheben.

Normalerweise macht man in diesem Alter die ersten Alleinfahrten mit dem Auto. So war es auch bei Maura Schneider, die erst vor einigen Monaten ihren 18. Geburtstag gefeiert hat. Doch schon mit 16 Jahren war für sie klar, dass sie den Flugschein machen möchte, was ab diesem Alter auch möglich ist. „Ich war immer schon ein großer Technikfan, war fasziniert von Physik und wollte immer verstehen, wie etwas funktioniert“, sagt sie.

Am Gymnasium Dorfen waren es die naturwissenschaftlichen Fächer, die es ihr angetan hatten. „Der Fliegerclub Wasentegernbach war für mich die erste Anlaufstelle, um mich zu informieren“, so Schneider. Bald darauf meldete sie sich zum Theoriekurs an, der über mehrere Wochenenden hinweg in Dorfen stattfand. In dieser Zeit ist sie auch das erste Mal mit einem UL-Flugzeug mitgeflogen. „Ich habe dem Piloten schon damals ganz interessiert auf die Finger geschaut, wie er den Flieger steuert und wie Starten und Landen funktioniert.“

Den Theorieschein hat die Abiturientin längst in der Tasche. Gelehrt wurden dabei unter anderem Flugrecht, Navigation, Wetterkunde, Funk und das Verhalten in besonderen Situationen. „Wichtig ist, dass man immer einen Plan B hat, wenn etwas Unvorhersehbares geschieht. Das hat unser Fluglehrer Sigi Jäger immer betont.“ Auch eine pyrotechnische Prüfung musste sie ablegen, da es im Flugzeug eine kleine Sprengkapsel für den Notfallschirm gibt. Rund 40 Flugstunden hat sie bereits von Ampfing aus absolviert, die letzten davon waren Alleinflüge. „Mit dem Fluglehrer ist man dann nur noch über Funk verbunden. Ich befolge entweder die Anweisungen oder kann Fragen stellen.“

Und wie ist es, wenn man das allererste Mal ganz alleine im Flieger sitzt? „Bei meinem ersten Soloflug war es ein unbeschreibliches Gefühl. Natürlich war auch etwas Unsicherheit und Panik dabei, aber das legte sich schnell“, erinnert sich Schneider an diesen Moment.

Auch mit Navigation muss sich Maura Schneider auskennen.

Noch zwei oder drei Flugstunden, dann macht sie die Piloten-Prüfung. „Mit einem Prüfer vom Luftamt Südbayern werde ich dabei von Mühldorf aus etwa eine Stunde unterwegs sein“, sagt Schneider. Sie freut sich schon sehr darauf, noch in diesem Sommer vom Flugplatz in Wasentegernbach aus zu starten.

Fliegen wird sie künftig mit einem vereinseigenen UL-Flugzeug, insgesamt hat der Verein drei davon. Die Zeiten werden unter den Piloten abgesprochen, sodass jeder zufrieden gen Himmel entschwinden kann.

Ein Flugzeug wurde erst kürzlich angeschafft und verfügt, gegenüber den beiden anderen Maschinen, über mehr technischen Schnick- schnack. „Bei meiner Ausbildung musste ich alles so lernen, dass ich ganz ohne Technik auskommen kann. Das ist auch gut so“, meint die 18-Jährige. Auch wenn sie der Generation Smartphone angehört, weiß sie genau, dass man sich nicht unbedingt auf die Technik verlassen sollte. „Ich habe beispielsweise auch öfter geübt, wie es wäre, bei einem Motorausfall zu landen. Und für die Orientierung war von Anfang an Kartenlesen angesagt, da auch ein Navigationsgerät ausfallen kann. Dort oben kann man nicht einfach kurz anhalten und nach dem Weg fragen“, sagt Maura lachend.

Für die ganze Mühe wird sie jedes Mal wieder entschädigt, wenn sie nach dem Starten zum Horizont blickt, Richtung Süden bald die Alpen vor ihr erscheinen und sich über den Wolken ein Gefühl von Freiheit einstellt.

Natürlich liegt es nahe, dass die Flugbegeisterte ihr Hobby auch zum Beruf machen könnte und eine Piloten-Karriere anstrebt. Aber für Maura ist ganz klar: Das will sie nicht. „Ich mag zwar gerne ein aufregendes Hobby haben, aber beruflich möchte ich doch lieber etwas Klares, Strukturiertes und Gesichertes.“

Die taffe Abiturientin weiß genau, wie es nach dem Abitur für sie weitergeht. „Erst einmal ist Urlaub mit Freundinnen angesagt – Lissabon, Gardasee und Israel sind dabei im Gespräch.“ Im Oktober beginnt sie dann mit einem dualen Studium zur Finanzwirtin im Erdinger Finanzamt.

Und wie finden die Eltern ihren Lebensentwurf? Ihr Vater, der als Ingenieur im technischen Bereich arbeitet, unterstützt Maura. Zum Flugschein sagt er: „Super! Wenn ich so jung wäre, würde ich das auch machen.“ Auch die nicht so flugbegeisterte Mama, eine Lehrerin, freut sich für ihre mutige Tochter.

Maura Schneider will zusammen mit einigen anderen jungen Flugbegeisterten, die auch gerade dabei sind, den UL-Schein zu machen, eine vereinseigene Jugendgruppe gründen. Der Vorstand des Wasentegernbacher Fliegerclubs freut sich über dieses Vorhaben. „Es ist eine Bereicherung für uns, dass junge Leute das Vereinsleben mitgestalten und neue Ideen einbringen“, so der Vorstandsvorsitzende Peter Mayer. „Das Fliegen im Isental hat bereits eine lange Tradition. Schön, wenn das auch so weitergeführt wird.“

Angela Renner

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