Melanie Behringer beim Bezirksfinale des Merkur CUP‘s 2018. Foto: JRO
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Melanie Behringer beim Bezirksfinale des Merkur CUP‘s 2018. Foto: JRO

MERKUR CUP – AUS DEM BUCH DER WERTE

Behringer: „Fairplay ist das oberste Ziel und gilt gleichermaßen für Spieler und Zuschauer“

  • vonReinhard Hübner
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Der Merkur CUP 2020 liegt auf Eis. Trotzdem soll das Buch der Werte soll mit Geschichten aus dem Jugendfußball die wesentlichen Dinge des Sports beleuchten.

Mit 13 Jahren schon bereit für den Profisport?

Pssst, nicht weitersagen. Sonst stehen sie morgen vor der Tür, die Hyänen, die sich als Berater und Manager ausgeben. Wir haben ein riesiges Talent entdeckt. Einen Buben, der alles hat, was man braucht, um im Spitzensport erfolgreich zu sein. Kaltschnäuzigkeit, Durchsetzungsvermögen, einer, der wirklich jede Chance nutzt. 

Mit 13 Jahren fast schon reif fürs Profigeschäft. Glauben Sie nicht? Gut, dann erzählen wir diese Geschichte: Das Match stand auf des Messers Schneide. Bei einem Zweikampf verletzte sich ein Abwehrspieler, blieb liegen, das Spiel lief weiter, immer weiter, bis sich einer dazu entschloss, den Ball Richtung Auslinie zu kicken, um eine Behandlung zu ermöglichen.

„Irgendwie clever, der Junge“

Alle drehten ab, schauten nach dem Verletzten. Nur einer nicht. Der sprintete plötzlich los, schnappte sich das Leder knapp vor der Linie, zog nach innen und schob den Ball am überraschten gegnerischen Torhüter vorbei ins Netz. Der Schiedsrichter entschied notgedrungen auf Tor, der Ball hatte ja das Spielfeld noch nicht verlassen. 

Der Bub grinste breit und ließ sich feiern von seinen Mitspielern, seinem Trainer und von den Eltern an der Seitenlinie, die sich begeistert auf die Schenkel klopften. „Irgendwie clever, der Junge“, riefen sie und machten sich lustig über verdutzte Gesichter der Gegner.

Wenn der Maserati mal in der Werkstatt ist...

Der Bub wird seinen Weg machen, ganz bestimmt. Er hat mit 13 schon erkannt, worauf es ankommt im Sport wie im Leben. 

Überall wird er die Nase vorne haben, nie wird er später einmal auf der Autobahn im Stau ganz hinten stehen, weil er – clever wie er ist – breit grinsend auf der Standspur an allen vorbeifahren wird. 

Er wird, wenn der Maserati mal in der Werkstatt oder der Führerschein gerade weg ist, auch in der U-Bahn immer einen Sitzplatz ergattern, weil er ganz clever die Behäbigkeit älterer Menschen beim Einsteigen ausnutzt. 

Sport als Spiegelbild de Gesellschaft

Er wird, ganz clever, alle gerade noch legalen Möglichkeiten der Steuerersparnis anwenden und beim Einkaufen bestimmt nie anstehen müssen. 

Er wird sich, der Sport gilt schließlich als Spiegelbild der Gesellschaft, überall durchsetzen. Zugegeben, schon ein bisschen auf Kosten derjeniger, die nicht so clever sind, denen aber wird er breit grinsend sagen: „Pech gehabt.“

„Coole Typen“ wie Radrennfahrer Lance Armstrong braucht der Spitzensport

Das hat er auch seinen Gegenspielern gesagt, als sie ihn gefragt haben, ob er denn nicht ein bisschen unsportlich gehandelt habe. 

Der Spitzensport braucht so clevere Jungs, die wie die Schwalben durch den Strafraum segeln und ein absichtliches Handspiel auf der Linie nie und nimmer zugeben würden, coole Typen wie den Radrennfahrer Lance Armstrong, die genau wissen, dass Erfolg letztlich alle Mittel heiligt. 

Clever muss man sein. Auch um sich nicht erwischen zu lassen, wenn man wieder einmal vollgepumpt bis obenhin in eine Dopingkontrolle gerät. Dafür gibt es schließlich diese maskierenden Mittel, die man beim Teamarzt bestimmt bekommen kann.

Cleverness vs. Fairness

Frechheit siegt, pardon, Cleverness heißt das in Neudeutsch. „Clever“ ist ein Modewort im Sport. Laut Fremdwörterlexikon bedeutet es „klug, gescheit“. Hat zwar noch eine andere Bedeutung, nämlich „gerissen, listig“, aber man soll doch alles ein bisschen positiv sehen. 

Also freuen wir uns mit den Eltern über diesen „klugen, gescheiten“ Jungen, der sich so köstlich amüsieren kann über die Naivität seiner Gegenspieler, die noch immer von so komischen sportlichen Werten faseln wie Fairness, aber Cleverness nicht kennen. 

Bestimmt werden die es nie so weit bringen wie er. Eigentlich müssten ihm längst Anfragen von Vereinen aus der Bundesliga vorliegen und die Manager müssten sich reißen um dieses Talent.

Denn von dieser cleveren Sorte gibt es so viele nicht. Irgendwie beruhigend.

Text: REINHARD HÜBNER

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