Spaß am Training vermittelt Michael Schöttner – sofern es die Corona-Siutation zulässt. Foto: privat

Sempt-Akademie sucht neue Wege 

Eine Wochenstunde statt Vollbeschäftigung

  • Dieter Priglmeir
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Am Beispiel Michael Schöttner sieht man wie stark Einzelpersonen und Firmen von der Krise betroffen sind. Trotzdem versucht sein Fußballstützpunkt innovativ zu bleiben. 

Klettham – Michael Schöttner kommt gerade aus dem Kletthamer Mehrzweckraum. Die Grundschule hat den 36-jährigen Trainer für Motorik- und Konzentrationsübungen engagiert. In den vier Wänden darf er mit den Buben und Mädchen an ihren Fertigkeiten arbeiten.

Schöttner: „Habe für viele Corona-Regeln Verständnis“

„Gern würde ich auch mit ihnen rausgehen und Fußball spielen, aber die Plätze sind gesperrt.“ Schöttner hat für viele Regelungen, mit denen die Corona-Pandemie bekämpft wird, Verständnis. Man müsse aber nicht alles verstehen. „Die Volleyballer durften sich zum Beispiel die Bälle übers Netz hauen, und bei den Fußballern waren im Training Einwürfe verboten“, erzählt er.
Er kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, dabei ist seine Situation alles andere als lustig.

Vom Ein-Mann-Betrieb zur Erfolgsgeschichte

Vor zehn Jahren hatte der ehemalige Banker seinen Job an den Nagel gehängt und den Sempt Fußball-Stützpunkt gegründet. „Im Januar wollten wir das Jubiläum feiern“, sagt er. Es wäre eine einzige Erfolgsgeschichte gewesen. Michael Schöttner hatte als Ein-Mann-Betrieb und Fußballschule begonnen, mit der er vor allem Vereine aus der Umgebung unterstützte.

„Schnell kamen auch Anfragen vom Handball, Tennis und Eishockey, aber auch von Kindergärten und Schulen“, erzählt der 36-Jährige. Alle hätten sich für seinen besonderen Ansatz des Mental-, Motorik- und Motivationstrainings interessiert. 

Aus dem Stützpunkt wurde die Sempt-Akademie mit Franchise-Nehmern im Rheinland, München und Niederbayern. Zeitweise waren zwölf Fußball-Trainer und zwei Dual-Studenten im Auftrag der Akademie unterwegs.

Erste Rückschläge durch Corona

Mit Corona änderte sich alles. Ab März waren nur noch Online-Workshops möglich. Die Soforthilfe im März in Höhe von 5000 Euro sei natürlich eine Hilfe gewesen, erzählt Schöttner. Er schrieb ein Buch „Charakter schlägt Talent“ und hoffte auf das Lockdown-Ende. „Die Feriencamps waren dann auch ziemlich voll“, erzählt er. Doch nun der nächste Schlag: „Jetzt ist wieder alles stillgelegt.“ Aus den bisher täglich drei Übungseinheiten in den Schulen und bei den Fußballvereinen – Kooperationspartner sind RW Klettham, JFG Sempt, FC Eitting, FC Schwaig, FC Erding, TSV Wartenberg, TSV Buchbach, SVE Berglern, FC Langengeisling – sei die eingangs erwähnte eine Stunde pro Woche in der Kletthamer Grundschule geworden.

„Jeder weiß, wie wichtig die Bewegung im Freien für das Immunsystem ist.“

Die Aufträge von drei Schulen und zwei Kindergärten seinen ihm weggebrochen. Und Vereinstraining ist bekanntlich gänzlich untersagt, was Schöttner als „schlimm“ bezeichnet. „Jeder weiß, wie wichtig die Bewegung im Freien für das Immunsystem ist. Und die Ansteckungsquoten unter Kinder ist auch extrem niedrig.“

Schöttner bleibt kreativ und sucht Nischen

Der DFB-Lizenztrainer geht davon aus, dass er – wie von der Regierung angekündigt – 75 Prozent des November-Einkommens aus dem Jahr 2019 als staatliche Unterstützung erhält. Und er macht weiter, sucht Nischen. Derzeit bildet er acht Trainer aus ganz Deutschland zu Fußballpädagogen aus. „Da geht’s um Lerninhalte wie Disziplin oder Konzentrationsfähigkeit in Kombination mit Fußballübungen“ erklärt Schöttner, der zudem gerade noch mit der SpVgg Unterhaching in Verhandlung ist. Er hat für die Hachinger U 11- bis U 14-Kicker einen Trainingsplan über eine 36-Tage-Challenge ausgearbeitet. Die Lernkontrolle liefe dann über Online-Konferenzen. „Eine spannende Sache“, schwärmt Schöttner. Ein Auftrag von der SpVgg – und Michael Schöttners Terminkalender wäre wenigstens ein wenig mehr gefüllt. 

DIETER PRIGLMEIR

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