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Er hat den Bogen raus: „Wenn ich in die Kurve gehe, nehme ich den Schwung besser mit.“ Das sei der Unterschied zu den jüngeren Fahrern, erklärt Claus Keke Lechner. Mit seinen beiden BMW-Maschinen vom Typ S 1000 RR startet der 56-Jährige heuer bei der Serie „Champions of Grobnik“.

Motorsport

Mit 280 Sachen auf der Überholspur

  • Dieter Priglmeir
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Der Grünbacher Claus Lechner (56) startet bei den „Champions of Grobnik“

VON DIETER PRIGLMEIR

Rijeka/Grünbach – Nach dem ersten Rennen gleich mal die deutsche Nationalhymne – „na, wenn das kein gelungener Saisonauftakt ist“, sagt Claus „Keke“ Lechner. Der 56-jährige Grünbacher ist mit seinen Motorrädern – zwei BMW-Maschinen vom Typ S 1000 RR – wieder on tour. 280 km/h auf der Geraden – nicht umsonst hatte er mal den Spitznamen „Schnellster Gemeinderat der Welt“.

Auf der Straße wird man ihn auch weiterhin nicht finden. „Das ist mir zu gefährlich“, hat er mal gesagt. Keke gibt’s nur auf der Rennstrecke. Heuer hat er sich für sein bisher vielleicht anspruchsvollstes Projekt angemeldet. Er nimmt an der Rennserie „Champions of Grobnik“, kurz CoG, teil, die in Rijeka ausgetragen wird. Das erste Rennen hat er hinter sich.

„Das Starterfeld ist ziemlich groß“, erzählt Lechner. Seine Konkurrenz setzt sich zusammen aus Hobby- und Lizenzfahrern aus Deutschland, Österreich, Italien, Türkei, Schweiz, Niederlande und Belgien. „Ich bin sehr gespannt, wo ich mich in diesem Pulk einreihe.“ Sein Ziel: ein Platz unter den ersten 15, „denn mein Traum ist die Ü 45-Europameisterschaft im nächsten Jahr“.

Zuerst war aber erst einmal Training in Rijeka angesagt. Lechner machte schon mal Bekanntschaft mit allen Wetterlagen von 20 Grad Sonne bis Regen und Schneefall. Und mit den Hygienevorschriften wegen der Corona-Pandemie: „Es gibt keine Besprechungen, alles läuft online auf. Es herrscht Maskenpflicht, und ich musste mich natürlich mehrmals testen lassen“, berichtet Lechner. Einen positiven Coronafall habe es nicht gegeben.

Zurück zum Sport: Als Generalprobe für den CoG-Auftakt stand nach dem Training ein Abschlussrennen mit 39 Startern aus acht Nationen an. Lechner – nach dem Qualifying auf Rang 17 – erwischte einen guten Start, lag nach der ersten Runde bereits auf Rang sechs. „In Runde zwei habe ich dann nur noch zwei Fahrer vor mir gesehen, mein Ehrgeiz wurde immer größer“, schildert der Grünbacher. „Als ich das Schild „2 Laps“ vor mir sah, war ich schon Führender und dachte mir: ,Bloß keinen Fehler machen, bring das nach Hause!“ Lechner fuhr als Erster über die Ziellinie und genoss bei der Siegerehrung die Klänge der Nationalhymne.

„Das hat mir schon nochmal einen Kick gegeben für die nächsten Aufgaben“, sagt Lechner. Denn tags drauf begann das CoG. Lechner startete in der Gruppe „Oldman“, das sind alle Fahrer über 40.

Sind eigentlich jüngere Fahrer besser? „In der Athletik – und die ist sehr wichtig – haben sie natürlich ihre Vorteile“, meint Lechner. „Ich brauche mehr Zeit, um mich zu regenerieren und muss diszipliniert jeden Tag mein Muskeltraining durchziehen, damit Schulter, Oberschenkel und Füße die Belastung durchhalten.“ Andererseits profitiere er von seiner Erfahrung und seinem Gespür für die Technik, „Wenn ich in die Kurve gehe, nehme ich den Schwung besser mit“, sagt Lechner und fügt grinsend hinzu: „Und außerdem bin ich ein Spätbremser.“

Beim CoG sind sie aber alle Könner. „Hier findest du viele ehemalige Meister aus allen möglichen Ländern – und der Lechner mittendrin“, meint der Grünbacher lachend.

Der erste Erfolg: Im Qualifying sicherte er sich mit Platz elf souverän einen der 39 Startplätze. „Den Start habe ich dann aber total versemmelt“, ärgert sich Lechner. „Die Drehzahl ging nach unten. Ich habe dann richtig angezogen, da ist mir die Maschine zweimal gestiegen.“ Nur als 17. ging er in die erste Kurve. „Da hast du dann gleich gemerkt, dass die alle aus einem anderen Holz geschnitzt sind“, sagt er. „In diesem Feld hast du kaum eine Chance, jemanden auf der Geraden zu überholen.“ Aber der Grünbacher gab nicht auf, kämpfte und bremste sich Runde für Runde an der Konkurrenz vorbei. Der Lohn waren am Ende fünf Punkte für Platz elf. „Damit bin ich mehr als zufrieden in dieser starken Liga.“ Das nächste Rennen findet Anfang Mai statt. Im Juni und Oktober wird er nochmals in Rijeka sein. Und wenn er dann nicht den Start vergeigt, ist vielleicht noch mehr drin.

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