Solche „Rudelbildungen“ soll es in der neuen Spielform nicht mehr geben: Durch die verminderte Spieleranzahl werden die Kinder mehr Ballkontakte und Einsatzzeiten haben.
+
Solche „Rudelbildungen“ soll es in der neuen Spielform nicht mehr geben: Durch die verminderte Spieleranzahl werden die Kinder mehr Ballkontakte und Einsatzzeiten haben.

Viele junge Kicker hören nach der U 10 auf: Bayerischer Fußball-Verband setzt in Zukunft auf Funino-Festivals

Neue Spielform soll Kinder beim Fußball halten

  • vonAndreas Heilmaier - freier Mitarbeiter
    schließen

Mit der Spielform Funino will der BFV die Bambini und die F-Junioren bei Laune halten. Denn nach der U10 hören aktuell viele Fußballer auf.

Landkreis – Ganz neue Wege will der Bayerische Fußball-Verband (BFV) künftig im Kleinfeldfußball gehen. Verbandsjugendleiter Florian Weißmann informierte die Vereine in einem Online-Meeting über das neue Vorhaben „Minifußball – kindergerechter Fußball im BFV“. Mit diesem Projekt will man vor allem der Entwicklung entgegenwirken, die in den letzten Jahren einen merklichen Verlust an Jugendspielern gebracht hat.

„Nach der U 10 hören aktuell sehr viele Spieler auf. Natürlich verlieren viele Kinder ihr Interesse und entdecken ein anderes Hobby für sich, aber es ist unbestritten, dass bei vielen vor allem aufgrund weniger Einsatzzeiten der Spaß verloren geht und sie deswegen aufhören“, erklärt Weißmann. Mit der neuen Spielform, die auch unter den Namen Funino bekannt ist und künftig neben dem regulären Spielbetrieb angeboten wird, erhofft man sich hier eine wesentliche Verbesserung.

Obwohl künftig beide Spielformen durchgeführt werden, appellierte Weißmann in seinem Vortrag, dass man „bei den G-Junioren nur noch die neue Spielform anwenden soll, denn die Spielform 7:7 kommt den Kindern – vor allem in diesem Alter – nicht entgegen“.

In der spielfreien Zeit sollen künftig so genannte Festivals, die der Verband oder auch die Vereine selbst organisieren können, stattfinden. Das Großspielfeld soll in acht verkleinerte Spielfelder aufgeteilt werden, und auf jedem Feld wird Drei gegen Drei gespielt, was dazu führt, dass alle Kinder wesentlich mehr Ballkontakte haben. Jedes Team hat maximal noch einen weiteren Rotationsspieler zur Verfügung. Durch die Regelung, dass nach jedem Torerfolg – oder spätestens nach zwei Minuten ohne Tor – zwingend ein Spielerwechsel erforderlich ist, ist gewährleistet, dass alle Kinder zu genügend Einsatzzeiten kommen. Durch die größere Anzahl an Toren ist auch sichergestellt, dass die Kinder durch die erzielten Treffer in jedem Fall mehr Erfolgserlebnisse haben werden.

„Durch diese Maßnahmen wird sich der Spaßfaktor bei den Kindern in jedem Fall erhöhen. Wichtig ist auch, dass Kinder, deren Entwicklungsstand noch nicht so ausgeprägt ist, davon profitieren. Bislang kamen sie nur beschränkt zum Einsatz, doch nun werden sie sich durch wesentlich längere Einsätze schneller entwickeln“, beschreibt Weißmann die Gründe für dieses Projekt.

Der Verbandsjugendleiter sieht auch in Kantersiegen beziehungsweise hohen Niederlagen eine weitere Ursache für eine Demotivation von Kindern, die man nun auch abstellen will. Zum einen wird die verkürzte Spielzeit von sieben Minuten solche Ergebnisse verhindern, zum anderen gibt es nach jedem Spiel „Auf- und Absteiger“, so Weißmann. Die siegreiche Mannschaft wechselt in das nächste, spielstärkere Feld, während der Verlierer das nächste Match im darunterliegenden Feld austrägt. Dies sorgt dafür, dass sich die Leistungsstärken von Gegnern im Laufe eines Festivals (F-Junioren 7 Spiele/G-Junioren 5 Spiele) automatisch anpassen, was der Forderung und Förderung der Kinder in jedem Fall entgegenkommt.

Bei den teilnehmenden Funktionären fanden die Argumente Anklang. Der Altenerdinger Juniorenleiter Florian Aldinger freut sich, dass man den Kindern jetzt auch in spielfreien Zeiten einen Spielbetrieb anbieten kann. „Bislang waren die Ferienzeiten meist tabu, weil die erforderliche Anzahl von Kindern nicht vorhanden war, aber künftig sollte es doch möglich sein, dass man zumindest drei Akteure stellen kann“, glaubt er.

Ob bei den E-Junioren die Akzeptanz für die neue Spielform zu erreichen sei, darüber zeigten sich einige Juniorenleiter doch recht skeptisch. Allerdings will der Bayerische Fußball-Verband durch größere Spielfelder und auch der Spielerzahl von Fünf gegen Fünf dem weiteren Entwicklungsstand in dieser Altersgruppe Rechnung tragen.

Bezirksjuniorenleiter Jochen Fuchs, der schon einige Festivals besucht hat, gab einen flammenden Appell für Funino ab. „Die Kinder waren voller Elan bei der Sache, und ich sah nur in glückliche Augen. Alle haben sich ausgepowert und fuhren glücklich nach Hause“, berichtete er. „Wir Erwachsene sollten unser eigenes Denken hintanstellen, denn die Kinder wollen nur spielen, und das ermöglicht die neue Spielform in jedem Fall.“

Bei der Abfrage, ob Vereine zur Ausrichtung einer Pilotveranstaltung bereit wären, war deutlich zu erkennen, dass die Funktionäre von Funino überzeugt sind, denn aus allen Regionen gab es positive Antworten. Für den Spielkreis Erding hat sich beispielsweise die SpVgg Altenerding beworben. „Die Corona-Pandemie lässt noch keine genaue Planung zu, aber wir hoffen, dass im Juli die ersten Festivals ausgetragen werden können“, blickt Kreis-Juniorenleiter Stefan Erl zuversichtlich in die nahe Zukunft.

Andreas Heilmaier

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare