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Olympia kann kommen, Uni muss warten

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Von: Markus Schwarzkugler

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Im DEL-Einsatz: Lukas Kohlmüller (M.) beim Spiel Augsburg (in Grün) gegen Bremerhaven. © Franzisi/Sport in Augsburg

An der Uni herrscht gerade Prüfungsstress. Nicht für Lukas Kohlmüller, der eigentlich auch ran müsste. Er hat nämlich Größeres vor: Als einziger deutscher Schiedsrichter ist der junge Erdinger beim olympischen Eishockey-Turnier der Herren in Südkorea im Einsatz.

Erding – Er ist schon eine coole Socke, dieser Lukas Kohlmüller. Als einziger deutscher Schiedsrichter steht der Erdinger ab kommender Woche beim olympischen Eishockey-Herrenturnier in Pyeongchang (Südkorea) auf dem Eis. Man möchte meinen, er trägt die Ehre der gesamten deutschen Schiri-Gilde auf den Schultern. Von Anspannung ist bei dem jungen Kerl, der am vergangenen Wochenende erst seinen 24. Geburtstag gefeiert hat, aber keine Spur. „Ich bin überhaupt nicht nervös“, sagt Kohlmüller. „Ich freue mich drauf. Das ist mal was anderes als der Liga-Alltag.“

Gestern pfiff er das CHL-Finale

Liga-Alltag. Damit meint der Erdinger nicht weniger als die deutsche Eliteklasse, die DEL. In der ist er als Linesman, also als Schiri-Assistent, regelmäßig im Einsatz. Aber auch international hat Kohlmüller schon viel Erfahrung gesammelt. Im Mai war er bei der A-WM der Herren in Köln und Paris im Einsatz, auch bei der U 20-WM in Kanada hat er schon gepfiffen, beim Deutschland-Cup in Augsburg und bei der Inline-Hockey-WM in Bratislava. Hinzu kommt ein ganz aktuelles Beispiel: Gestern Abend war er Linesman im CHL-Finale, also im Endspiel der Champions League im Eishockey. Das fand im schwedischen Växjö statt.

Bei so viel Erfahrung trotz seines jungen Alters ist es also fast schon kein Wunder, dass der Erdinger so abgebrüht ist. Wobei Olympia noch mal eine andere Hausnummer ist. Schließlich ist das Turnier das wichtigste, das es im Eishockey-Sport zu gewinnen gibt. Aber selbst wenn Kohlmüller kein so entspanntes Gemüt hätte – viel Zeit bliebe ihm gar nicht, nervös zu sein. Vergangene Woche pfiff er am Dienstag und Mittwoch in der DEL, am Wochenende Nachwuchsspiele auf bayerischer Verbandsebene – auch dafür hat der Mann noch Zeit – und der Geburtstag musste ja auch noch gefeiert werden, zumindest im kleinen Rahmen mit der Familie. Besagtes Champions-League-Finale folgte, und erst jetzt kann Kohlmüller, der heute aus Schweden zurückkehrt, sein Visier in Richtung Südkorea stellen.

Am Samstag um 18.10 Uhr hebt der Flieger ab Richtung Paris. Von dort geht es weiter nach Seoul, wo er am Sonntag um 15.55 Uhr Ortszeit ankommt. Was dann folgt, weiß Kohlmüller noch nicht so genau. Klar ist: Mit den anderen Schiedsrichtern geht es in ein Hotel direkt in Pyeongchang. „Dort werden organisatorische Abläufe besprochen, regeltechnische Dinge. Es gibt Meetings, Videoschulungen, und man schaut sich das Eis in der Halle an“, erzählt Kohlmüller, der ansonsten noch nicht allzu viel weiß, was ihn erwartet. Die Spielansetzungen erfolgen immer recht kurzfristig. Frühestens könnte er am Mittwoch, 14. Februar, zum Einsatz kommen. Dann erst beginnt nämlich das Turnier.

Vielleicht hat Kohlmüller bis dahin ja schon Zeit, sich in der gut 40 000 Einwohner zählenden Stadt umzuschauen oder ein paar andere Sportarten mitzuverfolgen. „Skispringen würde mich interessieren, Biathlon, Skifahren generell oder Shorttrack und Eisschnelllauf.“ Aber Kohlmüller ist ja nicht als Tourist da und wird wohl wenig Zeit haben, viel vom ganzen Drumherum aufzusaugen.

Ein paar Brocken Koreanisch

„Es ist schwierig. Es gibt ja jeden Tag Spiele. Vielleicht klappt es ja mal mit einer anderen Sportart, wenn ich frei habe.“ Aber das Kurzfristige ist eben das Problem: „Ich habe mir schon überlegt, Tickets zu ordern. Aber das wäre ja ein Schmarrn, weil ich ja nicht weiß, wann ich im Einsatz bin“, sagt Kohlmüller.

Viel Zeit neben Eishockey bleibt ihm nicht – schon gleich gar nicht fürs Studium, für das es eigentlich Zeit bräuchte. Gerade ist nämlich die heiße Prüfungsphase. Der Bachelor-Absolvent im Maschinenwesen steckt an der Technischen Universität in München im dritten Semester Luft- und Raumfahrttechnik. Die ersten drei Prüfungen sind während Olympia. „Die vierte ist am 28. Februar. Am 26. komme ich zurück, die möchte ich gern schreiben.“ Alles halb so wild, beruhigt Kohlmüller: „An der TU kann man die Prüfungen jedes halbe Jahr nachholen.“ Und notentechnisch bestehe auch kein Grund zur Besorgnis. „Bis jetzt läuft alles gut. Ich laufe noch keine Gefahr, durchzufallen“, sagt der 24-Jährige schmunzelnd.

Er ist nicht der einzige Erdinger in Pyeongchang. Felix Schütz steht, wie berichtet, im Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft. Haben sich die beiden etwa schon für ein Treffen verabredet? Nein, sagt Kohlmüller. „Wir haben uns in letzter Zeit nicht getroffen. Er ist mit der Mannschaft im Olympischen Dorf, ich bin mit den Schiris im Hotel. Vielleicht laufen wir uns ja im Eisstadion mal über den Weg.“

Dann können sich die beiden ja vielleicht mit ein paar Brocken Koreanisch unterhalten. An Kohlmüller würde es jedenfalls nicht scheitern. „Wir haben vom Verband eine Broschüre mit ein paar Standardfloskeln bekommen“, erzählt er. „Bitte, danke, guten Tag – die Leute vor Ort freuen sich bestimmt, wenn man zumindest einen Satz in ihrer Sprache sagen kann.“

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