Mit voller Wucht: Simon Zachenhuber (r.) hatte gegen den Franzosen Mevludin Suleymani ein hartes Stück Arbeit zu bewältigen, ehe der knappe Punktsieg unter Dach und Fach war.
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Mit voller Wucht: Simon Zachenhuber (r.) hatte gegen den Franzosen Mevludin Suleymani ein hartes Stück Arbeit zu bewältigen, ehe der knappe Punktsieg unter Dach und Fach war.

Profiboxer Simon Zachenhuber feiert 11. Sieg im 11. Kampf 

Provokationen, Schläge und ein Biss

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Das war ein echter Härtetest für Profiboxer Simon Zachenhuber.

Basel/Reisen– Was haben Evander Holyfield und Simon Zachenhuber gemeinsam? Antwort: Beide sind von ihrem Gegner während eines Boxkampfs gebissen worden.Doch während Holyfield 1997 von Mike Tyson ein Teil des Ohrs abgebissen worden war, ist Zachenhuber von Mevludin Suleymani „nur“eine Wunde in der Brust zugefügt worden. Die Strafe des Reiseners: Er schlug den Franzosen „in einem dreckigen Kampf“, wie er sagt, und gewann nach Punkten. Sein elfter Sieg im elften Profikampf.

„Ich nehme viel aus diesem Kampf mit“, sagt Zachenhuber. „Das war ein sehr, sehr guter Kampf zum Lernen.“ Hatte er doch in Basel mit dem Franzosen einen Gegner, der mit allen Wassern gewachsen war. „Der hat wirklich alle miesen Tricks angewandt, die es gibt.“ Das habe sich schon beim Wiegen angedeutet, als Suleymani gesehen habe, dass er körperlich unterlegen sei. Im Ring hätten sich die Provokationen dann fortgesetzt. „Er hat viel geredet und jeden Schlag von mir, der daneben ging, mit einem Lächeln oder einem Ausruf kommentiert“, erzählt Zachenhuber. „Und dann bin ich mir wie Evander Holylield vorgekommen.“ Nach einem Leberhaken hatte Suleymani geklammert, „und dann hat er mich in die Brust gebissen“. Er habe sofort beim Ringrichter moniert, dass er gebissen worden sei und ihm die Wunde gezeigt, doch der beließ es bei einer Verwarnung. Zur Erinnerung: Mike Tyson war nach seiner Bissattacke sofort disqualifiziert und ein Jahr gesperrt worden.

Zachenhuber aber musste weiterarbeiten. „Er wollte einfach nur über die Runden kommen, hat viel geklammert und gehalten“, erzählt der Reisener. Auf der anderen Seite habe Suleymani permanent versucht, ihn zu provozieren: „Er stand immer ohne Deckung da und wollte mich locken. Er hat mich getestet, ob ich darauf einsteige beziehungsweise ob mir die Sicherung durchbrennt.“

Aber Zachenhuber blieb ruhig. Frenetisch wurde er von seinen Fans, in der aus Corona-Gründen nur spärlich besetzten Halle, angefeuert. „Die Zachenhuber-Ultras haben wieder super Stimmung gemacht, haben mich gepusht und motiviert“, freute sich der 22-Jährige. Allerdings seien sie von Trainer Conny Mittermeier nach kurzer Zeit aufgefordert worden, auf die große Trommel zu verzichten: „Die war nämlich so laut, dass ich die Anweisungen vom Conny nicht mehr gehört habe“, sagt Zachenhuber lachend.

Normalerweise gehe er ohne Emotionen in einen Kampf, schildert der 22-Jährige: „Ich habe nichts gegen meinen Gegner, aber hier waren die vollen Emotionen drin. weil er was Persönliches gegen mich hatte.“ Der Reisener beschreibt es so: „Wir haben uns während des Kampfes gehasst.“ Das habe sich auch daran gezeigt, dass beide Kämpfer während der einminütigen Pause zwischen den Runden bereits nach 30 Sekunden wieder gestanden seien und sich fixiert hätten. „Das war ein richtiger Stinker, wie man in der Boxersprache sagt“, also jemand, der mit Haken und Ösen kämpft und eine aufreizende Körpersprache hat.

Das Urteil: Sieger nach Punkten - Simon Zachenhuber. Gegner Mevludin Suleymani lächelt spöttisch.

Mit 2:1-Richterstimmen ist das Urteil nach sechs Runden knapp ausgefallen – für den Reisener unverständlich. „Aber das ist halt so, wenn du im Ausland antrittst. Da ist der Heimvorteil weg.“ Suleymani habe gleich nach dem Urteil zu Zachenhuber noch provozierend gemeint, dass er ihm ja von Anfang an gesagt hätte, dass er mehr tun müsse, und dass es deshalb so knapp gewesen sei. Zachenhubers Lehre: „Wenn du nicht schön boxen kannst, dann musst du eine Schlacht draus machen.“ Sein Trainer sei jedenfalls recht zufrieden mit ihm gewesen. „Er hat gesagt, dass das einer der wichtigsten Kämpfe bisher für mich war, weniger von der Leistung als vom Kopf her.“

Das Schöne habe man dann hinterher gesehen, sagt der 22-Jährige: „Nach dem Kampf war alles vergessen.“ Der Franzose sei zu ihm in die Kabine gekommen, habe ihm gratuliert, dann hätten sie beide geratscht und gescherzt. „Ein Kampf kann noch so dreckig sein, am Ende ist es dann doch sportlich“, weiß Zachenhuber.

Er macht jetzt ein paar Tage Urlaub in der Heimat, nächste Woche beginnt schon die Vorbereitung für seinen nächsten Kampf, der voraussichtlich am 16. Oktober in Karlsruhe stattfinden wird. Daheim werden jetzt die Blessuren auskuriert, „denn das eine oder andere Veilchen habe ich nicht verhindern können“.

Blöd sei, „dass die Bisswunde jetzt wie ein Knutschfleck ausschaut und ich nicht so recht weiß, wie ich das erklären soll“, sagt der 22-Jährige lachend. Aber im Gegensatz zu Evander Holyfield sind wenigstens Simon Zachenhubers Ohren unversehrt.

wk

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