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Der Olympiasieger von 1972 an der Regattastrecke in Oberschleißheim. Hans-Johann Färber (r.) mit seinen Kameraden aus dem „Bullenvierer“ (v. l.) Alois Birl, Steuermann Uwe Benter, Gerhard Auer und Peter Berger. 

Ruderer Hans-Johann Färber

Erdings Olympia-Held fiebert mit

Ein Erdinger Olympiasieger in Südkorea? Dürfte schwer werden – außer Eishackler Felix Schütz schafft eine Sensation. 1972 hatten wir mal einen goldenen Olympioniken: Ruderer Hans-Johann Färber aus Schwaig. Er fiebert ab Freitag vor dem Fernseher mit. Auch mitten in der Nacht.

Schwaig Hans-Johann Färber wird in den kommenden zwei Wochen nachts viel Zeit vor dem Fernseher verbringen. Am Samstag beginnen im südkoreanischen Pyeongchang die Olympischen Winterspiele, die der Schwaiger mit großer Begeisterung trotz der Zeitverschiebung von acht Stunden verfolgen wird. „Ich werde sicher früher aufstehen, um alles zeitnah mitzuerleben“, ist sich Färber sicher.

Mit Olympia verbinden den 70-Jährigen ganz besondere Erinnerungen. Allerdings an die Sommer-Spiele: 1972 gewann Färber bei der Heim-Olympiade in München Gold im Ruder-Vierer mit Steuermann – für den Deutschen Ruderverband die einzige Goldmedaille. Färber erinnert sich noch gut an seine Gefühle damals.

„Alle haben damit gerechnet, dass ich mit meinem Team die Goldmedaille an der Ruder-Regattastrecke in Oberschleißheim gewinnen werde. Ein zweiter Platz wäre alles andere als gut gewesen, da wir vier Jahre lang ungeschlagen und die absoluten Favoriten waren“, erinnert sich Färber. Das bundesdeutsche Quartett war damals aufgrund seiner Kraft unter dem Namen „Bullenvierer“ ein Begriff.

„Das Gefühl bei der Siegerehrung, die Olympische Goldmedaille zu bekommen, ist unbeschreiblich“, sagt der 70-Jährige stolz. Eine Träne habe er damals aber nicht verdrücken müssen.

Färber hat drei Töchter und wohnt mit seiner Frau Renate in Schwaig. Das Rudern liegt in der Familie: Seine Enkelin Marie-Sophie und deren Bruder Oliver Zeidler betreiben ebenfalls erfolgreich den Rudersport. Die 18-Jährige ist Deutsche U 19-Meisterin und Bronzemedaillengewinnerin bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2017. Ihr Bruder Oliver ist noch nicht lange dabei, war zuvor Schwimmer, hat aber schon die Worldgames im Indoor-Rudern gewonnen.

Die beiden Enkel werden wohl zusammen mit ihrem Opa gelegentlich vor dem Fernseher mitfiebern. „Ich habe ein großes sportliches Interesse und werde alles anschauen was übertragen wird, egal ob Skispringen, Langlauf oder Eiskunstlauf“, sagt Großvater Färber voller Vorfreude.

Die aber ein wenig getrübt ist: Olympia sei heutzutage nämlich bei weitem nicht mehr das, was es einmal war: „Es ist reiner Kommerz, gerade was das IOC, das Internationale Olympische Komitee, angeht.“ Früher seien die Athleten und ihre Leistungen im Vordergrund gestanden, mittlerweile spielten sie nur noch eine untergeordnete Rolle.

Beste Aussichten auf Medaillen haben seiner Meinung nach die Skispringer, Biathleten, Bobfahrer und Eiskunstläufer. „Im Langlauf werden wir jedoch nicht sehr große Chancen haben“, meint Färber, der sich die Sportart trotzdem anschauen will. „Aber im Biathlon werden wir sicher die eine oder andere Medaille mit nach Hause nehmen.“

Als Ex-Olympionike fiebert Färber mit jedem Sportler mit, sagt er. Weil er nachempfinden könne, wie sie sich bei den Wettkämpfen und der Siegerehrung fühlen. „Es war ein tolles und einmaliges Gefühl für das ganze Team, an das ich mich jederzeit gerne zurück erinnere. Ich hoffe, dass die deutschen Athleten in Südkorea möglichst viele Medaillen gewinnen.“

von Pia Hellemann

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