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Lanzinger: „Man könnte es jetzt einfach gut sein lassen“

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Von: Dieter Priglmeir

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Das waren noch Zeiten: Im Bezirksliga-Hinspiel spielten der FC Schwaig und der FC Moosinning noch vor vollem Haus. Vielleicht ist das auch 2021 möglich – wann auch immer gespielt wird.TSV Dorfen: Richtigund konsequentFC Schwaig: FalscheBFV-Entscheidung
Das waren noch Zeiten: Im Bezirksliga-Hinspiel spielten der FC Schwaig und der FC Moosinning noch vor vollem Haus. Vielleicht ist das auch 2021 möglich – wann auch immer gespielt wird.TSV Dorfen: Richtigund konsequentFC Schwaig: FalscheBFV-Entscheidung © Archivfoto: Christian Riedel

FC Moosinning: Lanzinger sieht die Fortsetzung der Saison als problematisch an. Auch Scheckenhofer ist der Fortsetzung gegenüber skeptisch.

Erding – Es wird weiter gespielt. „Eine Generalabsage ist (...) vorbehaltlich weitergehender staatlicher Maßnahmen nicht vorgesehen.“ Das meldete der Bayerische Fußball-Verbandes (BFV) nach seiner Vorstandssitzung am Montagabend. Die Vereine könnten dennoch flexibel reagieren. Aufgrund der hohen Corona-Infektionszahlen hatte der Verband bereits am Freitag Spielverlegungen für alle Vereine ermöglicht, die in einer Region mit einem Inzidenzwert ab 50 beheimatet sind oder nicht gegen Gegner aus solchen Gebieten antreten wollen. Die Regelung gilt laut BFV bis zum 31. Dezember. Einseitige Spielabsagen seien nur in der Regionalliga Bayern nicht möglich. BFV-Verbandsspielleiter Josef Janker begründetet dies mit der „besonderen Terminsituation, die sich vor allem aus der Schnittstelle zur 3. Liga und den damit einhergehenden Aufstiegsspielen auf nationaler Ebene ergibt“.

Die Reaktionen der Vereine im Landkreis sind höchst unterschiedlich. „Ich bin ein Fußballer durch und durch, seit über 50 Jahren mit vollem Herzen dabei. Aber dass jetzt alles weiterlaufen soll, halte ich für problematisch“, sagt Rupert Lanzinger, Abteilungsleiter des FC Moosinning. „Die Vereine sind doch mit verantwortlich, wenn was passiert. Ich finde, der BFV macht es sich zu leicht, wenn er jetzt pauschal sagt, dass es weiter geht. Es ist eh Wahnsinn, was die Vereine inzwischen alles beachten müssen.“ Lanzinger will das nicht auf den FCM allein münzen, im Gegenteil. „Bei uns läuft’s momentan wirklich gut. Ich kenne keinen aus dem Kader, der momentan nicht gerne spielt. Aber es ist jetzt Anfang November. Man könnte es jetzt einfach gut sein lassen. Schule, Krankenhäuser, Pflegeheime – es gibt einfach Wichtigeres als Fußball.“

Bernhard Schöberl spricht sich klar für eine Fortsetzung des Spielbetriebs aus

Bernhard Schöberl, 2. Abteilungsleiter des TSV Dorfen, hält dagegen das Vorgehen des BFV für „konsequent und richtig“. Er erinnert nochmals an die Situation während des Lockdowns: „Es wurde damals abgefragt, ob man die Saison fertig spielen will, und da haben sich die Vereine eindeutig positioniert.“ Auch damals sei schon klar gewesen, dass diese Situation kommen werde. „Daher finde ich es jetzt nicht ganz korrekt, wie sich hier verhalten wird. Als ich am Montagabend die Mail vom Kreisspielleiter gesehen habe mit der Meldung, dass an diesem Wochenende 42 Prozent der Spiele nicht gespielt wurden, fand ich das schon komisch. Vor allem, wenn man sieht, wie viele es wegen positiven und ausstehenden Testungen waren, die abgesagt wurden.“

Nur 20 Prozent seien seinerzeit bei der BFV-Umfrage gegen eine Fortsetzung der Punktrunde gewesen. „Das bedeutet 80 Prozent waren dafür. Nun spielen aber nur 58 Prozent.“ Dabei sei damals schon klar gewesen, „dass es so kommen wird, das Wetter nicht besser wird, die Plätze schlechter und wir mehr Maßnahmen einhalten müssen“, so Schöberl weiter. „Wenn ich damals aber weitermachen wollte, dann muss ich das auch durchziehen und nicht jedes Hintertürchen nutzen, um da wieder rauszukommen. Sonst ist es einfach nur ein unsportliches Verhalten gegenüber den Mannschaften, die das Ganze trotz widriger Umstände versuchen umzusetzen und damit die Entscheidung aller mittragen.“

Scheckenhofer : „Die Saison gehört jetzt abgebrochen“

Am guten Willen liegt es beim FC Schwaig definitiv nicht. Er spielt seit seinem Aufstieg in die Bezirksliga eine sensationelle Runde, steht eigentlich nur deshalb nicht an der Tabellenspitze, weil er noch zwei Spiele mehr zu bestreiten hat. Aber das ist das, was die Clubverantwortlichen irgendwann mürbe macht, wie Abteilungsleiter Anton Scheckenhofer zugibt. „Unser Spiel im Ligapokal gegen Kammerberg haben wir jetzt schon dreimal verlegt. Mit der Zweiten wissen wir überhaupt nicht mehr, wann wir noch spielen sollen.“ Das Derby in der Bezirksliga gegen den FC Moosinning, aktuell sicher das Highlight im Fußball-Landkreis, hat er da schon gar nicht mehr erwähnt.

Scheckenhofer hält die jüngste Entscheidung des BFV für falsch. „Die Saison gehört jetzt abgebrochen. Nur Spiele zu verschieben, wenn irgendjemand krank ist – das bringt doch nichts.“ Der Schwaiger Fußballchef kritisiert, „dass der Verband nur Empfehlungen rausgibt und die Vereine dann wieder die Verantwortung tragen müssen“. Bei seiner Umfrage im Frühjahr habe der BFV mit der Option geworben, den Ligapokal zu streichen, wenn es die Coronazahlen nötig machen. „Vielleicht ist jetzt dafür die Zeit gekommen, so Scheckenkofer.

Der FC Finsing war von Corona-Fällen schon direkt betroffen (wir berichteten). Vorstandsmitglied Robert Hartmann spricht die Belastung der Ehrenamtlichen im Verein an: „Wir schauen von Woche zu Woche, hören aber immer öfter, dass Vereine darüber nachdenken, ob sie weiterspielen. Wenn die Auflagen noch mehr werden und man beispielsweise nur noch 50 Zuschauer einlassen darf, frage ich mich, wie man das organisieren soll.“ (Dieter Priglmeir)

TSV Dorfen: Richtig und konsequent

FC Schwaig: Falsche BFV-Entscheidung

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