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Marie-Sophie Zeidler ist mit dem Deutschland-Achter nur Außenseiter bei der WM.
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Oliver und Heino Zeidler.
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Marie-Sophie Zeidler mit Familienhund Holly.
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Oliver Zeidler. 
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Oliver Zeidler auf der Strecke.
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Der Deutschland-Achter mit Marie-Sophie Zeidler.
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Marie-Sophie Zeidler im Gespräch mit dem BR.

Ruder-Weltmeisterschaft

Die Zeidlers aus Schwaig vor der WM: Medaillenhoffnung und Außenseiterin

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Vor der Ruder-WM könnte die Lage von Oliver und Marie-Sophie Zeidler kaum unterschiedlicher sein.

Schwaig– Vielleicht liegt es wirklich nur an seiner Körpergröße, dass alles so gelassen aussieht. Aber so richtig aufgeregt ist Oliver Zeidler vor der Operation WM-Gold tatsächlich nicht. Vergangenes Jahr hat er den Gesamt-Weltcup gewonnen, heuer die Europameisterschaft. Jetzt will der 22-jährige Schwaiger auch Weltmeister im Rudern werden. Nach seiner Blitzkarriere zählt er zu den Favoriten. „Aber ich spüre keinen Druck. Ich bin relativ relaxed.“

Er sagt das, nachdem er gerade in Oberschleißheim eine Übungseinheit absolviert hat. Wie die gesamte deutsche Nationalmannschaft bereitet er sich auf der Olympia-Anlage von 1972 auf die WM vor, die am 25. August im österreichischen Linz beginnt.

„Trainingslager dahoam“ nennt Oliver Zeidler die letzte Phase vor dem wichtigsten Rennen des Jahres. Er hat gerade seine Bachelor-Arbeit zum Thema Wirtschafts- und Steuerrecht geschrieben. Jetzt fährt er täglich die halbe Stunde von Schwaig nach Oberschleißheim, um sich den letzten Schliff für den Saisonhöhepunkt zu geben.

„Bisher war das eine solide Saison“, bilanziert er. Abgesehen vomWeltcup in Posen habe er jedes Rennen gewonnen. „Rotterdam zähle ich nicht“, fügt er hinzu. Da war er das Opfer von Wetterkapriolen geworden und hatte den Endlauf verpasst.

Ein anderes Rennen möchte er in anderer Weise vergessen machen. Bei der WM in Plovdiv hatte er nach verpatztem Start nur den letzten Platz belegt. In Linz soll es nun eine Medaille werden. „Primäres Ziel ist natürlich die Olympia-Qualifikation“, sagt der Student. Dazu müsste er mindestens Dritter im B-Finale, also Gesamtneunter, werden.

Hört sich leicht an, „aber das war bisher schon eine komische Saison. Viele Ruderer haben heuer ihre Leistung enorm gesteigert“. Letztlich räumt Zeidler gar zehn Athleten gute Chancen ein. Die Hauptkonkurrenten kommen aus Dänemark (Sverri Nielsen hat Zeidler in Posen bezwungen), Kroatien (Damir Martin, Olympia-Silber in Rio), Norwegen (Weltmeister Kjetil Borch) und Neuseeland (Weltrekordhalter Robert Manson wird schon im Vorlauf auf Zeidler treffen), doch der Schwaiger weiß auch um seine Stärken. Am Start habe er gearbeitet. „Und zwischen 200 und 500 Metern bin ich der Schnellste auf der Welt.“

Zeidler weiß, dass er sich nicht allein darauf verlassen kann. Neben seinem guten Gefühl („Die Form stimmt“) und starken Werten („Ich bin Bestzeiten gefahren“) will er nun in den taktischen Wettkampfmodus kommen. Dazu bestreitet er Rennen gegen den Ersatz-Einer oder andere Bootskategorien, die ähnlich schnell sind („Zum Beispiel der Frauen-Doppel-Zweier“).

Die Hausaufgaben werden erledigt, dafür wird auch sein Trainer sorgen. Vater Heino war 1994 selbst WM-Vierter im Zweier mit Steuermann. Er verfolgt die Trainingseinheiten auf der Schleißheimer Regatta, indem er am Rand mitradelt und Anweisungen gibt. Opa Hans-Johann Färber, 1972 Olympiasieger im so genannten Bullenvierer, ist meistens auch vor Ort. Und dann wäre noch das Eine, das Oliver Zeidler mit sich selbst ausmachen muss: das Mentale. „Noch fehlt die Anspannung etwas“, meint er, „aber die ist da, sobald wir im Bus nach Linz sitzen“.

Bei seiner Schwester sieht die Gemütslage ganz anders aus. In ihr brodelt’s, denn bei ihr stehen die Vorzeichen vor der WM alles andere als gut. Marie-Sophie Zeidler sitzt im Deutschland-Achter, der zurzeit der Konkurrenz hinterherfährt. Letzte wurden die Frauen beim jüngsten Weltcup. Die Chancen, dass sich das Team in Linz für die olympischen Spiele in Tokio qualifizieren, stehen nicht allzu gut. „Dafür müssten wir Fünfter werden“, sagt die 20- Jährige.

Dafür schuftete das Team im Trainingslager in Potsdam. Zweimal pro Tag ging es aufs Wasser. Das Ziel: Schnelligkeit aufbauen. „Aber auch technisch haben wir noch einige Baustellen“, gibt die Polizeianwärterin zu. An der Abstimmung werde nun gerade in Oberschleißheim gearbeitet. „Aber acht Leute auf einen Nenner zu bringen, ist schon schwierig“, meint Marie-Sophie Zeidler und fügt hinzu: „gerade bei Frauen“. Jede habe ihren eigenen Ruderstil. Theoretisch müsse man diese auf einen verschmelzen und sich auch auf die Schlagzahl einigen. Aber dies sei nur ein theoretischer Ansatz, sagt Zeidler und lässt durchblicken: „Ja, bei uns hat es schon ein paar Mal gekracht.“

Dazu muss man wissen: Der Achter ist nicht gerade das Lieblingsboot der Ruderinnen. Die Schwaigerin macht keinen Hehl daraus, dass der Zweier, in dem sie jeweils Bronze bei der U 23-WM und EM geholt hat, ihr Lieblingsboot ist. Auch den Einer würde sie gern mal ausprobieren. Und für den Vierer, auf den die Bundestrainer diese Saison die Priorität bezüglich der Olympia-Quali gelegt haben, sei sie nie ausprobiert worden. Sie bedauert, dass sie nie die Chance für dieses Boot bekommen habe.

Nun sitze sie eben im Achter, ist dankbar für die Teilnahme an der WM („Obwohl ich gern auch noch zusätzlich die U 23-WM mitgemacht hätte“) und hofft auf ein gutes Ergebnis. Und danach freut sie sich auf Urlaub und auf ihren ersten Bungee-Sprung – übrigens hier auf der Anlage in Oberschleißheim.

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