Die Special Olympics Bayern waren für Nico Lippacher der Höhepunkt seiner bisherigen sportlichen Karriere. In Hof räumte der Ottenhofener in den Disziplinen Freistil, Brust und Staffel drei Goldmedaillen ab. Klar, dass dem 15-Jährigen bei seiner Rückkehr nach Hause ein Herzlicher Empfang bereitet wurde.

Schwimmen – Nico Lippacher bei den Special Olympics Bayern

Der Goldjunge aus Ottenhofen

Nico Lippacher leidet an einer geistigen Behinderung. Außerdem hat er Epilepsie. Sein großes Hobby, den Sport, lässt er sich davon aber nicht nehmen. Bei den Special Olympics Bayern hat der Ottenhofener dreimal Gold gewonnen.

Ottenhofen – Ein ganz besonderes Jahr liegt hinter dem 15-jährigen Nico Lippacher. Bei den Special Olympics Bayern in Hof räumte der leidenschaftliche Schwimmer im Sommer in allen drei Disziplinen die Goldmedaille ab. 25 Meter Freistil, 25 Meter Brust und 4x50 Meter mit der Staffel – dem jungen Ottenhofener ist es gelungen, sein Talent im bisher größten Wettkampf seines Lebens unter Beweis zu stellen. Eine stolze Leistung, findet seine Familie. Der 15-Jährige bleibt hingegen ganz cool. Wirklich nervös sei er nicht gewesen, er habe schließlich gut trainiert und sich gut vorbereitet gefühlt, sagt er.

Einmal pro Woche versucht Lippacher gemeinsam mit seinen elf Teamkollegen von der Friedel-Eder-Schule in München und seiner Lehrerin, seinen Schwimmstil zu optimieren. Dabei ist ihm keine Anstrengung zu groß, denn das Schwimmen macht ihm Spaß. „Mir gefällt einfach alles daran“, erzählt er im Gespräch mit der Heimatzeitung. Die Wettkampfstimmung ist er bereits gewohnt. Mehrmals pro Jahr nimmt er an unterschiedlichen Wettbewerben teil. „Wir waren zum Beispiel schon in Straubing und Nürnberg“, erinnert er sich stolz.

In einem solch großen Rahmen wie bei den Special Olympics Bayern habe er jedoch noch nicht um den Sieg gekämpft. Fünf Tage lang war er gemeinsam mit den Teamkollegen vor Ort, um an drei Läufen auf der 25 Meter langen Bahn teilzunehmen. Vor allem die Konzentration während der Wettkämpfe sei eine Herausforderung für den Ottenhofener gewesen. „Das Schwimmen habe ich inzwischen drin. Das Schwierige ist die Konzentration, damit man nicht irgendwas Wichtiges vergisst und dann disqualifiziert wird“, erklärt er.

Judith Lippacher hat ihren Sohn fleißig angefeuert. „Das ist schon wirklich ein ganz besonderes Ereignis. Das wurde so aufgezogen wie die großen Special Olympics“, erinnert sie sich begeistert. Auch der Sohnemann ist noch heute beeindruckt. „Am besten hat mir gefallen, dass wirklich das olympische Feuer angezündet wurde.“

Nach wie vor nicht voll respektiert

Den feierlichen Einlauf der Athleten bei der Eröffnungsfeier und die Siegerehrungen wird er nicht vergessen. „Es ist gar nicht so leicht, sich zu qualifizieren. Es müssen wirklich strenge Standards eingehalten werden, und die Schwimmer dürfen nicht zu schnell oder zu langsam gemeldet werden, da sie sonst disqualifiziert werden“, erklärt Judith Lippacher.

Umso stolzer hat Lippachers Familie ihn nach den Wettkampftagen zuhause empfangen. „Es waren überall Fotos von mir, und die Oma hat mir sogar einen Lorbeerkranz gebunden“, erzählt er mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Mit einem großen Plakat haben die Lippachers ihren „Goldjungen“ empfangen. „Man hat immer wieder Gänsehaut bekommen“, erinnert sich Judith Lippacher.

Die Special Olympics seien ein hervorragender Weg, den Teilnehmern Wertschätzung entgegenzubringen. Seit der Geburt leidet Nico Lippacher unter einer geistigen Behinderung, verursacht durch eine Krankheit der Mutter während der Schwangerschaft. Hinzu kommt Epilepsie. „Solche Veranstaltungen sind super für das Selbstbewusstsein der Kinder“, erzählt sie begeistert.

Im Alltag werden ihr zufolge Kinder mit Behinderung nach wie vor nicht voll respektiert. „Leider wurde den Special Olympics auch nicht viel Aufmerksamkeit von außen entgegengebracht. Das ist wirklich schade“, bedauert Judith Lippacher. Dennoch ist sie wahnsinnig stolz auf ihren Sohn.

Generell ist Nico Lippacher in seiner Freizeit sportlich viel unterwegs. Skifahren im Winter, zusätzliches Schwimmtraining im Sommer am Badeweiher, Fußball mit den Schulkameraden – der 15-Jährige liebt es, sich auszupowern. Das Schwimmen bleibt dennoch sein absoluter Lieblingssport, da ist er sich sicher. Bereits im Februar wird er an seinem nächsten Wettkampf teilnehmen, denn er muss schließlich in Form bleiben. Bei den nächsten Special Olympics Bayern 2021, in seinem letzten Schuljahr, will er die drei Goldmedaillen wieder sein Eigen nennen können.

von Julia Adam

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