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Derbysieg: Sebastian Bönig bejubelt den 1:0-Erfolg der Union gegen Hertha BSC Berlin. Im Rückspiel setzte es allerdings eine 0:4-Klatsche.

Unsere Serie: Erdings 100 größte Sportler aller Zeiten

Sebastian Bönig: Kreativspieler, Giftzwerg, Union-Kultfigur

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Der 38-jährige Erdinger kennt die Höhen und Tiefen eines Fußballprofis. Berlin wurde seine zweite Heimat.

Erding/Berlin – Sebastian Bönigs Plan für die Saison 2019/20 war folgender: An vier Tagen pro Woche sollte er an seiner DFB-Trainerlizenz arbeiten, an den restlichen mit Union Berlin den Klassenerhalt in der Bundesliga schaffen. Ihm war klar: Es würde die wohl anspruchsvollste Fußballsaison seines Lebens – und da hatte er noch keine Ahnung, dass die Corona-Pandemie alles noch etwas komplizierter machen würde.

Aber blenden wir zurück in eine Zeit, als sich der kleine Sebastian über nichts Gedanken machen musste. In eine Zeit, als er noch lieber auf der Schaukel saß, als mit der F-Jugend zu kicken. „Man musste mich dazu überreden. Ich hatte eigentlich gar keine Lust“, erinnert er sich. „Ich spielte in der Mannschaft meines Bruders, und alle waren mindestens einen Kopf größer als ich.“ Doch der Knirps hielt gut mit in diesem außergewöhnlichen Team der Freisinger Eintracht. „Bei Hallenturnieren haben wir auch immer wieder gegen die Bayern gewonnen“, erinnert sich der heute 38-Jährige.

Es war der Beginn zweier außergewöhnlicher Karrieren, die die beiden Erdinger Buben nicht nur in unsere Liste der 100 besten Erdinger Sportler aller Zeiten brachte, sondern vor allem über die Bayern-Jugend in den bezahlten Fußball: Philipp, der ein Jahr ältere Bruder, wurde beim VfL Bochum Stammspieler in der 1. Bundesliga. Auch Sebastian sollte irgendwann in der höchsten deutschen Liga ankommen, allerdings erst als Trainer, denn sein Weg hatte ein paar Abzweigungen, auf die er gern verzichtet hätte, die er jetzt aber als „wertvolle Erfahrungen“ verbucht, die er auch an andere weitergibt. Beide 

Zurück zur Karriere: Bis zur C-Jugend spielt Sebastian Bönig in Freising – anfangs als Libero, dann als Sechser oder Achter. Er habe immer schon gern den letzten Pass gespielt, „aber ich bin auch voll in die Zweikämpfe gegangen“, erzählt der 1,76-Meter-Mann. „Ich war Kreativspieler und Giftzwerg zugleich. Von meiner Größe her blieb mir nichts anderes übrig.“

Sebastian ist Kapitän der Bayern-Auswahl, teilt sich mit einem gewissen Benny Lauth ein Zimmer. Das ändert sich auch nicht, als sein bester Freund zu den Münchner Löwen geht und er zum FC Bayern. Denn da spielt schon sein größerer Bruder, und auch Vater Anton hat eine rote Vergangenheit. „Trotzdem war das gar nicht so klar“, sagt er. In den Bönigs fließe auch sehr viel blaues Blut. „Einer meiner Vorfahren war sogar Gründungsmitglied des TSV 1860.“

Mit dem FCB scheint er aber die richtige Wahl getroffen zu haben. Auch hier zieht er im Mittelfeld die Fäden, darf auch immer wieder mal als U19-Spieler bei den Profis trainieren. Als im Mai 2001 allerdings vor dem Champions-League-Spiel gegen Real Madrid Jens Jeremies, Mehemt Scholl und Ciriaco Sforza verletzt fehlen, holt Ottmar Hitzfeld nicht den jungen Erdinger ins Aufgebot, sondern seinen Konkurrenten im zentralen Mittelfeld, einen gewissen Owen Hargreaves, der dann gegen Luis Figo das Spiel seines Lebens macht.

Bönig spielt nach seiner Jugendzeit bei den FCB-Amateuren unter Hermann Gerland. Dann wechselt er zum Zweitligisten LR Ahlen. „Das war damals ein ambitionierter Verein, der mit einer Mischung aus erfahrenen Profis und jungen Talenten in die Bundesliga aufsteigen wollte. Das Ergebnis war: In der ersten Saison hatten wir drei, in der zweiten vier Trainer.“ Uwe Rappolder, Werner Lorant („Ein harter Trainer, der aber auch ein guter Fußballer war und moderne Ansichten hatte. Bei ihm hat’s wirklich Spaß gemacht“), Stephan Kuntz zählen zu seinen Coaches.

Für Bönig läuft es anfangs bestens. Mehrfach wählt ihn der Kicker in die Mannschaft der Woche. Die 1. Bundesliga scheint nur eine Frage der Zeit. Eine Knochenabsplitterung am Sprunggelenk stoppt seinen Lauf, doch der junge Profi lässt sich fitspritzen – bis es gar nicht mehr geht. Fast ein Jahr kann er gar nicht mehr spielen. Der Verein lässt ihn fallen.

2005 wechselt Sebastian Bönig zur Union. Der 23-Jährige, der eigentlich in die Bundesliga will, spielt plötzlich in der Oberliga. Ist das nur eine Zwischenstation? Die Liga schon, aber der Berliner Kultclub wird zu seinem Herzensverein. Union kehrt zurück in die Regionalliga – mit Bönig als Kapitän. Die Eisernen werden erster Drittliga-Meister Deutschlands. Und es kommt noch besser. Union steigt in die 2. Liga auf. Es kommen neue Spieler und der Schock, als der Manager mit ihm über die Zukunft spricht. „Ein Jahr zuvor hätte ich mir die Laufzeit meines Vertrags noch selbst aussuchen dürfen. Jetzt wurde er einfach nicht verlängert“, erzählt Bönig und fügt hinzu: „Schon wieder voll auf die Fresse!“ Er beendet seine Karriere. Mit 27, denn: „Was soll nach Union noch kommen?“ Er kehrt zurück in seine Heimat nach Erding, wo er zwei Jahre eine Ballschule betreibt. Dieses Intermezzo ist kein finanzieller Erfolg. Er erinnert sich an die Worte von Union-Präsident Dirk Zingler bei seinem Abschied: „Für einen Bönig haben wir hier immer eine Aufgabe.“

Also zurück an die Försterei als Assistent der Geschäftsleitung. Und von nun an geht’s nur noch bergauf. Er macht die C-, B- und A- Trainerscheine, übernimmt die U19 und steigt mit der U 23 in die Regionalliga auf. Inzwischen ist er im siebten Jahr Co-Trainer der Herrenmannschaft, die 2019 die Sensation schafft und in der Relegation den VfB Stuttgart aus der Bundesliga kegelt.

Jetzt ist Sebastian Bönig da, wo er immer hinwollte: 1. Bundesliga. Und jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Womit wir wieder beim Ausgangspunkt dieser Geschichte wären: Gemeinsam mit Cheftrainer Urs Fischer und seinem Co-Trainer-Kollegen Markus Hoffmann formt er aus dem Überraschungsaufsteiger Union eine Bundesliga-Mannschaft, die nach einer 0:3-Klatsche im ersten Heimspiel gegen RB Leipzig die Konkurrenz regelmäßig ärgert. Am 2. Spieltag – nach dem 1:1 in Augsburg – steht Union auf einem Abstiegsplatz, „danach nie mehr“, stellt Bönig fest. Sein Team schlägt zuhause die Borussen aus Dortmund und Gladbach, gewinnt das erste Derby gegen Hertha – und macht vier Spieltage vor Schluss mit dem Auswärtssieg in Köln den Klassenerhalt perfekt (siehe Kasten). Ein Meisterstück.

Und das zweite soll nächste Woche folgen. Dann sind die Abschlussprüfungen zur DFB-Trainierlizenz, für die Bönig das ganze Jahr über regelmäßig von Sonntag bis Mittwoch an der Sporthochschule Hennef gelernt hat. Eigentlich hätten die Prüfungen bereits im April sein sollen. Durch Corona wurde das verschoben. Also heißt es für Bönig, aber auch für Tim Borowski (Werder Bremen), Heiko Butscher (VfL Bochum), Ole Werner (Holstein Kiel) und Christian Eichner (Karlsruher SC) nachsitzen.

Und danach? Wird gefeiert? „Am 27. Juli sind bei Union die ersten Leistungstests“, sagt Bönig. Danach geht’s in ein Kurztrainingslager und ins zweite Bundesliga-Jahr. Die Mannschaft, aus der sich Aufstiegshelden wie Polter oder Giekewicz verabschiedet haben, müsse umgebaut werden. Die Aufgaben werden nicht leichter, auch ohne Trainerlehrgang und hoffentlich ohne Corona. Aber mit den Union-Fans, die den Erdinger Sebastian Bönig längst eingemeindet haben.

ERDINGS 100 GRÖSSTE SPORTLER ALLER ZEITEN

Alle Athletinnen und Athleten, die wir in dieser Serie vorstellen, sind Sieger, die den Platz in dieser Bestenliste des Landkreises Erding verdient haben. Wir haben uns der Herausforderung gestellt, diese tollen Sportler noch in eine Reihenfolge zu bringen – wohlwissend, dass es bei 100 Platzierungen auch 100 Meinungen gibt. Mindestens! In unserer Bewertung lassen wir neben den sportlichen Erfolgen auch Faktoren einfließen wie Fairness, Ehrgeiz, öffentliches Auftreten, die Konkurrenzsituation in der betreffenden Sportart, aber auch Verdienste für den heimischen Sport und die Vorbildwirkung auf den Nachwuchs. Zudem haben wir auch viele Fachleute um ihre Meinung befragt. Das Wichtigste bleibt für uns aber, dass wir Ihnen, diese großartigen Athleten näherbringen – in 100 Porträts, die hier in loser Folge erscheinen. Bisher waren das:

15. Platz: Andreas Voglsammer (Bundesliga-Fußballer aus Dorfen, Arminia Bielefeld)
23. Horst Soika (Boxer aus Eitting)
26. Petra Müller (geb. Scharl, Schützin aus Taufkirchen)
35. Sebastian Bönig (2. Bundesliga-Fußballer aus Erding)
38. Sebastian Busch (Eishockeyprofi aus Langengeisling)
67. Anton Bönig (Fußballer, u. a. beim FC Moosinning)
73. Günter Krzizok (Motorradrennfahrer aus Erding)
75. Georg Schatz (Ringer aus Aufkirchen)
80. Attila Babos (Ex-Tennisprofi aus Erding)
81. Martin Brandlhuber (Ski-Ass aus St. Wolfgang)
91. Florian Betzl/Sepp Wiesmeier (Motorradfahrer aus Eichenried)
97. Franz Herbst (Eisschwimmer aus Pemmering)

Nicht in der Wertung sind Athleten, die erst Jahre nach ihren Erfolgen in den Landkreis gezogen sind. Beispiele dafür: Ruder-Olympiasieger Hans-Johann Färber, Eishockey-Legende Hans Huber, Jan Smolko (Eishockeynationalspieler der damaligen CSSR und Slowakei) oder Ex-Löwenprofi Walter Hainer.

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