DAS SPORTGEFLÜSTER

Sechs Wochen Vorbereitung  für ein paar Spiele?

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
    schließen

Der Fußballverband diskutierte über viele Optionen. Leider hat er sich jetzt für alle entschieden. Das bedauert Dieter Priglmeir in seinem Sportgeflüster zum Wochenende.

Das Mittelzentrums-Turnier war in den 1980ern eine großartige Sache. Die Erdinger Fußballclubs spielten in einer K.o.-Runde den Stadtpokal aus. Das Finale fand während der Herbstfest-Woche statt. Das Städtische Stadion war voll, und nach der Partie ging es rüber zur Siegerehrung ins Stiftungszelt, wo man den Unterschied zwischen maßvoll und Maß voll lernte. Ist das ein Fußballfest, das vielleicht nun sein Comeback findet?

Die terminlichen Schwierigkeiten (Herbstfest!) – könnte man in den Griff kriegen. Dann steigt das Endspiel halt während eines neuen Events: Winter-Sinnflut, Frühlingsfest-to-go, Public Viewing im neuen Autokino am leeren Thermenparkplatz, Stadttunnel-Eröffnungsspiel, Die Lange Nacht der Blasmusik etc....

Warum wir das hier schreiben? Weil der Bayerische Fußballverband angeregt hat, die punktrundenfreie Zeit mit Pokalwettbewerben und Turnieren zu überbrücken. Das klingt nett, denn allein im Landkreis hätten wir neben den Sparkassen-Spielen, der Raiffeisen-Rallye und den Weißbräu-Wettkämpfen vielleicht noch die Oberding Open, die Moosinning-Matches, die Holzland-Highlights, die Taufkirchen-Tage, die Dorfen-Days, die Wartenberger Wochen und den Wörth-Worldcup. Das Blöde ist nur: Die Vereine und die Fußballer werden darauf wenig Lust haben. Oder um es mit Olaf Scholz zu sagen: Das alles hat nicht den richtigen Wumms, um die Fußballer aus ihrer Lethargie zu wecken. Wo man hinhört: Die Spieler sind genervt. Nicht nur vom Corona-Virus, der an allem schuld ist, sondern auch vom BFV.

Gehen wir nochmal zurück in den März. Saisonabbruch oder nur eine Pause – der Verband wägte die Optionen ab, nahm dabei auch seine Vereine mit ins Boot (was wir gut fanden). Dummerweise entschied sich der BFV dann, einfach mal alle Optionen zu ziehen: bei den Erwachsenen die aktuelle Saison fortsetzen und die neue gleich mal streichen, Abbruch dagegen im Nachwuchs – da aber nur bei den Junioren. Häh? Begründung: Weil’s bei den Mädchen sowieso wurscht ist. Natürlich hat das der Verband so nicht formuliert. Der Wettkampfcharakter sei bei den Juniorinnen ein anderer. Häh? Häh? Wer sowohl Mädels als auch Buben schon mal trainiert hat, der weiß: Okay, das soziale Gefüge im Team mag ein anderes sein (Lass die Mädels nie beim Trainingsspiel die Mannschaften selbst zusammenstellen, wenn zu zwei gleichstarke Teams haben willst), aber nach einer Niederlage sind alle gleich stinkig.

Stinkig – womit wir wieder bei den Erwachsenen wären. Die derzeitige Perspektive ist folgende: Mitte Juli Beginn der sechswöchigen Vorbereitung mit den ungeliebten Kraft-Ausdauer-Einheiten, dann aber nur ein paar Spiele im Herbst, denn ein Saisonfinale im vielleicht kalten November ist den Zuschauern nicht zuzumuten. Dann lieber wieder schnell in die kuschelige Winterpause. Dann wieder sechs Wochen Schinderei für den kurzen Saisonendspurt. Um es mal so zu formulieren: Nicht jeder Fußballer im unteren Amateurbereich stellt sich so seine Freizeitgestaltung vor.

Und was ist das überhaupt noch für eine Saison, in der der BFV auch noch eine zusätzliche Wechselperiode eingebaut hat? Es ist eine Saison, in der zum Beispiel der abstiegsgefährdete SC Kirchasch nun seinen Spielertrainer Markus Weber verliert, der nun künftig für den Konkurrenten FC Eitting stürmt. Kein Vorwurf an Weber, der wahrlich genug Verdienste für seinen Heimatverein erworben hat. Aber die Mannschaften ändern sich. Natürlich auch beim FC Eitting, der vermutlich neben seinem bisherigen Spielertrainer Sebastian Pummer vielleicht auch noch ohne dessen Spezl und Bayernliga-Kollegen Christoph Schenk und Marco Höferth, auskommen muss. Nochmal zurück zum KSC: Der kann zwar schon auf seinen neuen Trainer Alexander Schmidbauer zurückgreifen, nicht aber auf Alex Mrowczynski, der vom FC Aschheim keine Freigabe bekommt. Weitere Vereine haben bereits angekündigt, dass sie wichtige Spieler verlieren werden, wollen sich aber jetzt auch selbst umschauen, wie sie ihren Kader noch umkrempeln können. Mit der Saison 2019/20 hat das nicht mehr so viel tun.

Macht das noch Spaß? „Ich habe zurzeit überhaupt keine Lust“, sagt ein Spieler. Dabei hat dessen Team noch beste Aussichten auf den Aufstieg. Wie mag das dann erst den Kickern gehen, die schon jetzt im Niemandsland der Tabelle stecken?

Fußballabteilungsleiter wie etwa der Altenerdinger Andreas Heilmaier rechnen fest damit, dass sie Spieler und Spielerinnen verlieren werden. Im Erwachsenenbereich, viel mehr aber noch im Jugendbereich. Die Vereine würden gern dagegen steuern. Mit seinen Entscheidungen macht es der BFV den Vereinen aber nicht einfach. Wie soll ein Club in den nächsten vier Wochen schon alle Jugendmannschaften für den Spielbetrieb melden, wenn er noch gar nicht weiß, wen er überhaupt noch zur Verfügung hat? Meldet er zu viele Teams, muss er welche zurückziehen (und dafür noch eine saftige Strafgebühr zahlen). Geht er mit weniger gemeldeten Mannschaften auf Nummer sicher, bekommen die Buben und Mädels zu wenig Spielzeiten und kehren dem Verein ebenfalls den Rücken. Für leistungsbezogene Großclubs (Bayern, Haching 1860 etc.) ist das alles kein Problem – die kriegen immer motivierte Spieler für ihre Kader. Für unsere Clubs gleicht das der Quadratur des Kreises. Da hätte der BFV seine Hausaufgaben besser machen müssen.

Das wäre wichtiger, als Zeitfenster für Turniere zu schaffen, die eh nicht kommen. Übrigens: Schon in den 1990ern wurde das eingangs erwähnte Mittelzentrums-Turnier dadurch verwässert, dass viele Mannschaften ihre besten Spieler geschont haben. Für die eigentliche Punktrunde. Denn: Nur die Saison zählt!

DIETER PRIGLMEIR

Der Fußballverband hat den guten Weg verlassen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare