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Seilschaften: Laura Bergner, Katja Bröckl-Bergner, Vinzenz Drahm, Louisa Handorf, Charlotte Bodenberger, Ansgar Bodenberger, Matthias Boden, Annemone Boden und Vincent Lex (v. l.) üben die richtige Knotentechnik.  

Alpenkranzl

Seilkameraden in 14 Metern Höhe

Die Alpenkranzler klettern in Freising.

 Erding/Freising – Die Beine zittern, und man ist froh, so hoch gekommen zu sein – 14 Meter im fünften Schwierigkeitsgrad. Mit dem Blick nach unten stellt sich erstmals ein Gefühl ein, das auf dem Weg nach oben weniger spürbar war – die Angst vor dem Sturz in die Tiefe. Und einen Meter über der zuletzt geklippten Expressschlinge soll ich jetzt springen? Ja, denn genau das hilft, Sturz- und Höhenangst mittelfristig in den Griff zu bekommen.

Das ist einer, doch bei weitem nicht der einzige Teil des Vorstiegskurses. Bald, das haben die Mitglieder erst am Montag beschlossen (wir berichteten), wird das Erdinger Alpenkranzl einen eigenen Kletterturm haben. Momentan müssen sie sich noch in der Freisinger Kletterhalle treffen. Um zu lernen, was man so wissen muss, um unter anderem an so einem Kletterturm zu kraxeln.

Alle haben im Vorfeld bereits einen Toprope-Kurs – also das Klettern mit bereits hängendem Seil – absolviert und schon erste Klettermeter gesammelt. Vorsteigen: Das bedeutet sowohl für Sicherer als auch für Kletterer mehr Aufgaben – aber eben auch mehr Möglichkeiten, da man mehr Routen klettern und sich auch für das Klettern am Naturfels vorbereiten kann.

Nach einem kletterspezifischen Aufwärmen – Kreislauf, Mobilisierung der Gelenke und Andehnen der Muskulatur – geht es dann auch schon los. Zuerst werden unter Berücksichtigung des Gewichtsunterschieds Seilschaften gebildet. Der Kletterer sollte im Vorstieg maximal das 1,2-fache des Sichernden wiegen.

Diese Seilschaften üben zunächst das Klippen/Einhängen der ersten Expressschlinge (Exe) und müssen gleich feststellen, dass es gar nicht so einfach ist. Zum einen soll man so stabil stehen, dass man die Hand, die man zum Klippen benötigt, von der Wand nimmt. Zum anderen erfordert das Einhängen der Exe selbst einiges an Übung.

Im Anschluss wird noch ein neuer Anseilknoten, der doppelte Bullin, geübt. Dieser hat gegenüber dem bereits Erlernten doppelten Achterknoten den Vorteil, dass er sich im Falle des Sturzes nicht festzieht.

Weiter geht es mit dem Vorstiegssichern. Während beim Toprope-Klettern der Sichernde nur Seil einholt und die Bewegung recht monoton ist, muss er im Vorstieg sowohl Seil einholen als auch ausgeben.

Nachdem dies jeder mehrmals geübt hat, darf jede Seilschaft nacheinander unter Beobachtung der anderen Teilnehmer und des Trainers die ersten Meter im Vorstieg klettern. Das funktioniert so gut, dass sich die Seilschaften schließlich nach einer halbstündigen Pause bei Kaffee, Brezen und Flammkuchen über die gesamte Halle verteilen und selbstständig weiterklettern.

Die Bewegungen gehen bald in Fleisch und Blut über – Routine ist sowohl für Kletterer als auch für Sicherer gerade am Anfang enorm wichtig. Dann folgt das bereits erwähnte Sturztraining, das manche anfänglich vor Probleme stellt. Sturzangst ist im Klettern aber wohl der wichtigste Faktor, der einen davon abhält, Fortschritte zu machen. Vertrauen in die Sicherungskette und Vertrauen in den Kletterpartner sind enorm wichtig. Um beides zu gewinnen, springen die Kletterer auf einer Höhe zwischen zehn und 14 Metern mehrmals ins Seil – angefangen von wenigen Zentimetern bis hin zu mehreren Metern freiem Fall. Wer vorher ein eher mulmiges Gefühl gehabt hat, merkt nun, dass Stürzen auch Spaß machen kann. Zum Ende des Kurses werden die Kletterscheine verteilt – alle haben bestanden. Mit dem erfolgreich absolvierten Kurs haben sie nun die Voraussetzungen, in jeder Halle alle Routen zu klettern – vorausgesetzt, Finger und Unterarme machen mit.

Die Teilnehmer:

Annemone Boden, Matthias Boden, Ansgar Bodenberger, Charlotte Bodenberger, Laura Bergner, Katja Bröckl-Bergner, Vinzenz Drahm, Louisa Handorf, Trainer Michael Kienastl, Severin Lex und Vincent Lex.

Von Michael Kienastl

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