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Sepp Sterr und die Nacht mit der Eintracht

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Von: Dieter Priglmeir

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Dieter Priglmeir
Dieter Priglmeir © privat

Lesen Sie, was der größte Eintracht-Fan im Landkreis, Dorfens Alt-Bürgermeister Sepp Sterr erlebt hat. Und was andere Fans aus dem Landkreis zum Euroleague-Triumph sagen.

Die nachfolgenden Sendungen verzögern sich um eine Woche. Nein, es liegt nicht an einer zu lang geratenen „Wetten, dass..?“-Show oder einem ARD-Brennpunkt. Wir können heute nur nicht – wie versprochen – von Torwartfehlern reden, wenn wir gerade Kevin Trapp in Aktion erlebt haben. Das angekündigte Sportgeflüster „Pleiten, Pech und Parade-Pannen, Part 2“ gibt’s deshalb erst kommende Woche.

Heute wollen wir über die Eintracht reden. Nein, liebe Berglerner, ihr seid ausnahmsweise nicht gemeint – auch wenn ihr es bei eurer Meisterfeier vergangenes Jahr auch recht habt krachen lassen und es Fotos mit SVE-Schals auf der ganzen Welt gibt. Es geht, um die Frankfurter SGE, die übrigens gar nicht jeden Neuzugang (sprich Erfolgsfan) einfach so aufnimmt. Einer twitterte sogar: „Ich notiere alle Namen von Fans anderer Vereine, die sich versuchen jetzt einzuschleimen.“

Uns doch egal. Erstmal wollen wir daran erinnern, dass wir im Landkreis sehr wohl eine enge Eintracht-Verbindung haben. Oder stand unser Ex-Dorfener Werner Lorant nicht 1980 im siegreichen UEFA-Cup-Team? Und außerdem haben wir sehr wohl unsere eigenen Eintracht-Ultras.

Zum Beispiel Sergio Linke, Spielertrainer der Walpertskirchener Zweiten und „Eintracht-Fan schon seit Kindheitstagen“, wie er selbst sagt. Sein Onkel und Cousin aus Neu-Isenburg hätten ihn dazu gebracht. „Immer wenn wir dort zu Besuch waren, haben wir beim Training zugeschaut. Als das neue Stadion gebaut wurde, war ich schon auf der Baustelle unterwegs.“ Das Euroleague-Finale gegen die Glasgow Rangers hat er zu Hause mit ein paar Freunden geschaut. Ganz ruhig habe er beim Finale nicht bleiben können. „Und beim Elfmeterschießen wäre ich fast gestorben.“ Zum Glück kam’s anders. Wäre auch blöd gewesen, denn Sergio Linke hatte am Finaltag auch noch Geburtstag. Ja, so sans, die Frankfurter: schenken ihrem Fan zum Geburtstag einfach mal den Euro-Titel.

Früher sei er in Erding belächelt worden, das habe sich spätestens mit dem Pokalsieg gegen Bayern 2018 geändert. Woran man noch erkennt, dass Linke ein richtiger Eintracht-Fan ist? Sein Lieblingsspieler ist Ioannis Amanatidis, Held einer noch nicht ganz so glorreichen Epoche. „Und heute ist es Martin Hinteregger“, sagt er.

Was ihn mit Richard Hehenberger verbindet. Der Kirchascher Fußballer ist sich sogar sicher, „dass ich der krasseste Martin-Hinteregger-Fan bin, den es in Bayern gibt. Wenn der Martl gespielt hätte, wären wir in der Halbzeit schon 3:0 vorne gewesen“, sagt Hehenberger. der übrigens erst die Frankfurt-Spiele schaut, seit Hinteregger dort spielt. Viele Wege führen also zum Frankfurter Römer.

Exakt dort war Sepp Sterr, was kaum jemanden verwundert, der den Dorfener Altbürgermeister kennt. In seinen Amtsjahren hatte er einen Eintracht-Aufkleber auf dem Dienstwagen. Ist auch kein Wunder, dass ihm Heiner Müller-Ermann, politisch ja nicht unbedingt auf der gleichen Seite, sofort zum großen Triumph gratuliert hat.

Fan sei er schon seit 69 Jahren, weil ihn damals der Begriff „Eintracht“ fasziniert habe, sagt Sterr. Als Bub habe er das Landesmeister-Finale gegen Real Madrid (3:7) erlebt und 1980 Fred Schaubs Siegtreffer im UEFA-Cup gegen Gladbach bejubelt. „Aber das heuer – das ist schon einmalig“. Deshalb feierte er nun direkt mit Hunderttausenden im Epizentrum der Euphorie.

Sein Enkel hatte die Zugfahrt gebucht – und hatte es seinem Opa dann zu verdanken, dass er direkt am Römer sein durfte. So einfach war das nämlich nicht. Am Nachmittag nach dem großen Spiel waren die beiden in Frankfurt angekommen, wo sie erst einmal in einer der Zugangsstraßen ausharrten. „Am Römer war schon alles gesperrt“, erzählt Sterr.

Jaja, meint er, es sei schon etwas chaotisch zugegangen – aber das war das liebenswerte Chaos. Gegen 21.30 Uhr reichte es Sepp Sterr. Nein, er ging nicht heim, sondern Richtung Römer. Tatsächlich ließ die Security den älteren Herrn durch. „Aber nicht ohne meinen Neffen.“ Also durfte auch dieser alles aus der Nähe erleben: Fischers Pathos, Hintereggers Sprüche, Trapps Lieder. Natürlich habe auch er selbst gesungen, sagt Sterr, der sich jetzt schon auf den Supercup freut. „10. August“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Liverpool oder Real? Egal. „Wenn wir jetzt gleich spielen würden“, meint Sterr, wären die Chancen gar nicht so schlecht. Das Spiel steigt übrigens in Helsinki. Nein, das werde er sich nicht antun, meint er. Die Strapazen seien doch zu groß. Schon dieser Trip nach Frankfurt sei anstrengend gewesen. Wobei: Am Tag drauf war Sepp Sterr schon wieder beim Joggen. Auch so sans, de Eintracht-Fans.

Diese Kolumne ist unserem viel zu früh verstorbenen Kollegen Gert Seidel gewidmet, bester Glossenschreiber und zweitgrößter Eintracht-Fan im Landkreis.

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