Sehr emotional war der Auftritt von Simon Zachenhuber und seiner Partnerin Patricija Belousova.
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Sehr emotional war der Auftritt von Simon Zachenhuber und seiner Partnerin Patricija Belousova.

Simon Zachenhuber bei „Let‘s Dance“

Zwischen Trauer und Freude

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Simon Zachenhuber aus Reisen ist bei „Let’s Dance“ eine Runde weiter.

Köln/Reisen – Rausgeflogen ist Sängerin Senna Gamour. „Born in“ war das Motto der RTL-Tanzshow am Freitagabend. Jeder der Prominenten musste zu einem Hit aus seinem Geburtsjahr tanzen. Profiboxer Zachenhuber, 1998 geboren, zeigte einen Contemporary zum Aerosmith-Hit „I don’t wanna miss a thing“ – und wurde aus einem bestimmten Grund sehr emotional.

Die Trainingswoche hatte begonnen wie immer, allerdings machte Simon Zachenhuber erst einmal große Augen. Als er nämlich seine Tanzpartnerin Patricija Belousova fragte, welche Schuhe er für den nächsten Tanz brauche, warf sie seine zwei Paar Schuhe in die Ecke und erklärte dem 22-Jährigen, dass er barfuß tanzen müsse. Es stand der Contemporary auf dem Programm.

„Keine Ahnung, was ein Contemporary ist“, meinte Zachenhuber ratlos, doch er wurde aufgeklärt, dass es sich dabei um einen improvisierten Tanz mit freier Choreografie handle.

Immer wieder übte der Profiboxer später eine bestimmte Schrittfolge, es wollte aber partout nicht klappen. „Das ärgert mich. Ich mache Sport hauptberuflich. Es kann nicht sein, dass ich das nicht hinkriege“, schimpfte er. Die Probe wurde jäh durch einen Telefonanruf unterbrochen. Simons Schwester Amelie war dran teilte ihrem Bruder mit, dass Familienhund Kira verstorben sei.

Der 22-Jährige konnte seine Tränen nicht zurückhalten. „Sie war 13 Jahre alt, so lange war sie auch in unserer Familie – wir alle sind mit ihr aufgewachsen“, erzählte er traurig. „Sie lag neben uns, als wir ins Bett gegangen sind, und sie lag neben uns beim Aufstehen. Wir haben jeden Tag tolle Sachen mit ihr erlebt.“

Letztlich seien Training beziehungsweise Vorbereitung auf die Show eine gute Ablenkung gewesen, „und ich konnte es bei diesem Tanz auch gut verarbeiten. Ich habe einfach versucht, meine Trauer zu vertanzen“, sagte Zachenhuber. Die Choreografie hatte seine Partnerin gemacht. „Wir haben während des Trainings immer noch viel verändert, angepasst und überlegt: Was geht und was geht nicht“, erzählt der 22-Jährige. „Gerade bei der Hebefigur waren wir uns nicht sicher, ob wir sie drin lassen sollen, weil sie oft nicht geklappt hat. Aber letztlich haben wir gesagt: Das ist so gut, das müssen wir einfach probieren.“ Und es sollte klappen.

Um Hündin Kira trauert Simon Zachenhuber. 13 Jahre lang gehörte sie zur Familie.

Zachenhubers Angst war unbegründet. Mit Patricija Belousova bot er eine gelungene, sehr emotionale Vorstellung. Höhepunkt war die spektakuläre Hebefigur, als er seine Partnerin mit ausgestreckten Armen über seinem Kopf hielt. „Patricija war sehr stolz auf mich, und sie hat mich gleich nach dem Auftritt gelobt, dass wir es so gut hingekriegt haben“, erzählt er strahlend. „Mein Ziel war, dass ich da viel Emotionen reinstecke.“

Und das ist ihm gelungen, denn auch die Jury zeigte sich insgesamt zufrieden. „Das Zusammenspiel hat mir gut gefallen“, sagte Jorge Gonzalez und lobte die Choreografie. Nur an seiner Körperhaltung müsse Zachenhuber noch arbeiten. Sein Fazit: „Das war souverän – du hast Gefühle gezeigt.“

Motsi Mabuse gab dem 22-Jährigen mit auf den Weg, er solle sich nicht nur um seine Partnerin kümmern, sondern auch um sich selbst. Wenn er es dann hinkriege, seine Bewegungen richtig durchzuziehen, „dann wird das so was von großartig – und wir explodieren hier alle“.

Joachim Llambi hatte der zweite Teil des Tanzes besser gefallen als der erste. „Hinten raus wurde es freier“, analysierte er und gab dem 22-Jährigen den Typ: „Produziere dich hier.“ Er brauche keine Angst vor der Jury zu haben. „Wir sind lieb“, meinte Llambi augenzwinkernd.

Das zeigte sich auch in den Bewertungen. Mit den Punkten von Gonzalez (6), Mabuse (7) und Llambi (6) kamen Zachenhuber und seine Tanzpartnerin auf 19 Punkte, was am Ende zu Platz sechs unter zwölf Paaren reichen sollte.

Überragend war einmal mehr der Auftritt des isländischen Ex-Fußballers Rurik Gislason mit Profi Renata Lusin, die für ihren Jive das Top-Ergebnis von 30 Punkten einfuhren. Am Ende der Rangliste landete Ex-Tagesschausprecher Jan Hofer mit Christina Luft. Sie brachten es auf zwölf Zähler.

„Natürlich wünscht man sich immer ein bisschen mehr Punkte“, meinte Zachenhuber. „Aber wir nehmen das natürlich an.“ Auch die Kritik der Jury beschäftigt ihn. „Sie haben mir beim letzten Mal schon gesagt, dass ich mehr aus mir rausgehen muss, und ich denke, da habe ich schon einen guten Schritt gemacht. Ich komme auch immer mehr in den Tanzrhythmus rein, und ich denke, ich kann mich weiter verbessern.“

Als die Moderatoren Victoria Swarowski und Daniel Hartwich nach dem Zuschauervotum verkündeten, wer die Show verlassen muss, wurde es spannend. Für Zachenhuber/Belousova kam die Erlösung ziemlich schnell. „Es hat letztlich gereicht“, sagte der Reisener erleichtert. Er glaubt, dass es nicht so sehr die Punkte waren, die für sein Weiterkommen gesorgt haben, sondern die Anrufer: „Ich bin sehr, sehr dankbar dafür, dass die Leute uns so unterstützen.“

Er habe sehr viele positive Rückmeldungen von Freunden und Bekannten vor allem aus Erding bekommen. „Das macht mich so stolz, dass der ganze Landkreis hinter mir steht.“ Er sei „super glücklich, dass wir eine Runde weiter sind“. Das sah man ihm auch an. Mit Patricija Belousova jubelte er ausgelassen. Da war der Schmerz über den Verlust von Kira zumindest für einen Moment vergessen.

wk

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