Sie hätten gern wieder so auf dem Platz gejubelt: Jetzt steigt der FC Schwaig vermutlich über die Quotientenregelung in die Landesliga auf – wenn der Saisonabbruch tatsächlich beschlossen wird.
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Sie hätten gern wieder so auf dem Platz gejubelt: Jetzt steigt der FC Schwaig vermutlich über die Quotientenregelung in die Landesliga auf – wenn der Saisonabbruch tatsächlich beschlossen wird. Archivfoto

Kreisspielleiter rät: Auf Absteiger verzichten

So läuft das mit dem Saisonabbruch

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Nach dem Ligapokal soll nun auch die Saison im bayerischen Amateurfußball abgebrochen werden. Doch wer steigt auf, wer ab? Die wichtigsten Fragen.

Erding – Er sollte das der Presse eigentlich nicht sagen, vermutet Ludwig Schmidt, „Aber ich würde die nach der Quotientenregelung berechtigten Vereine zwar aufsteigen lassen, den Abstieg allerdings weglassen.“ Schmidt ist Spielleiter im Fußballkreis Donau/Isar, der die Landkreise Erding, Freising, Pfaffenhofen und Ingolstadt umfasst. Und mit seinem Vorschlag liegt er nicht direkt auf der Linie des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV): „Das ist ja auch nur meine ganz persönliche Meinung.“

Und damit sind wir schon bei den Diskussionen, die es spätestens seit Dienstagabend gibt. Wie berichtet, zieht der Verband aus der Lockdown-Verlängerung jene Konsequenzen, die er in seinem Vier-Stufen-Plan bereits angekündigt hat. Nach der Streichung des Ligapokals soll nun die Saison abgebrochen werden. Die wichtigsten Fragen dazu:

Wie soll die Saison bei einem Abbruch gewertet werden?

Die aktuellen Bestimmungen der Spielordnung sehen „eine Wertung für Auf- und Abstieg nach der Quotienten-Regelung unter Wegfall der Relegationsspiele vor“, heißt es in der Pressemitteilung des Verbands. Die erzielten Punkte werden also ins Verhältnis zu den Spielen gesetzt. Der Quotient entscheidet über die Platzierung. Keine Relegation bedeutet: Die Zweitplatzierten müssen in ihren Ligen bleiben. Die Teams, die nach unten auf einem Relegationsplatz stehen, haben wiederum nichts zu befürchten.

Gibt es besondere Härtefälle durch die Quotientenregelung?

In den A-Klassen und der Kreisklasse sind die Verhältnisse zwar zumeist (Ausnahme Berglern) eng, aber dennoch klar, während in der Kreisliga sowohl im Auf- als auch im Abstieg der direkte Vergleich herhalten müsste (siehe Kasten). Die Opfer wären der verhinderte Aufsteiger FC Lengdorf und Absteiger FC Erding, der sich wiederum für seine zweite Mannschaft freuen darf, die den Sprung in die A-Klasse schaffen würde. Freud und Leid auch beim FC Schwaig, der mit der Reserve in die B-Klasse müsste, während die Erste vor einem historischen Erfolg steht: der erste Aufstieg in die Landesliga. Natürlich immer vorausgesetzt, Bayerns Vereine stimmen für den Saisonabbruch.

Wie soll die Abstimmung ablaufen?

„Der Verband ist nichts ohne seine Vereine“, sagt Ludwig Schmidt. Natürlich gebe es Regularien, die zuvor festgelegt wurden und gegen die damals auch kein Verein gestimmt habe, „aber das ist eine total zerrissene Saison, ein absoluter Ausnahmefall. Da muss man nicht die eigene Meinung unbedingt durchdrücken. Deshalb finde ich es auch sehr gut, dass die Vereine befragt werden.“ Aber wie geht das vonstatten? Holt der BFV nur ein Meinungsbild ein und entscheidet dann doc¼h selbst in seinen Gremien? Oder gibt es eine Urabstimmung? Welche Mehrheit wäre dann nötig? Welchen Zeitrahmen setzt der Verband? Der BFV-Vorstand wollte dies in einer Sitzung am Mittwochabend beraten und am heutigen Donnerstag damit an die Öffentlichkeit gehen.

Über was genau soll abgestimmt werden?

Saisonabbruch mit oben genannter Wertung oder doch vielleicht eine ganz andere Lösung? Nicht nur Schmidt würde am liebsten auf Absteiger verzichten („Außer eine Mannschaft will freiwillig runter“). Es gibt auch einen offiziellen Brief an den Verband mit demselben Anliegen, den bereits 50 Vereine unterschrieben haben. Darunter sind zwar keine Landkreisclubs, aber die Meinung scheint dennoch weiter verbreitet. Zum Beispiel hat sich der FC Forstern (siehe Kasten) dafür ausgesprochen.

Kreisspielleiter Schmidt teilt diese Idee, gibt nur eins dabei zu bedenken: „Den Vereinen muss klar sein, dass es dann zu vergrößerten Ligen mit vielleicht 17 Mannschaften kommt und es immer schwerer wird, mit der Ersten und Zweiten gleichzeitig daheim zu spielen – speziell wenn die Zweite in der B- und C-Klasse in einer höchstens Zwölfer-Gruppe spielt.“

Gibt es noch einen anderen Ausweg?

Kreisspielleiter Schmidt würde sich wünschen, dass der Verband den Vereinen mehrere Modelle zur Auswahl vorlegt. Neben der Idee mit dem Absteigerverzicht auch den Vorschlag, die laufende Saison doch noch bis zum September durchzuspielen, um dann eine abgespeckte neue Saison zu spielen. Er selbst hat bereits schon mal einen komplett neuen Modus vorgeschlagen: Playoffs im Herbst und im Frühjahr. Es gebe also viele Möglichkeiten. Schmidt sagt aber auch: „Egal, welche Entscheidung der BFV fällt. Sie wird immer falsch angesehen. In unserer Gesellschaft ist dies nun mal so.“

Haben Vereine schon Klagen angekündigt?

Im Kreis Donau/Isar gibt es laut Schmidt bisher keine Androhungen, den Klageweg zu beschreiten. Karlskron, Karlshuld und Gerolfing hätten zwar den Protestbrief bezüglich der Abstiegsregelung unterschrieben, doch sonst sei ihm da nichts bekannt.

„Wenigstens nur eine Saison verkackt“ – Das sagen die Vereine

Marc Lindenblatt, Abteilungsleiter des FC Forstern: „Das Wichtige für uns ist, dass wir endlich Klarheit bekommen. Wir hängen seit Monaten in der Luft. Es gibt keine Planung für die aktuelle Saison und nicht für die nächste. Wir als FC Forstern halten aber nichts von einem Abstieg nach Quotienten. Diesen Blödsinn hatten wir bereits beim Ligapokal und sind mit einem Spiel ohne Niederlage ausgeschieden. Die aktuellen Spiele sind bei den meisten verzerrt, da sie gegen Ende durch viele Ausfälle nicht gespielt haben. Beendet die Saison ohne Absteiger und findet eine vernünftige Lösung für die Aufstiegsregel!“

Anton Bauer, Abteilungsleiter des FC Lengdorf: „Wir werden uns an den BFV mit der Bitte wenden, dass in unserer Kreisliga der Erste und der Zweite aufsteigt. Wir sind punktgleich mit Langengeisling und im direkten Vergleich nur um ein Tor schlechter. Und wenn uns nun auch noch die Chance genommen wird, Aufstiegsspiele zu bestreiten, dann sollte der Verband in dieser absoluten Mistlage, wie sie Corona nun mal gebracht hat, die Initiative zugunsten der Vereine ergreifen.“

Michael Fugmann, Spielertrainer des FC Lengdorf 2: „Zumindest hat es der BFV geschafft, dass nur eine Saison verkackt ist und nicht zwei, so wie bei den anderen Verbänden. Für mich persönlich ist es aber kein schönes Karriereende.“

Andreas Heilmaier, Abteilungsleiter der SpVgg Altenerding: „Der Verband hat ja nach der Lockdown-Verlängerung kaum noch eine andere Alternative. Vielleicht wäre es besser, die Runde bis zum September durchzuspielen, um doch noch einen Abschluss hinzubekommen. Und 2021/22 könnte man eine Einfachrunde spielen. Ich habe schon die Befürchtung, dass wir uns ansonsten die nächste Saison zerschießen. Dass nämlich bis im September auch die 20-Jährigen schon durchgeimpft sind, bezweifle ich. Für uns ist es natürlich sehr bedauerlich, dass wir nicht mehr die Chance bekommen, den Aufstieg zu schaffen. Aber momentan hat die Ligazugehörigkeit nicht die oberste Priorität . Hauptsache, wir kommen überhaupt mal wieder zum Spielen – in allen Altersklassen.“

Ralf Sandner, Mitglied der Abteilungsleitung des FC Erding: „Der bevorstehende Abbruch ist folgerichtig, so steht es in den Regularien. Es macht auch keinen Sinn, nochmal zuzuwarten. Der FCE wird deshalb für den Abbruch stimmen.“

Wolfgang Lang, Abteilungsleiter des FC Schwaig: „Der Verband will sich vermutlich absichern, um bei Klagen bessere Möglichkeiten zu haben. Interessant wird auch, ob und welche Optionen in dieser Abstimmung aufgezeigt werden, oder ob ,nur‘ die Zustimmung der Vereine bezüglich möglicher Klagen eingeholt wird. Wir freuen uns über den Landesliga-Aufstieg, es ist der größte Erfolg unserer Vereinsgeschichte. Allerdings muss unsere Zweite absteigen. Wir hätten uns gern noch der sportlichen Herausforderung gestellt. Das gilt natürlich auch für unsere Erste. Schade, dass sie den Erfolg nicht auf dem Platz feiern darf. Das sind super Typen, die hätten sich das verdient. Ganz ehrlich, die Saison ist schon so elendig lang, sie ist ja kaum mehr greifbar.“

Sieger/Verlierer

Sollte es im Fußball zum Saisonabbruch sowie der Wertung nach der Quotienten- und Auf- und Abstiegsregelung kommen, ergäbe sich folgendes Bild:

Bezirksliga

Der FC Schwaig hat aus 22 Spielen 48 Punkte geholt überflügelt damit dank des besseren Quotienten (2,18) den TSV Eching (49 Punkte/24Spiele/Quotient 2,04) und steigt damit in die Landesliga auf. Der FC Finsing (11/24,046) muss dagegen zurück in die Kreisliga. Der FC Moosinning (44/23/1,91) hätte auch gern noch in den Aufstiegskampf eingegriffen. Er wird in der Bezirksliga Nord bleiben. In der Ost-Gruppe ist der TSV Dorfen (26/221,18) alle Abstiegssorgen los.

Kreisliga

Mit 45 Punkten aus 19 Spielen liegen der FC Langengeisling und der FC Lengdorf gleichauf. Die Geislinger steigen auf, weil sie im direkten Vergleich nach der 1:2-Hinspielniederlage zuhause 2:0 gewonnen haben. Ein Tor entscheidet also über den Aufstieg. Noch dramatischer ist es im Abstiegskampf. Der FC Erding muss in die Kreisklasse, obwohl er punktgleich mit dem SC Kirchasch ist, die gleiche Tordifferenz aufweist. Allerdings hat der KSC zwei Tore mehr erzielt. Der direkte Vergleich konnte nicht herangezogen werden, weil nur eine Partie gespielt wurde, die übrigens 1:1 endete.

Kreisklasse

Der SV Walpertskirchen (42/19/2,21) steigt auf. Der SC Moosen (41/19/2,16) hatte lange die Tabelle angeführt, allerdings nach dem Re-Start eine kurze Schwächephase. Schade: Die zweite Partie zwischen den beiden Teams stand noch aus. Der Abstieg des FC Türkgücü Erding (5/19/0:26) war schon früh klar. Auch der VfB Hallbergmoos 2 muss runter. TuS Oberding und Finsing 2 dürften froh sein, dass keine Relegation gespielt wird.

A-Klasse

Der SV Eintracht Berglern hat die A-Klasse 7 beherrscht (47/18/2,61) und steigt hochverdient auf. Der FC Langengeisling 2 (34/17/2) bedauert, dass er keine Relegationsspiele bestreiten darf. Von dieser Regelung profitiert der Tabellen–zwölfte SC Moosen 2 (11/18/0,61), während der FC Schwaig 2 (4/16/0,25) runter muss. In der A 8 hat der TSV Isen (46/15,3,07) nur eine Partie verloren und darf künftig in der Kreisklasse spielen. Der FSV Steinkirchen 2 (8/17/0:45) muss in die B-Klasse.

B-Klasse

Rot-Weiß Klettham 2 (37/15/2,47) und der FC Erding 2(36/15/2,40) aus der B-Klasse 5 haben die Rückkehr in die A-Klasse ebenso geschafft wie Walpertskirchen 2 und Ottenhofen 2 (beide (33/15/2,2). In die C-Klasse muss Langenpreising 2 (4/14/0,29) sowie der TSV Grüntegernbach 2 (1/14/0,07).

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