Urlaub ist schön: Marina Rappold mit dem Pferd einer Freundin.
+
Urlaub ist schön: Marina Rappold mit dem Pferd einer Freundin.

Sogar Olympiasportler gönnen sich nach einer anstrengenden Saison eine Pause

Soll ich im Urlaub laufen – oder nicht?

Die Weitstreckenläuferin Marina Rappold erzählt über ihre Urlaubsroutine und gibt Tipps zu Trainingspausen.

Unterschwillach – Vergangene Woche wurde ich gefragt, ob ich eigentlich im Urlaub laufen würde oder eher die Beine hochlegen. Und damit meine ich nicht den Urlaub auf Balkonien, sondern an der Nordsee, auf Malta oder in Griechenland. Diese Frage konnte ich gar nicht so richtig beantworten. Aber ich habe mir hier einmal ein paar Gedanken dazu gemacht.

Laufen soll ja in erster Linie Spaß machen und nicht zum Zwang werden. Deswegen würde ich mich im Urlaub zuerst einmal fragen, ob ich gerade wirklich Lust aufs Laufen oder eine Form von Bewegung habe. Falls dem so ist, spricht meiner Meinung nach nichts gegen ein Läufchen entlang der Amalfi-Küste.

Ist es aber eher so, dass es eher die Routine ist, welche euch einholt oder ihr Bedenken wegen dem Haufen an frittierten Kalamari habt, welche es gestern zum Abendessen gab, würde ich es mir dreimal überlegen, die Laufschuhe zu schnüren.

Dagegen sprechen zwei triftige Gründe:

1. Urlaub soll ja dafür da sein, festgefahrene Routinen zu durchbrechen. Wir können bis 10 Uhr morgens im Bett bleiben, wir müssen keine Gedanken an die Arbeit verschwenden, und es ist uns auch erlaubt, abends mehr als ein Glas Rotwein zu trinken. Es darf alles so sein, wie es sonst nicht ist. Das betrifft auch unsere Laufroutine. Wenn wir 50 Wochen im Jahr regelmäßig laufen gehen, ist es unproblematisch und auch gesundheitlich unbedenklich, zwei Wochen im Jahr nicht einmal den linken Zeh zu rühren, falls uns danach ist. Ein Olympiasportler macht nach Olympia nämlich nicht auch so weiter wie bisher, sondern normalerweise nur eins: Saisonpause. Und die darf man im Urlaub gerne einläuten.

2. Urlaub soll ja bekanntermaßen dafür da sein, erholt und im besten Falle hoch motiviert in den Alltag zurückzukehren. Ich mache es einmal bildlich: Wenn ein Rennpferd zwei Wochen auf der Koppel steht und abends im Stall den besten Hafer bekommt, wird es zwar nach zwei Wochen vier Kilo mehr wiegen, aber mit den Hufen scharren. Bekommt es dann den Sattel und sein Zaumzeug aufgelegt (sind bei euch Turnschuhe und kurze Hose), tänzelt es bereits vor Vorfreude schon leicht auf der Stelle (bei euch geht auch der Puls leicht hoch, wenn ihr an den Startschuss beim Erdinger Stadtlauf in zwei Wochen denkt). Und dann, ja dann galoppiert das Pferd vom Hof und erfreut sich seiner Form (ihr lauft, wie immer, die ersten Meter zu schnell los und findet dann aber bald euer Tempo, in dem ihr euch wohlfühlt und entspannt, auch weil das Laufen fast noch besser geht als vor dem Urlaub).

Versteht ihr, was ich meine? Wichtig ist also nicht, nach dem Urlaub in der körperlichen Höchstform zurückzukommen, sondern vor allem wieder richtig Lust aufs Laufen zu haben. Motivation ist das A und O und fast das Wichtigste, wenn es darum geht, regelmäßig zum Laufen zu gehen.

Deswegen liegt es an euch, ob ihr auch im Urlaub laufen geht oder nicht. Tut es eurer Seele gut und ihr wollt die Natur laufend entdecken, spricht nichts dagegen, aber auch ein Olympiasportler macht mal Pause. Deswegen ist es auch nicht verwerflich zwei Wochen nichts zu machen. Wichtig ist nur, motiviert wie das Pferd zurückzukommen. Wie ich persönlich verfahre? Ich bin auch schon im Urlaub gelaufen, aber im Sommerurlaub mache ich meistens das Pferd. Und ihr?

Übrigens ist das auf dem Foto nicht mein Pferd, sondern das Pferd einer lieben Freundin von mir. Viel Spaß wünsche ich euch beim Wiedereinstieg nach der Laufpause.

Marina Rappold

Tipps von der Expertin

Marina Rappold ist deutsche U23-Vizemeisterin über 10 000 Meter, holte Teamgold im Halbmarathon und gewann den Münchner Silvester- sowie den Erdinger Stadtlauf .Heuer wollte die 23-Jährige aus Unterschwillach den ersten Marathon ihres Lebens bestreiten, doch eine Verletzung hat sie vorerst ausgebremst. Den Lesern der Heimatzeitung gibt die angehende Grundschullehrerin Tipps und Ratschläge rund ums Laufen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare