+
Über 250 Spielzüge kann eine Partie gehen.

Das Brettspiel Go

Das Spiel der Samurai und Physiker

  • schließen

15 Erdinger Schüler waren bei den Go-Schulmeisterschaften in Jena. Die Faszination des Strategiespiels erklärt Dr. Klaus Flügge.

Erding/Jena – Das strategische Brettspiel Go ist im fernen Osten beheimatet. Die Richtung stimmte, aber ganz so weit musste die Erdinger Delegation dann doch nicht reisen. Schüler der beiden Gymnasien beteiligten sich in Thüringens Universitätsstadt Jena mit fünf Teams an der Deutschen Schul-Go-Mannschaftsmeisterschaft. Magdalena Polanska (9. Klasse ), Daniel Tchoudovski (8.) und Florian Kräft (Q 12) holten dabei Platz vier für das Anne-Frank-Gymnasium.

Die vier anderen AFG- und KAG-Teams maßen sich mit 25 weiteren Mannschaften im Hans-Pietsch-Memorial, einem Vorgabe-Turnier, bei dem für die Chancengleichheit stärkere Spieler mit einem Handicap belegt werden. Dabei durften sich die AFG-Schüler Tommy Tran (8.), Felix Hahn und Philipp Bauer (beide 6.) über Silber freuen. Die weiteren Teams belegten die Plätze sechs, acht und zehn.

Soviel zu den Ergebnissen, aber worin liegt eigentlich die Faszination in diesem Brettspiel? Wir fragten nach bei Dr. Klaus Flügge.

Herr Dr. Flügge, wie kommt es, dass es in Erding so viele Go-Spieler gibt?

Anfang der 1980er-Jahre wollte ich gern Go spielen. Damals gab es noch kein Internet. Deshalb habe ich eine Gruppe gegründet. Ein Freund, Karl Scheitler, startete schließlich die Go-AG im Erdinger Gymnasium. Nachdem das Korbinian-Aigner-Gymnasium fertiggestellt war, wurde dort auch sofort eine Go-Gruppe gegründet.

Das heißt, man kann Go nur erlernen, wenn man in einem der beiden Gymnasien ist?

Nein, seit über 30 Jahren trifft sich die Erdinger Go-Spielrunde jeden Montagabend in unserem Dojo unter meiner Adresse in meinen früheren Praxisräumen. Unsere Besten spielen in der 3. Liga. Übrigens unter dem Namen „Erdinger Kampfklumpen“, als Anspielung auf eine ineffiziente Ansammlung von Steinen. Inzwischen werden natürlich auch sehr viele Spiele übers Internet ausgetragen. Die Bundesliga wird dominiert von den Go-Hochburgen wie Hamburg, Berlin oder Bonn.

Es gibt eine Bundesliga?

Es gibt auch eine Go-Schule in Jena. Aber das ist natürlich nichts im Vergleich zu Asien, wo es zum Beispiel in Korea üblich ist, dass die Kleinen schon im Kindergarten Go erlernen. In Japan, China, Taiwan und Korea gibt es Profispieler, allein in Japan sind es über 400.

Haben Sie schon mal gegen einen Profi gespielt?

Ja, gegen einen japanischen Weltmeister. Er hatte mir sechs Steine vorgegeben, so dass meine Siegchancen theoretisch bei 50 Prozent waren.

Und Sie haben gewonnen?

Sagen wir mal so: Der Weltmeister war sehr höflich, aber verlieren wollte er dann doch nicht.

Wie hoch ist der Stellenwert dieses Brettspiels in Asien?

Enorm. Früher, also vor 50 Jahren, hatte zum Beispiel jeder japanische Wirtschaftsboss einen Dan-Titel im Go. Und wenn wir noch weiter zurückgehen: Jeder Samurai, aber auch jede Geisha musste das Spiel beherrschen. Was die Japaner übrigens nicht so gern hören, ist, dass das Spiel aus China stammt, dort schon im zweiten Jahrtausend vor Christus gespielt wurde und später von buddhistischen Mönchen weitergegeben wurde. In China war das Spiel übrigens als „Herrschaftswissen“ während der Kulturrevolution verboten, und Go-Spieler wurden ernsthaft wegen „Intellektualismus“ verfolgt. Mir hat einmal ein österreichscher Professor erzählt, dass damals jene, die beim Spielen erwischt wurden, mit dem Go-Brett erschlagen wurden. In Korea wurde ein Präsident des Go-Verbands Ministerpräsident. In den letzten 20 Jahren beherrschten koreanische Spieler das weltweite Go-Geschehen. In Japan haben viele Jahre die großen Zeitungen Go gesponsert, daneben Weltfirmen wie Toyota – wie übrigens auch in Erding.

Weil wir gerade bei den asiatischen Superlativen sind. Wer ist eigentlich der Leo Messi der Go-Spieler?

Der Beste der Welt ist seit 2016 Alpha Go, das ist ein Computerprogramm. Seine Spielstärke dürfte beim 11. Dan liegen, also zwei über den eigentlichen Profis. Der beste Erdinger ist derzeit Adrian Kittlitz, der an der Pforte zum 1. Dan steht. Der beste deutsche Spieler hat die Stärke 6. Dan.


Zurück zu Ihrer Erdinger Gruppe: Wie ist das denn so, wenn man mit 15 Kindern unterwegs ist?

Wir waren drei erwachsene Begleiter und hatten eine lange Anreise. Wir sind nachmittags in Erding los und kamen dann kurz vor 23 Uhr im Carl-Zeiss-Gymnasium an, wo wir gerade noch etwas zu essen bekamen. Wir wurden in Klassenräumen untergebracht. Darüber hinaus stand eine große Turnhalle zur Verfügung sowie die großzügigen Außenanlagen. Das ist eine interessante Schule, mit dem Schwerpunkt Mathematik und Physik. Aus Jena kommt übrigens auch die Go-Europameisterin, eine Professorin für Bionik, die das Turnier in Jena organisiert hat.

Haben Sie auch ein bisschen was von der Stadt Jena gesehen?

Das Wochenende gehörte ganz dem Go, da die Schule etwas außerhalb lag. Vor der Abfahrt reichte es für einige gerade noch, in die Altstadt zu schauen. Für Felix Hahn, der das Hans-Pietsch-Memorial seiner häuslichen Geburtstagsfeier vorgezogen hatte, und Florian Kräft, der am Montag in der S-Bahn seinen 18. Geburtstag feierte, haben wir ein Ständchen gesungen. Spannend war übrigens die Rückfahrt. Wir entkamen nur knapp einem Unwetter, mussten aber auf unseren IC verzichten und kamen erst nach Mitternacht zurück.

Welche Grundfähigkeiten sollte jemand mitbringen, der das Spiel erlernen will?

Spaß am Denken und Spielen. Das Spiel ist von großem Nutzen, um seine Konzentrationsfähigkeit zu steigern und strategische Handlungspläne zu erlernen. Hier geht’s schließlich teilweise um mindestens zwei Stunden Wissen und höchste Konzentration bei etwa 250 Spielzügen. Die Mehrzahl der Spieler sind IT-Leute, Mathematiker, Physiker, Ingenieure und ähnliches. Go war übrigens Bestandteil der World-Mind-Games in London. Da wurde neben Schach, Go und Bridge kurioserweise auch noch Dame gespielt.

Apropos Dame: In der Erdinger Gruppe war nur ein Mädchen dabei. Ist Go ein Buben-Spiel?

Wenn ich über zehn Prozent weibliche Teilnehmer am Turnier habe, bin ich schon zufrieden. Ich hatte vier Jahre lang mehrere Mädchen in der Gruppe, die toll gespielt haben und besser als die Jungs waren. Aber dann wurden sie 13 und interessierten sich mehr für Jazzdance und musische Zusatzangebote ihrer Schule – und ich hatte mit meinem Angebot keine Chance mehr. Das soll aber nicht heißen, dass ein Go-Spieler eingleisig fahren muss. Das Gegenteil ist bei uns der Fall. Das sind keine Eigenbrötler. Die machen alle noch Taekwondo oder einen anderen Sport, lernen ein Instrument und sind im Chor und Orchester.

Die Teilnehmer in Jena:

Tobias Hoffmann, Roman Pirsig, Florian Kräft, Daniel Tchoudovski, Felix Hahn, Szymon Polanski, Tommy Tran, Philipp Bauer, Magdalena Polanska (alle AFG) ,Johannes Neueder,Lucas Kastner, Andreas Dorfner, Gabriel Pisani, Emil Guist und Stephanie Ames (alle KAG).

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nur eine Fusion bringt den Erdinger Jugendfußball weiter
Nach dem Aus der A-Jugend der JFG Sempt Erding ist für uns klar: Nur eine Fusion bringt den Erdinger Jugendfußball weiter. Alle würden davon profitieren - auch die SpVgg …
Nur eine Fusion bringt den Erdinger Jugendfußball weiter
Mit zwei Hundertsteln Vorsprung zum Titel
Eichenried – Der Landkreis Erding hat einen neuen Europameister. Der 32-jährige Franz Aschenbrenner aus Eichenried gewann die Drag Racing Super Pro ET 2018. Bei der aus …
Mit zwei Hundertsteln Vorsprung zum Titel
Pastettener schlagen zu
Pastetten – In Hohenbrunn im Landkreis München wurden die bayerischen Meisterschaften in Moderner Schwertkunst ausgetragen. Mit dabei auch ein Team von der TSG …
Pastettener schlagen zu
Volle Zuschauerränge, leeres Punktekonto
Buch – Bittere Heimpleite für die Luftgewehrschützen von Buchenlaub Buch in der 2. Bundesliga Süd. Das Schützenheim war bis zum letzten Platz gefüllt, aber die Zuschauer …
Volle Zuschauerränge, leeres Punktekonto

Kommentare