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Sportlerin des Jahres: Amelie Zachenhuber – die Reisenerin verteidigte ihren Titel

30. Sportlerwahl

Sportlerin des Jahres: Amelie Zachenhuber verteidigt Titel

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Sie bleibt die Königin des Erdinger Sports: Amelie Zachenhuber ist Sportlerin des Jahres. Auf Platz zwei landete Annalena Hennig und auf drei Emma Winter.

ErdingSie bleibt die Königin des Erdinger Sports. Amelie Zachenhuber hat erneut ihren Titel verteidigt, ist wieder unsere „Sportlerin des Jahres“ und hat einmal mehr die meisten Stimmen aller Athleten und Teams gesammelt.

Eines ihrer großen Highlights der vergangenen Saison: der Start bei den offenen Meisterschaften in Berlin. Der Youngster schaffte dann sogar mehrfach den Sprung ins Finale und schlug dann über 50 Meter Schmetterling auch noch als Dritte an. Bronze bei den Erwachsenen – als 15-Jährige. Und das Ganze live im Fernsehen, weil die ARD übertrug.

„Ich denke alle zwei Sekunden ans Schwimmen“

Geht’s noch besser? Ja, sagt Zachenhuber, und schwärmt vom European Youth Olympic Festival, das in Baku/Aserbeidschan stattfand. „Wenn ich zurückblicke, würde ich alles dafür tun, um genau diese Woche nochmal zu erleben“, meint die Schwimmerin. Seit Baku sei ihr Wunsch, irgendwann bei Olympia dabei zu sein, noch größer geworden. „Ich stehe auch auf der Longlist für Tokio. Allerdings war oder ist natürlich die Chance nicht so groß, sich zu qualifizieren, wenn keine Wettkämpfe stattfinden“, sagt sie und bedauert die momentane Situation. Natürlich gebe es keine Alternative zu den derzeit geltenden Ausnahmebeschränkungen, „aber ich denke alle zwei Sekunden ans Schwimmen“.

Momentan ist Zachenhuber zuhause in Reisen, wo sie gemeinsam mit ihrem Bruder Simon, dem Profiboxer, Lauf- und Krafteinheiten macht. Aber lieber wäre sie natürlich im Nürnberger Sportinternat. Sie vermisst ihren Alltag, diesen Alltag einer Leistungssportlerin. Wie der aussieht? 5.45 Uhr aufstehen, kurzes Frühstück, Telefonat mit Mama Rosi („Die freut sich total, so früh geweckt zu werden“). Dann geht‘s zum Frühtraining von 7 bis 9.10 Uhr, dann Schule von 9.45 bis 15.45 Uhr und Training in Erlangen um 16.45 Uhr. „Da braucht man aber eine Stunde mit U-Bahn, Regio und Bus hin, also ist das auch immer eine knappe Sache“, erzählt Amelie Zachenhuber. „Aber jeder ist überpünktlich, denn sonst gilt man als undiszipliniert.“

Glücklich über das Interesse in der Heimat

Bevor es für zwei Stunden ins Wasser geht, sei aber erst eine Stunde lang Landtraining angesagt. Zachenhuber: „Das ist jeden Tag anders: Montag laufen, Dienstag Krafttraining, Mittwoch Rumpfstabi, Donnerstag Athletik, Freitag Yoga und Samstag Fußball oder Spinning.“ Nach 21 Uhr ist sie zurück im Internat. Noch was essen (aber nichts Falsches), „und dann schau ich, dass ich so schnell wie möglich noch Hausaufgaben mache und ins Bett komme“.

Der Lohn für diese Mühen: Neben den Medaillen und dem Traum von Olympia ist es die Wahl der Leser. „Das ist natürlich der Wahnsinn, dass es so viele treue Fans in und um Erding gibt, die mich mögen und wählen. So merkt man auch, dass die Leute ein wenig unseren Schwimmsport verfolgen und sich für meine sportliche Entwicklung interessieren.“

Annalena Hennig und der gelebte WM-Traum

Platz zwei: Annalena Henning schwärmt noch heute von der Cheerleading-WM.

Für Annalena Hennig zählt normalerweise nur der Sieg. „Der Zweite ist der erste Verlierer“, sagt sie. „Aber bei einer Leserwahl ist das natürlich schon wirklich eine tolle Sache, da ganz vorne zu landen.“ Zumal die 18-Jährige eine Sportart betreibt, die nicht allzu oft im Fokus steht: Cheerleading. Doch die Eichenriederin, bekannt auch als glänzende Turnerin und Funkenmariechen, schaffte es bis in die Nationalmannschaft. Und die wiederum hatte sich sensationell für die A-WM qualifiziert. Die zweieinhalb Wochen, die sie mit den Teamkolleginnen in Orlando verbrachte, bezeichnet Hennig als „mein Highlight schlechthin“. 

Dem großartigen Erlebnis folgte der Schock. Hennig bekam Zitteranfälle. „Das kam aus dem Nichts“, erzählt sie. Erstmal habe sie weitertrainiert. Aber dann wurde es dramatisch. „Ich wurde bewusstlos – mitten unterm Turnen und sogar, als ich bei einer Figur in der Pyramide stand.“ Die Ärzte standen vor einem Rätsel. „Epileptische Anfälle haben sie ausgeschlossen, aber Genaueres wussten sie auch nicht.“ Die Folge war ein sehr langes Sportverbot.

Freundinnen sorgen für Ablenkung

Und das will niemand. „Wenn ich mich nicht auspowern kann, bin ich unausgeglichen“, sagt die Gymnasiastin. „Aber es blieb mir ja nichts anderes übrig, und zum Glück haben mich meine Freundinnen ein wenig ablenken können“.

Seit Dezember ist die Eichenriederin regelmäßig bei einem Heilpraktiker – mit Erfolg. „Seit Januar habe ich keine Anfälle mehr“, berichtet sie. Sie treibe jetzt, nachdem sie vom Arzt die Erlaubnis erhalten hat, auch wieder Sport.

Nächster Schritt Tänzerin?

Und wer Annalena Hennig kennt, der weiß: Sie meint damit nicht, einmal ums Haus radeln. Das sieht vielmehr so aus: Tanzen, Workout, Ausdauertraining – da komme sie schon auf sechs Stunden Sport pro Tag, rechnet sie vor. Das Powergirl hat in kaum zwei Wochen ihren Showtanz als Funkenmariechen einstudiert und wieder mit dem Cheerleading angefangen. „Eigentlich wollte ich noch an der DM teilnehmen und dann mit dem Cheerleading aufhören, aber die ist ja jetzt leider wegen der Corona-Pandemie ausgefallen.“

Klar ist: Annalena Hennig wird weiter Sport treiben. Im Turnen gehörte sie schon zu Bayerns Besten, „aber mir gefällt eigentlich nur das Bodenturnen“, gibt sie zu. Vermutlich werde es wohl aufs Tanzen hinauslaufen. Und vermutlich wird sie nicht zum letzten Mal unter den Top Fünf unserer Sportlerwahl sein.

Emma Winter: Die Bürde des EM-Titels

Platz drei: Emma Winter, hier mit Trainer Peter Lutzny wurde Europameisterin

Das gilt auch für Emma Winter, die Kickbox-Europameisterin, die sich mächtig über die Wahl freute. „Damit habe nie gerechnet. Dass mich so viele gewählt haben, ehrt mich schon sehr. Danke an alle!“

Der EM-Titel sei das Sahnehäubchen auf ein tolles Jahr gewesen. Als Juniorin rückte sie in die Nationalmannschaft auf und wuchs förmlich über Turniere und Kaderlehrgänge in den Kader hinein. „Nächstes Jahr, wenn ich bei den Senioren starte, werde ich gut ins Team aufgenommen“, ist sie sich sicher. Und der EM-Titel? „Das war natürlich das bedeutendste Ereignis. Dort konnte ich sehen, wie sich harte Arbeit auszahlt.“ Da habe sie auch gemerkt, „wie sehr mir mein Verein, der KBV Erding, in jeder Situation geholfen hat – mit tollen Trainingspartnern, Trainern und super Möglichkeiten, mein Niveau zu steigern. Freilich hat mir auch das Sponsoring von FMC Immobilien vieles erleichtert.“

Gegnerinnen, mit denen nicht zu spaßen ist

Alles gut? Das würden Leistungssportlerinnen nie sagen. „Ich hatte in manchen Kämpfen sehr mit mir und meinem Kopf zu hadern, da ich 2019 Gegnerinnen hatte, mit denen nicht zu spaßen ist. Das sind Blockaden im Kopf, die jeder Sportler kennt und die man nur mit zunehmender Erfahrung in den Griff bekommen kann.“

Und sie weiß auch, dass der EM-Titel eine gewisse Last ist. „Sobald man so einen Titel hat, denkt man häufig, man müsse anderen es jetzt beweisen, dass man sich den Titel schon verdient hat. Man darf nicht mehr verlieren, sonst müsse man sich schämen.“ Das müsse man von sich abschütteln. „Denn ich muss niemandem etwas beweisen. Was ich geschafft habe, habe ich geschafft, und das müssen andere auch erstmal schaffen.“

Schlechte Nachricht für die anderen: Winter wird noch besser werden. Nach dem Abi konzentrierte sie sich – bis sie im September eine Polizeiausbildung beginnt – voll auf den Sport. Sie hat heuer bereits den Offenen Bayernpokal und die Irish Open gewonnen. Ob Ende August die Junioren-Weltmeisterschaften steigen oder die Senioren-EM und im Jahr 2021 die World Combat Games, weiß heute noch niemand. Aber Emma Winter wird sich darauf vorbereiten: zwei Einheiten pro Tag während der heißen Phase mit ihrem Trainer Peter Lutzny, der sich, so Winter, „immer unfassbar viel Zeit und Nerven für seine Sportler nimmt“. Und der mächtig stolz ist auf seine Topsportler.

Dieter Priglmeir

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