Mannschaft des Jahres: TSV Erding – Die Gladiators waren auch 2019 wieder der Publikumsmagnet im Landkreissport.

30. Sportlerwahl – Die Top drei der Teams

Mannschaft des Jahres: Die unbezwingbaren Gladiators

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Bei der Sportlerwahl des Erdinger/Dorfener Anzeiger verteidigen die Gladiators ihren Titel, der FC Schwaig und Pastettens Aerobicturnerinnen landen in der Top 3.

Erding – Natürlich wissen die Gladiators, wie sich Niederlagen anfühlen. Daniel Krzizok erinnert sich „an das saublöde Gegentor in letzter Sekunde gegen Grafing“ oder an das Heimspiel gegen Passau mit einer Flut von irregulären und fälschlich aberkannten Toren. „Da waren wir eigentlich die bessere Mannschaft und gehen mit einer 3:7-Klatsche raus“, erzählt der All-Time-Topscorer der Erdinger Eishackler.

Aber eigentlich sind die Gladiators das Siegen gewohnt. Bereits zum vierten Mal in Folge setzte sich das Team bei unserer Sportlerwahl durch. Krzizok freut sich mächtig über die Auszeichnung. Es sei auch ein Zeichen dafür, dass die Zuschauer registriert haben, „dass wir ja eine sehr zufriedenstellende Saison gespielt haben, wenn man bedenkt, welche finanziellen Mittel uns im Vergleich zu anderen zur Verfügung stehen“. Mit ein bisschen Glück, so glaubt er, wäre Platz zwei in der Zwischenrunde möglich gewesen – und mit weniger Verletzungspech.

Erding Gladiators sichern sich den ersten Platz

Die schwere Verletzung von Goalie Christoph Schedlbauer sei ein herber Schlag gewesen. „Er hat unglaublich gehalten. Ich kann mich an keinen Fehler erinnern.“ Von der Ruhe, die Schedlbauer ausstrahlt, profitiere die ganze Mannschaft. „Wenn du weißt, dass du den ersten Schuss ruhig dem Torwart lassen kannst, dann ist das für die Verteidiger und für uns Stürmer schon angenehm.“ Und noch einen hebt der 31-jährige Außenstürmer hervor: „Philipp Michl hat seine beste Saison überhaupt gespielt. Wie unser Spielmacher bei Über- oder Unterzahl vorangegangen ist, das war vorbildlich.“

Aber als Vorbild taugt das komplette Team, in dem schließlich jeder noch einem Beruf nachgeht. Bayernliga, das ist zwar nur die vierthöchste Klasse, „aber inzwischen hat sich der Aufwand in der Bayernliga dem angeglichen, was wir in den Oberliga-Jahren hatten“, meint Krzizok. Im Klartext heißt das für ihn: Um 5.30 Uhr aufstehen und nach der Arbeit sofort aufs Eis. „Da kommst du nicht vor 21 Uhr heim.“ Und damit meint er nur die Trainingstage. „Aber das ist halt unsere Leidenschaft“, sagt er und denkt an den Teamkollegen Rudi Lorenz: „Der sagt jedes Jahr, dass er aufhört, und dann macht er doch weiter.“ Und das, obwohl man Jahr für Jahr Verletzungen in die nächste Saison zieht. Die Schulter, das Syndesmoseband, das Knie – „mit fast 31 braucht man auch länger für die Regeneration“, sagt Krzizok. Wie wär’s mit einer Pause? „Macht ein Eishockeyspieler nicht.“

Kein Wunder, dass ihm auch die durch die Corona-Pandemie bedingte Zwangspause nicht gefällt. „Wir hätte natürlich noch gerne die Playoffs gespielt“, sagt er und bedauert zudem, „dass wir unsere Abschlussfeier mit den Fans nicht machen können“. Jene Fans, die sie erneut zur Mannschaft des Jahres gemacht haben.

FC Schwaig: Ein Jahr extremer Momente

Der FC Schwaig hat schon 107 Jahre auf dem Buckel, doch 2019 war eines der wichtigsten: Das hat natürlich viel mit dem Bezirksliga-Aufstieg, dem größten sportlichen Erfolg der Clubgeschichte zu tun. Kapitän Tobi Jell erinnert sich gern an die vier Relegationsspiele. „Vor so vielen Zuschauern zu spielen, ist ein einmaliges Erlebnis. Vor allem wenn ich an das entscheidende Spiel in Habach denke. Was unsere Fans da auf die Beine gestellt haben, und wie sie uns 90 Minuten angefeuert haben, da bekomme ich immer noch Gänsehaut.“

Platz zwei: FC Schwaig – Die Fußballer feierten rauschende Feste – wie hier beim Aufstiegsspiel in Habach.

Doch da waren auch die Momente, in denen der Sport völlig in den Hintergrund geriet: der plötzliche Tod von Vereinswirt Frank. Und der tödliche Verkehrsunfall von Franz Hellinger jr., Schiedsrichterobmann, gute Seele des Vereins und Vater von Maxi Hellinger. Als der Sohn wenige Tage nach dem Unglück wieder auf den Platz ging und im Derby gegen Moosinning das entscheidende Tor erzielte, umarmten ihn sogar die Gegenspieler – große Gesten, die den Sport in seiner schönsten und wichtigsten Weise zeigten.

„Schwaiger Weg“ kommt gut an

„Schwaiger Weg“ nennen die Sportfreunde das, was Vorsitzender Robert Jell, Fußballchef Toni Scheckenhofer und Co. durchziehen. Sportlich hat sich das gelohnt. Und das kommt offenbar auch in der Öffentlichkeit gut an. Tobi Jell jedenfalls sieht die Wahl der Heimatzeitung als eine „Auszeichnung und Bestätigung durch die Leser des Erdinger Anzeigers, dass honoriert wird, wenn Schwaiger Eigengewächse, verstärkt durch Freunde, attraktiven Fußball spielen“.

Den sportlichen Erfolg sieht Jell als Teamleistung. Auf die Frage, wen man dennoch hervorheben soll, fällt ihm sofort Vincent Sommer ein. „Unser Youngster hat uns mit seinen Toren enorm geholfen.“ Der Kapitän dankt auch den Fans, „die jedes Auswärtsspiel zu einem Heimspiel gemacht haben“ und lobt das „Team hinterm Team, unsere Greenkeeper, die Platzkassiere, Stadionsprecher, Pressesprecher, Trainer, Betreuer, Abteilungsleitung und Vorstand – nur so funktioniert es im Amateurbereich, wenn alle voll dahinter stehen und an einem Strang ziehen“.

TSG Pastetten: So gut wie nie zuvor

Platz drei: TSG Pastetten – Die Aerobicturnerinnen hatten ihr erfolgreichstes Jahrs.

Das ist auch die Stärke der TSG Pastetten. „Der Start mit den vielen Verletzungen sah nicht so rosig aus“, erzählt Alicia Hartinger, die die Aerobicturnerinnen gemeinsam mit ihrer Schwester Ramona und Mutter Manuela trainiert. Aber die TSG hielt zusammen. Das Ergebnis: „Es wurde die erfolgreichste Saison seit über 20 Jahren“, sagt Manuela Hartinger. Das Beste kam zum Schluss: Bei der deutschen Meisterschaft holte die TSG Bronze. Beim internationalen Alpencup landeten alle Teams auf dem obersten Stockerlplatz. Ganz nebenbei erwiesen sich die Pastettener Goldmädels auch als hitzebeständig (es war brütend heiß in der Halle) – und als nervenstark. Die DM musste wegen eines Feueralarms kurzzeitig unterbrochen werden. „Beim Aufwärmen und Dehnen im Standspagat ist eine Turnerin versehentlich mit dem Fuß auf den Melder gekommen“, erzählt Alicia Hartinger und fügt hinzu: „Zum Glück war das niemand von uns.“

Pastettener Erfolg als Ergebnis von Teamarbeit und Freundschaft

Der Pastettener Erfolg – für die Hartingers ist dies das Ergebnis „von Teamarbeit und Freundschaft. Jeder Einzelne liefert seinen individuellen Beitrag und macht die Momente einzigartig und besonders“, so Ramona Hartinger. „Der gemeinsame Elan, die Rücksicht aufeinander, aber auch das gegenseitige Pushen – das ist unübertreffbar. Jedes Training und jeder Wettkampf bereitet Spaß.“ Das sei eben auch der Verdienst ihrer Mutter Manuela, die die TSG-Gruppe aufgebaut hat und stets die besten Leistungen rauskitzelt, Sie macht dies seit 20 Jahren, in denen sich nicht nur der Name (von Sportaerobic zu Aerobicturnen) geändert hat. Die Anforderungen werden immer anspruchsvoller, meint Alicia Hartinger, „aber dadurch wird es nie langweilig“. Der Spaß stehe weiter im Vordergrund, „aber einen Arschtritt gibt’s und braucht es trotzdem manchmal“, so die junge Trainerin, die hofft, das einige Wettkämpfe wie die deutsche Meisterschaft in der zweiten Jahreshälfte nachgeholt werden. „Das ist jetzt so geplant, und wir hoffen, dass es auch so funktioniert.“

Momentan aber ist Pause, und da tut die Nachricht von der Heimatzeitung gut. Ramona Hartinger: „Wir freuen uns extrem, gerade weil unsere Sportart leider immer noch sehr unbekannt ist. Wir hoffen, so diesen klasse Sport bekannter zu machen.“ Das gelingt prima. Im Sportkreis Erding kennt die TSG inzwischen so gut wie jeder – das hat diese Wahl bewiesen.

Text: Dieter Priglmeier

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