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Sportler des Jahres: Oliver Zeidler gewann die EM (Foto) und die WM.

30. Sportlerwahl

Eine Bootslänge Vorsprung für den Ruder-Riesen Oliver Zeidler

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Oliver Zeidler ist Weltmeister, Europameister und jetzt auch „Sportler des Jahres“ – vor Löwenprofi Stefan Lex und Sportschütze Maxi Dallinger.

Erding – So unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein. Als Oliver Zeidler am 1. September in Linz durchs Ziel fegte, war ihm sofort bewusst: Er ist Weltmeister. „Ich war mir sicher, dass ich deutlich vor Sverri Nielsen lag.“ Dabei war der Däne nur um drei Hundertstel langsamer, kaum wahrzunehmen also. Die Sportlerwahl des Erdinger Anzeiger dagegen hat er mit größerem Abstand gewonnen. Und das hat ihn dann doch schon sehr verblüfft. „Ah, wow!“, war seine erste Reaktion.

Der Ruder-Riese aus Schwaig übernimmt damit die Nachfolge von Felix Schütz. Dessen Olympia-Coup – Silber mit der Eishockey-Nationalmannschaft – hätte Zeidler heuer gern nachgemacht, aber darauf muss er noch ein Jahr warten. Umso mehr freut sich der Student über die Leserwahl.Ich bin froh, dass meine Leistung des letzten Jahres so geschätzt wird. Das gibt viel Motivation in der momentan schweren Phase.“

Weltmeisterschaft: „Der wichtigste Moment meines Jahres“

Millionen Zuschauer hatten vergangenen September mitgefiebert, als Zeidler im WM-Finale – auf Platz vier liegend – zu seinem Endspurt ansetzte. Die Deutsche und die Europameisterschaft hatte er bereits gewonnen. Aber bei den Weltcups war es nicht so recht gelaufen. „Mit Platz fünf in Posen war ich noch recht zufrieden “, sagt er. Aber dann das Wind-Rennen von Rotterdam. „Nur im C-Finale zu sein, nachdem ich zuvor bei jeder Regatta meines Lebens im A-Finale war, war hart.“

Mit „hart“ die letzten Meter eines WM-Finales zu beschreiben, dürfte untertrieben sein. Aber das Ende ist ja bekannt. Zeidler, der Ex-Schwimmer, ist in seinem zweiten Jahr als Ruderer, Weltmeister. Aber nicht der Titel sei für ihn das Größte in diesem Jahr gewesen. „Das ganz Besondere war, als ich nach der Siegerehrung zu den Bootslagern gerudert bin und am Steg meine Familie und Freunde schon auf mich gewartet haben. Das war der wichtigste Moment meines Jahres.“

Der stärkste Ruderer der Welt

Die Zeidlers – das ist ein Familienbetrieb. Die Schwester Marie-Sophie ist ebenfalls im Nationalkader, Vater Heino ist der Trainer und Opa Hans-Johann Färber als ehemaliger Olympiasieger („Der Bullenvierer von 1972“) ein weiterer wichtiger Ratgeber. Auch sie werden ihm helfen, die Enttäuschung der Olympia-Absage zu verkraften, die für ihn ja auch die Veränderung sämtlicher beruflicher Pläne bedeutet. Aber Oliver Zeidler wäre nicht Oliver Zeidler (Zitat vor dem WM-Halbfinale: „Ich habe heute beim Zähneputzen in den Spiegel geschaut. Da habe ich den stärksten Ruderer der Welt gesehen“), wenn er nicht schon wieder trainieren würde, um fit zu bleiben. „Ich habe das Ziel in diesem Jahr zumindest im Training Bestzeit zu fahren“, sagt er.

Das Best-Ergebnis unser Wahl hat er ja schon eingefahren. Die Unterstützung aus seiner Heimat sei ihm sehr wichtig, „da ich trotz der vielen Reisen und Aktivitäten außerhalb des Landkreises immer gerne zurück komme und mich in Erding einfach wohl fühle.“

Stefan Lex: Befreiendes Tor gegen Köln

Platz zwei: Stefan Lex lässt die Löwen wieder vom Aufstieg träumen.

Auf Stefan Lex trifft das ebenso zu. „Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue, wenn mich die Leser wählen, vor allem, weil es auch in sportlich nicht so erfolgreichen Zeiten der Fall war.“ Und die hatte der Eittinger auch im abgelaufenen Jahr. Ohnehin viel zu oft durch Verletzungen gebremst, riss sich der Löwen-Stürmer im April das Syndesmoseband. Vier Monate musste er pausieren – „so lange wie noch nie zuvor“. Die Vorbereitung verpasst – klar, dass der Saisonstart holprig wurde. Aber Lex arbeitete zäh weiter, spielte sich wieder ins Team. Und dann kam der 2. November, das Spiel im Grünwalder gegen Viktoria Köln. Lex bereitete Sascha Mölders 1:0 vor. Das 2:0 erzielte er selbst. Diese 32. Minute – das war für den Eittinger der ganz besondere Moment des vergangenen Jahres. Die eingefleischten Löwen-Fans wissen noch, dass die Partie 4:2 für die Sechzger endete. Viel wichtiger noch: Seitdem ist der ehemalige Bundesliga-Spieler wieder eine feste Größe bei den Blauen und mitverantwortlich dafür, dass die Mannschaft sogar vom Aufstieg in die 2. Bundesliga träumen darf – wenn es irgendwie weitergeht.

Derzeit sieht das bei den Löwen so aus: „Wir haben täglich eine Gruppentrainingseinheit via online Videochat. Da gehts um die Bereiche Stabilität, Kraft, Beweglichkeit. Eine Einheit mit Ball, bei der wir verschiedene kleine Übungen machen, die jeder zu Hause machen kann. Und einmal täglich haben wir einen Lauf mit unterschiedlichen Intensitäten und müssen im Anschluss die Dokumentation dem Athletiktrainer schicken.“ Das Ganze laufe sechs Tage die Woche, am Sonntag ist frei. „Wir alle hoffen also, dass bald wieder – wenn es sinnvoll ist – der normale Trainingsbetrieb aufgenommen werden kann, weil“, fügt er schelmisch hinzu, „da trainieren wir nicht so viel“.

Beeindruckt vom Arbeitspensum in den anderen Sportarten

Apropos: Beim Gala-Abend der letztjährigen Sportlerwahl hatte er sich beeindruckt gezeigt vom Pensum der anderen Kollegen: „Also wir Fußballer machen nicht so viel“, sagte er damals – „außer wir beim Biero“. Damit meint er Ex-Trainer Daniel Bierofka, dessen Abgang für ihn der kurioseste Moment des Jahres war. „Ein „normaler“ Trainerwechsel ist eigentlich, wenn’s nicht gut läuft. Zu dem Zeitpunkt hat damit aber kaum jemand gerechnet.“

Aber er hat halt schon einiges mitgemacht, der heimatverbundene 30-Jährige, der nochmals die „Konkurrenz“ würdigt. „Ich bin froh, dass durch die Leserwahl andere Sportarten und Sportler in den Vordergrund gerückt werden, die während des Jahres vielleicht nicht die mediale Präsenz haben, wie wir Fußballer. Sie haben es sich verdient.“

Maxi Dallinger: Umzug nach Haar steht an

Platz drei: Maxi Dallinger (r.) holte seine erste EM-Medaille bei den Herren. Hier mit EA-Redakteur Wolfgang Krzizok bei der Sportlerehrung im vergangenen Jahr.

Natürlich meint er damit Sportler wie Maxi Dallinger, dessen Erfolge vor allem im Landkreis wahrgenommen werden – da aber umso mehr. Der Sportschütze aus Lengdorf ist seit Jahren Stammgast unter den Top Fünf. „Ob Erster oder Dritter – das ist gar nicht wichtig“, sagt er. „Es ist einfach schön, wenn sich Leute für deinen Sport interessieren. Da geht’s ja nicht nur um Titel, sondern wie man als Persönlichkeit wirkt“, meint der 23-Jährige und fügt hinzu: „Das spornt fürs kommende Jahr an.“ 

Wie dieses 2020 noch aussehen wird, weiß auch Dallinger nicht. Olympia ist verschoben. Der Polizist wird weiter versuchen, einen Qualiplatz zu erreichen. „Es wäre natürlich schön gewesen, wenn das schon frühzeitig geklappt hätte. Dann wäre die Saison entspannter gewesen.“

Wasserpfützen zwischen Schützen und Scheiben

So aber erlebte Dallinger großartige Erfolge wie etwa mit EM-Silber im Liegendschießen seine erste Einzelmedaille bei den Herren und die beiden vierten Plätze bei den European Games in Baku. Aber da waren auch kuriose Momente, wie jenes Training beim Weltcup in Peking. „Dort regnet es höchstens dreimal im Jahr“, erzählt er. „Und dann ausgerechnet bei unserem Schießen.“ Das Dach war nicht dafür ausgerichtet, also standen zwischen Schützen und Scheiben die Wasserpfützen.

Oder da war dieser Weltcup in Rio, als hinter den Scheiben ein Hügel abbrannte. „Da war keine Feuerwehr. Die haben das einfach abfackeln lassen“, erzählt Dallinger. Das Schießen sei unterbrochen worden, weil die aufgewirbelte Asche den Schützen die Sicht nahm.

Irgendwie planlos – so bezeichnet er auch die momentane eigene Situation. Nach der Olympia-Absage habe er sein Schießtraining runtergefahren. Sein Programm: Fitness auf der Rennrad-Rolle, Challenges mit Kumpels via Insta und Facebook und Rezepte aufschreiben, die er sich von den drei besten Quellen („Mama, Oma, Internet“) holt. Die wird er gut brauchen können, denn es steht ein Umzug an. Dallinger bezieht mit einem Kumpel – auch Sportschütze im Bundeskader – eine WG in Haar. Das ist zwar nicht mehr im Landkreis, seinen Werdegang wird hier aber weiterhin jeder verfolgen.

Dieter Priglmeir

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