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Mit EA-Sportchef Dieter Priglmeir (l.) und Redakteur Wolfgang Krzizok (r.) sprachen Vitus Eicher (2. v. l.) und Stefan Lex.

Doppelinterview mit zwei Fußballprofis

Stefan Lex und Vitus Eicher: So war unser Jahr 2018

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War es ein gutes Jahr oder ein schlechtes? Wir sprachen mit den beiden Fußballprofis: dem Langengeislinger Vitus Eicher (1. FC Heidenheim) und dem Eittinger Stefan Lex (TSV 1860 München)

Erding – War es ein gutes Jahr oder ein schlechtes? Der Langengeislinger Vitus Eicher (28) hat in der vergangenen Zweitliga-Saison mit dem 1. FC Heidenheim die Klasse in einem dramatischen Finale gehalten. Heuer stehen die Heidenheimer nach der Vorrunde auf einem hervorragenden sechsten Platz mit nur sechs Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsrang.

Der Eittinger Stefan Lex (29) wechselte nach einer für ihn unbefriedigenden Rückrunde beim Zweitligisten FC Ingolstadt zum Drittligisten TSV 1860 München. Nach anfänglichen Problemen ist er jetzt in Tritt gekommen. Für die beiden Fußball-Profis beginnt an diesem Wochenende die Vorbereitung auf die Rückrunde. Im Gespräch mit der Heimatzeitung blicken sie zurück und schauen nach vorne.

Stefan Lex, Vitus Eicher, wie würden Sie Ihr Fußballjahr 2018 auf einer Skala von 1 (ganz mies) bis 10 (supersuper) bewerten?

Stefan Lex: Ich würde mir eine Fünf geben, weil das erste Halbjahr in Ingolstadt nicht zufriedenstellend war. Ich habe nicht viel gespielt, und der Abschied war auch nicht so schön. Auf den Wechsel zu Sechzig habe ich mich sehr gefreut. Da ist es allerdings anfangs auch nicht so gelaufen, aber zum Schluss lief es dann schon ganz gut.

Vitus Eicher: Die Fünf nehme ich auch. Rein persönlich gesehen, hätte ich mir natürlich mehr Einsatzzeiten gewünscht, aber als Torwart ist das eben manchmal so. Trotzdem sehe ich das Jahr eher positiv, weil wir als Mannschaft erfolgreich waren. Wir haben vergangene Saison die Klasse gehalten, auch wenn es bis zum Schluss spannend war. Und jetzt haben wir eine gute Hinrunde hingelegt.

Was war Ihr schönster Moment des Jahres?

Eicher: Als der Klassenerhalt am letzten Spieltag perfekt war – das war schon eine Riesenerleichterung. Ehrlich: Abstiegskämpfe habe ich jetzt schon ein paar Mal gehabt. Das brauche ich eigentlich nicht mehr.


Ein Abstieg verändert ja auch den Arbeitsplatz. Spielt da dann immer auch die Existenzangst mit?

Eicher: Nein. Ich beschäftige mich nie mit dem Abstieg.
Lex:Ab dem Zeitpunkt hast du eh schon verloren. Das bringt dich nur draus. Du musst immer davon ausgehen, dass es die Mannschaft noch schafft. Wenn du dich zum Beispiel damit befasst, welche Spieler mit höheren Ambitionen bei einem Abstieg den Verein verlassen werden, wirst du wahnsinnig.

Zurück zu den positiven Gedanken.

Lex:Genau. Mein schönster Fußballmoment des Jahres war der 2:0-Heimsieg gegen Zwickau. Nach längerer Zeit habe ich endlich wieder mal ein Tor gemacht.

Und es war ein besonders schönes.

Lex:Danke. Für uns war der Sieg nach der langen Durststrecke sehr wichtig. Ich finde, die Mannschaft hat auch in den Wochen zuvor meistens gut performt. Aber das war unser bestes Spiel, und wir haben auch endlich wieder mal drei Punkte geholt.

Auch für Sie persönlich war es wichtig, oder?

Lex:Klar, schließlich waren die Erwartungen schon sehr hoch, wenn ein ehemaliger Bundesliga-Spieler in die 3. Liga wechselt. Viele glaubten, da kommt jetzt der Stefan Lex und spielt alle Drittliga-Verteidiger schwindlig. Aber so einfach ist das nicht. Dass es anfangs nicht so lief, kam für mich nicht so überraschend.

Ihr Trainer Daniel Bierofka hat das mal mit der mangelnden Spielpraxis erklärt.

Lex: Das ist ein Grund. Und ich hatte in Ingolstadt eine ganz andere Rolle. Tiefe Läufe – gegen den FSV Frankfurt zum Beispiel hatte ich zehn oder elf Ballkontakte, habe aber ein Tor geschossen und eins aufgelegt. Bei den Löwen habe ich ganz andere Aufgaben.

Trotzdem: Es ist doch einfacher, Tore in der 3. Liga zu schießen als gegen Bayern oder Dortmund.

Lex:Der Unterschied zur Bundesliga ist erstmal: Dort gibt’s viele Gegner, gegen die du dir nicht viel ausrechnen kannst. In der 3. Liga geht es immer sehr eng zu. Vieles geht – ähnlich wie in der 2. Liga – über den Kampf. Das haben wir manchmal zu spät verstanden. Wir haben nicht immer die nötige Cleverness an den Tag gelegt. Das ist der Unterschied zu einer gewachsenen Mannschaft, wie es zum Beispiel der Karlsruher SC ist. Aber nochmal: Die Profis in der 3. Liga können schon auch gut kicken. Der SV Darmstadt ist vor ein paar Jahren mit vielen Spielern aus seiner Drittliga-Zeit in die Bundesliga durchmarschiert und hat dort sogar ein Jahr die Klasse gehalten.

Aber das Tempo ist schon ein anderes, oder?

Lex: Es ist anders. Aber in der Bundesliga hast du bei weitem nicht so viele Zweikämpfe wie in der 3. Liga.

Wie ist das in der 2. Liga?

Eicher: Ähnlich. Alle Vereine haben vorne drin einen Stürmer, der eher robust ist. Und jeder Einzelne in der Offensive haut dir den Ball in den Kasten, wenn er 16 Meter zentral vor dir steht. Diese Klasse hat wirklich so gut wie jeder. Ich zum Beispiel bin froh, dass der Schnatti (Marc Schnatterer, die Red.)in meiner Mannschaft spielt. Der hat einen Schuss wie ein Pferdl. Und jeder Ball flattert.

In der 3. Liga sind aber nicht nur die Stürmer robust. Die Erfahrung haben Sie gegen den Halleschen FC gemacht, Herr Lex, als Sie mit Kai Eisele zusammengerauscht sind und bewusstlos waren.

Lex: Ich kann mich bis heute nicht an die Szene erinnern. Meine ersten Fragen waren: Warum sitze ich auf der Bank? Und warum steht’s 1:1? Unser Tor habe ich nicht mitbekommen.

So aufregend war es für Sie dieses Jahr in Heidenheim selten, Herr Eicher.

Eicher: Klar, würde ich gern öfter spielen.

Sie haben immerhin eine Weiße Weste.

Eicher: Jaja, ich weiß. Ein Spiel in dieser Saison bislang, 2:0 gegen Fürth gewonnen. Nochmal: Natürlich wäre ich gern öfter im Tor. Aber mir gefällt es in Heidenheim. Ich habe in der Mannschaft ein gutes Standing. Und ich mag das Understatement auf der Ostalb, das ruhige und ehrgeizige Arbeiten. Ich denke auch, dass ich mich nochmal verbessert habe. Unser Torwarttrainer Bernd Wenig arbeitet viel im fußballerischen und athletischen Bereich.

Wie ist ihr Verhältnis zum Torwartkollegen Kevin Müller?

Sehr gut. Als er gegen Fürth krank war, hat er mich selbst informiert, dass ich spielen müsse, und mir auch nach dem Spiel zu meiner Leistung gratuliert.

Wie stehen die Chancen, dass Sie ihn 2019 als Stammkeeper ablösen?

Eicher: Am Sonntag beginnt die Wintervorbereitung. Und da will ich als Herausforderer zeigen, was ich kann.

Und was nehmen Sie sich für die Rückrunde vor, Herr Lex?

Lex:Wir wollen als Mannschaft konstanter werden, auch wenn wir eigentlich nur zweimal – gegen den KSC und Meppen – richtig schlecht gespielt haben. Wir wollen eine sorgenfreie Rückrunde. Das hat der Verein nicht so oft.

Das liegt vielleicht auch an der Grundstimmung im Verein. Sieben Unentschieden heißen in
Haching siebenmal ungeschlagen und bei den Löwen siebenmal nicht gewonnen.

Eicher. Sehe ich auch so. Bei den Sechzgern wird immer alles negativ gesehen. Selbst wenn du 3:0 gewinnst, heißt es danach: Der rechte Verteidiger hat nicht gut gespielt.

Lex: Über die sozialen Medien geht das auch gut. Da hat jeder seine Plattform. Manchmal ist das auch ganz schön scheinheilig. Das sieht man zurzeit in Ingolstadt. Wochenlang haben die Fans Marvin Matip beschimpft. Als er jetzt vom Verein aussortiert wurde, haben sie das wieder kritisiert.

Beschäftigen Sie sich noch mit Ihrem Ex-Verein? Hätten Sie gedacht, dass Ingolstadt, das immerhin als Mitfavorit in die 2. Liga gestartet ist, so abrutscht?

Eicher: Von den Einzelspielern gesehen ist das immer noch eine super Mannschaft.
Lex:Das Problem ist, die Spieler sehen das genauso. Und das war vergangene Saison auch schon so. Es ist schon der Wahnsinn, was dort passiert. Ich bin auch nicht besonders schön aus Ingolstadt verabschiedet worden, aber was sie mit Marvin gemacht haben, der zehn Jahre im Verein war und fünf Jahre Kapitän, das geht gar nicht.

In Heidenheim läuft alles offensichtlich viel ruhiger ab. Aber wird das nicht irgendwann langweilig.

Eicher: Keine Sorge, Trainer Frank Schmidt und unser Vorstand haben ehrgeizige Ziele. Wir wollen den nächsten Schritt machen.

Das wäre dann die Bundesliga.

Eicher: Nein, nicht unbedingt. Wir wollen uns erstmal dauerhaft in der 2. Liga etablieren. Im Sommer hatten wir einen großen Umbruch. Einige Spieler haben uns verlassen. Die neuen Impulse haben uns gut getan. Wir haben eine gute Hinrunde gespielt, sind aber mit 30 Punkten noch längst nicht zufrieden.

Was ist das nächste Ziel?

Eicher:Das Ziel ist das nächste Spiel in der 2. Liga gegen Kiel. Ich weiß, das klingt total langweilig und abgedroschen. Das wird dir Tag für Tag eingetrichtert. Und es ist halt auch einfach so.

Ist die 2. Liga heuer noch attraktiver als vergangene Saison?

Eicher: Natürlich. Das Kölner Stadion durfte ich ja schon erleben. Das war überragend. Und beim HSV herrschte auch eine Superatmosphäre, als wir dort gespielt haben.

Und wie ist es in der 3. Liga? Vor allem bei den Spielen im Osten?

Lex: Die haben wir alle noch vor uns. Wir müssen noch nach Jena, Cottbus, Zwickau und Halle. Unser Riesenerlebnis hatten wir schon in Kaiserslautern. 40 000 Zuschauer – das hat sich nicht wie 3. Liga angefühlt. Und ganz ehrlich: Im Grünwalder Stadion zu gewinnen – das ist auch einfach nur schön.

Herr Eicher, würde Sie das nicht noch mal reizen?

Eicher: Naja, die Art, wie man mich damals nach 17 Jahren bei den Löwen verabschiedet hat, war doch sehr negativ. Wie gesagt, ich fühle mich im Moment in Heidenheim wohl.

Herr Lex, Sie waren Bundesliga-Spieler in Ingolstadt. Und trotzdem scheinen Sie als Drittliga-Spieler bei den Löwen noch bekannter geworden zu sein.

Lex: Ja, das glaub’ ich irgendwie auch. Die Löwen bewegen die Leute halt ganz anders. Beim FCI haben sich alle gefreut, dass ich gespielt habe. Jetzt sagen Sie eher: Schön, dass du dabei warst. Aber die Hauptsach’ is, dass Sechzge g’winnt.

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